20.10.2021

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12.08.00 Bach-Messe im Königsberger Dom

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 12. August 2000


Bach-Messe im Königsberger Dom
Potsdamer Chor gab gemeinsam mit russischen Musikern ein Konzert

Nicht nur der rote Backstein der in den letzten Jahren auch grundlegend wiederhergestellten Westfront des Königsberger Doms strahlte an diesem milden Juliabend im Schein der untergehenden Sonne besonders intensiv, sondern die vielen herbeigeströmten Konzertbesucher waren ebenfalls begeistert. Der als Bauherr und Direktor eines russischen, in Königsberg ansässigen Unternehmens für Denkmalpflege für die Restaurierung des Doms verantwortliche Dombaumeister Igor Odinzow hatte zu einem ganz besonders anspruchsvollen Ereignis auf die Dominsel geladen. Der ehemalige Oberst bei den Pionieren hatte nämlich den Chor der Friedenskirche Potsdam unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Jakob für eine Aufführung der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach gemeinsam mit Musikern des Philharmonischen Orchesters Königsberg gewinnen können.

Mit zwei Bussen waren die Potsdamer Chormitglieder am Vortag in der Pregelstadt angekommen. Die Müdigkeit von der langen Fahrt schien überwunden und auch eine aufgekommene Frustriertheit über die langwierige Grenzabfertigung in Heiligenbeil war durch einen Ausflug an das Kurische Haff abgebaut worden. Während die Brandenburger Gäste auf dem Domvorplatz erst einmal die Abendsonne genossen, füllte sich der Dom rasch mit 750 Besuchern, einige Zuhörer mußten sogar stehen.

Nach nur zwei gemeinsamen Proben des Laienchors aus Potsdam mit den professionellen Königsberger Musikern durften einige Heimatreisende zusammen mit dem heute in Königsberg lebenden Publikum dann an einem Erlebnis teilhaben, wie es wohl schöner nicht sein konnte. Bei einer ausgewogenen Akustik – trotz enormer bisheriger Leistungen bleibt für den Ausbau des Doms, der ohne weitere offizielle deutsche Mittel finanziert werden muß, noch vieles zu tun – bewältigten die Ausführenden die nicht nur an sie gestellten höchsten Ansprüche dieser Bach-Messe meisterhaft, auch eine ahnungsvolle Ergriffenheit bei den Hörern wurde spürbar. Minutenlanger Beifall beschloß im Königsberger Dom die zuversichtliche Bitte der Messe nach Frieden.

Im Bach-Jahr hat der Musiker nach vielen Jahren nun wieder Einzug gehalten in der Stadt am Pregel – dank der engagierten Initiative Igor Odinzows und dank des deutsch-russischen Zusammenwirkens und nicht zuletzt der interessierten Zuhörer aus dem heute russisch verwalteten Königs- berg. Anita Motzkus