28.10.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
19.08.00 Die Geschichte holt das Land des "roten Adlers" ein

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 19. August 2000


"Starkes Stück Brandenburg"
Die Geschichte holt das Land des "roten Adlers" ein

Welche Tücken die deutsch-polnischen Beziehungen enthalten, das erfuhren jetzt erneut die Brandenburger bei der Vorbereitung des Brandenburg-Tages am 2. September. Gastgeber des Landesfestes unter dem Motto "Starkes Stück Brandenburg" ist das Land, von dem freilich ein Stück fehlt, nämlich das östliche Brandenburg. Und wo sonst im Lande, wenn nicht in Frankfurt (Oder), fällt dem Betrachter so deutlich auf, daß Brandenburg sich ja eigentlich östlich über die Oder hinaus erstreckt?

Dieser Teil der Betrachtung wird geflissentlich ausgelassen. Man muß aber auch leider sagen, daß es der Mehrzahl der Brandenburger und speziell der Festgestalter nicht mehr bekannt ist, daß es ein östliches Brandenburg gibt. Und diejenigen, die vom östlichen Brandenburg wissen, schweigen.

Heute will sich Frankfurt als deutsch-polnische Grenzstadt präsentieren; die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) soll das Image aufpolieren. Ganz vom Zeitgeist geprägt wollte man auch nicht über den Verlust der brandenburgischen Neumark klagen oder um die bei der Vertreibung umgekommenen Zivilisten trauern. Im Gegenteil, man freute sich über seine neuen polnischen Nachbarn. Frankfurts Oberbürgermeister Wolfgang Pohl bezeichnete die Oderregion als "ein Sinnbild für die enge Zusammenarbeit und das friedliche Zusammenleben von Deutschen und Polen in zwei Schwesterstädten, die enger kaum zusammen liegen können." Wahrlich, damit hat der Oberbürgermeister schön umschrieben, daß es sich bei der Frankfurter "Schwesterstadt" Slubice eigentlich um den Frankfurter Stadtteil Damm-Vorstadt handelt. Getragen vom Geist der guten Nachbarschaft wollten die Partnerkommunen zum Brandenburgtag einladen. Anfangs hielten die deutschen Gastgeber ihre Idee für gut, und die polnischen Kommunen wollten gerne kommen. So sollten am Brandenburgtag in Frankfurt (Oder) auch die polnischen Stadtverwaltungen aus Küstrin und anderen Städten teilnehmen.

Doch auf den zweiten Blick fiel den Polen auf, daß sie das nicht akzeptieren können; denn sonst würden sich ja unter dem Schlagwort Brandenburg auch die Städte Landsberg an der Warthe, Küstrin und Slubice (Frankfurt-Dammvorstadt) präsentieren. Also sagten die polnischen Kommunen ihre Teilnahme am Brandenburgtag schleunigst ab und organisierten ein eigenes Fest, und zwar den sogenannten Lubusker Tag, der ebenfalls am 2. September in der Damm-Vorstadt stattfindet.

Und so werden sie sich am 2. September gegenüberstehen und höchst unfreiwillig daran erinnern, daß die Mark Brandenburg geteilt ist. Vielleicht findet diese Teilung aber bald schon ein Ende, denn – darauf muß man achten – das polnische Fest trägt den Namen Lubusker Tag. Der Name leitet sich – wie unschwer zu erkennen ist – von der Stadt Lebus ab. Die Stadt Lebus war im Mittelalter eine bedeutende Handelsstadt und Bischofssitz; heute ist sie nach deutschem Verständnis eine unbedeutende, idyllisch gelegene Kleinstadt an der Oder. Nach polnischem Verständnis ist sie eine urslawische, also urpolnische Stadt in einer "westpolnischen" Provinz. Die Polen bezeichnen heute die Region östlich von Küstrin und Frankfurt (Oder) als "Lebuser Land". Die Hauptstadt dieser Region ist Lebus. Das Problem aber ist, daß Lebus westlich der Oder liegt und zur Bundesrepublik Deutschland gehört. Noch.

Friedrich Nolopp