20.10.2021

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12.08.00 Die Erinnerung wachhalten

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 12. August 2000


Die Erinnerung wachhalten
Ostpreußen in Niedersachsen für Förderung der ostdeutschen Kulturarbeit

Braunschweig – Mit großer Sorge erfüllt die Ostpreußen in Niedersachsen die Situation der in der Heimat verbliebenen Deutschen. Der im deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag vom 17. Juni 1991 für die Deutschen verankerte Volksgruppen- und Minderheitenschutz auf der Basis international anerkannter Erklärungen und Übereinkommen ist nach Meinung der Landesgruppe bisher nicht realisiert worden. Die Landesgruppe verabschiedete daher in ihrer Jahreshauptversammlung eine Resolution (siehe unten).

Eingehend beschäftigten sich die Repräsentanten der Landesgruppe, die sich zusammen mit zahlreichen Gästen zu ihrer Jahreshauptversammlung in Braunschweig trafen, mit der Kulturarbeit für Ostpreußen und Ostdeutschland. Bevor der stellvertretende Landesvorsitzende und Kulturreferent der Landesgruppe Schleswig-Holstein, Edmund Ferner, einen ausgedehnten Gang durch Kultur und Geschichte machte, ließ die Vorsitzende Dr. Barbara Loeffke die dornenreiche, von nicht enden wollenden Schwierigkeiten gekennzeichnete Kulturarbeit der ostdeutschen und vor allem der ostpreußischen Heimatvertriebenen seit der Vertreibung und seit der Inkraftsetzung des Bundesvertriebenengesetzes sowie der Neuorientierung im Jahre 1982 durch die "Grundsatzkonzeption zur Weiterführung ostdeutscher Kulturarbeit" der damaligen Bundesregierung Revue passieren.

Die zunehmende Förderung der Kulturarbeit durch die öffentliche Hand sollte zwar, so wurde beteuert, nicht dazu führen, ostdeutsche Kulturarbeit in staatliche Regie zu übernehmen, aber es blieb nicht aus, daß die "neue Ostpolitik" der Arbeit und den Aktivitäten doch reichhaltig den Stempel aufdrückte. Mit der bewußten Ausschaltung der sogenannten Erlebnisgeneration kamen wichtige Apriebskräfte zum Erliegen. Bundesstaatsminister Naumann, als der auch für die ostdeutsche Kulturarbeit zuständige Minister in der derzeitigen Bundesregierung, stieß mit seinen Reformplänen, die in die Schließung zahlreicher Einrichtungen münden sollen, auf so großen Widerstand, daß eine Überarbeitung seiner Pläne hoffentlich wieder mehr dem Beitrag der ostdeutschen Kultur an der ganzen deutschen Kultur Rechnung tragen wird. Die Hintanstellung alles Ostdeutschen fand und findet Niederschlag in der im Vergleich mit west- und mitteldeutschen Kultureinrichtungen äußerst schwachen finanziellen Unterstützung.

Edmund Ferner leitete seinen breit angelegten, mit aktuellen politischen Bezügen gespickten Vortrag über "Kulturpolitik und Kulturarbeit für Ostpreußen und Ostdeutschland im Jahre 2000 und darüber hinaus" mit der Feststellung ein, daß eine Wiederbelebung des Sichbesinnens auf die Heimat und die Heimatgebiete und ein Wiederauferstehen des zerstörten kulturellen Erbes kaum ohne die Aktivitäten der Vertriebenen sowie das Zurkenntnisnehmen der geschichtlichen Wahrheit über die Vertreibungsgebiete möglich sein wird. Edmund Ferner machte sich dafür stark, daß die Deutschen und die Nachbarvölker in den Ursprungsregionen der deutschen Kultur nicht nur gemeinsam zur Erhaltung und Pflege der ostdeutschen Kultur beitragen, sondern die in der Bundesrepublik ansässigen Träger der ostdeutschen Kulturarbeit dieses Unterfangen auch nachhaltig unterstützen müßten. Impulse müssen bei der Zusammenarbeit gerade auch von Mitteldeutschland nach Osten gehen. Schließlich sei auch die Aufarbeitung und Dokumentation des Vertreibungsschicksals der Deutschen in der Bundesrepublik dringend notwendig. Es sei zu hoffen, daß das geplante "Zentrum gegen Vertreibung" dieser Aufgabe gerecht und sich nicht auch dem Zeitgeist beugen werde.

Zur Förderung insbesondere des kommunalen Engagements im kulturellen Bereich schlug Ferner die Schaffung eines Preises für hervorragende Leistungen bei der Bewahrung ostdeutscher Kultur vor. Schließlich wies der Referent da-rauf hin, daß Kultur in allen ihren Erscheinungsformen immer aus der engen Verbindung der Menschen mit der Heimat, mit Vaterland und Nation erwachse, erhalten bliebe und weitergegeben würde.

Sehr aufschlußreich waren im Anschluß die Berichte der Bezirksgruppenvorsitzenden über die Arbeit vor Ort. Das umfangreiche und vielfältige Wirken der landsmannschaftlichen Gruppen findet Niederschlag in zahlreichen Versammlungen mit prominenten Rednern, Ostpreußenfahrten, in der Hilfe für Ostpreußen, durch Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen von Städten und Gemeinden und in der Pflege ostpreußischer Sitten und Gebräuche. Dank dieser Aktivitäten konnten auch neue Mitglieder gewonnen werden. B. L.