28.10.2021

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19.08.00 Donauschwaben in Jugoslawien: Raubmord aus Machtkalkül

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 19. August 2000


Donauschwaben in Jugoslawien: Raubmord aus Machtkalkül
Serbisches Sensationsbuch als Basis der Versöhnung
Von Werner Harasym

Im Schlußteil widmet sich das seit kurzem in deutscher Sprache verfügbare serbische Sensationsbuch "Ein Volk an der Donau. Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien unter dem kommunistischen Tito-Regime" (siehe auch OB 32/00, S. 6) der Ursachenforschung.

Der Belgrader Germanistik-Professor Zoran Ziletic teilt dabei in wesentlichen Punkten die Überzeugungen donauschwäbischer Wissenschaftler. Beispielsweise wenn er betont, daß die von der kommunistischen Ideologie geforderte Kollektivwirtschaft Grund und Boden der Deutschen benötigte, um die Kolchosen einzuführen.

Die Belohnung von Partisanenkämpfern aus den kargen Gebieten der Krajina und Lika mit fruchtbarem Land und guten Häusern spielte seiner Meinung nach ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle und diente der Stabilisierung der Macht der neuen roten Herren.

Durch die Eliminierung der Deutschen wurde aus Sicht der Partisanen der Aufbau der neuen Gesellschaftsordnung auch deshalb erleichtert, weil dieser Bevölkerungsteil wegen seines beachtlichen Vermögens potentiell derjenige war, der dem kommunistischen System am wenigsten abgewinnen konnte.

In seinem Aufsatz "Die Deutschen der Wojwodina und der Zweite Weltkrieg" fragt Ziletic, warum nicht auch den anderen Minderheiten wie etwa den Madjaren oder Albanern der Prozeß gemacht wurde, hatten die Serben doch durch die Träger der großungarischen und großalbanischen Idee viel mehr Opfer zu beklagen.

Auf diese Frage antwortet Goran Nikolic in seinem Schlußwort "Das Leben nach der Kreuzabnahme": "Diese Politik war motiviert sowohl von der damaligen in weiten Teilen der Welt und Europas verbreiteten antideutschen Stimmung wie auch vom Bestreben, durch die kollektive Bestrafung der einen (das heißt der Angehörigen der deutschen Minderheit) andere (die Kroaten) kollektiv zu entlasten."

Und das, obwohl – wie Nikolic hervorhebt – zahlreiche Fälle überliefert sind, in denen es gerade die Donauschwaben waren, die den kroatischen Ustaschas entgegentraten und die Serben schützten.

Ziletic zufolge bot es sich damals geradezu an, die ganze Schuld den Deutschen in die Schuhe zu schieben. Weil diese nach der Niederlage des Deutschen Reiches im gesamten Europa vogelfrei waren, konnten die Tito-Partisanen noch vor ihrer internationalen Anerkennung die Donauschwaben ohne größere Widerstände enteignen und damit ein wirtschaftliches Übergewicht erlangen.

Den Vorwurf, die Deutschen Jugoslawiens hätten in ihrer überwiegenden Mehrheit beim deutschen Militär gedient und sich deshalb des Landesverrates schuldig gemacht, kontert der Germanistik-Professor mit dem Hinweis, Tito selbst wäre vom Standpunkt des legitimen bürgerlichen Staates Jugoslawien "als Deserteur und Fünfte-Kolonne-Mitglied der Komintern" zu betrachten. Schließlich sei er weder der Mobilisierung vor Ausbruch des Aprilkrieges im Jahre 1941 nachgekommen, noch unterstellte sich der Partisanenführer nach dem raschen Zusammenbruch der Fahne des Königreiches.

Im übrigen ist es nach Ansicht Ziletics total ahistorisch zu kritisieren, daß sich die Jugoslawiendeutschen ethnisch entschieden. Genauso taten es die Madjaren in der Batschka, die Kroaten in Syrmien oder die Serben, Kosovo-Albaner und Slowenen, die nicht am Partisanenkampf teilnehmen wollten.

Was hätten die donauschwäbischen Männer auch sonst tun sollen? Die Tschetniks waren eine nationale serbische Organisation, die keine Deutschen aufnahm. Den Tito-Partisanen hatte sich bis zum Einmarsch der Roten Armee auch die große Mehrheit der Serben unter der deutschen Okkupationsverwaltung nicht angeschlossen.

Außerdem wären die Donauschwaben samt ihren Familien dann der Verfolgung durch die Ustaschas in Kroatien, den Ungarn in der Batschka oder der deutschen Besatzung im Banat ausgesetzt gewesen.

Ferner hätten sie ohnehin zum Militär einrücken müssen – in der Batschka zu den madjarischen Honveds, in Syrmien zu den kroatischen Ustaschas, im Banat zu Nedics "Serbischer Staatswehr". Daß sie sich in der Mehrheit für die Waffen-SS entschieden, lag vor allem an deren besserer Bewaffnung und Ausbildung der Offiziere.

Nicht einverstanden ist die nationalkonservative Gruppe um Ziletic allerdings mit der These der Donauschwäbischen Kulturstiftung, großserbischer Nationalismus habe bei den Tito-Partisanen eine tragende Rolle gespielt und damit die Vertreibung maßgeblich unterstützt.

Diesem Ansatz würden schon die Biographien der führenden Partisanen widersprechen, entgegnen sie in an anderer Stelle gedruckten Aufsätzen sowie im 1998 von der Donauschwäbischen Kulturstiftung herausgegebenen Taschenbuch "Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948".

Eduard Kardelj, der "zweite Mann" hinter Tito, war Slowene. Tito selbst hatte einen kroatischen Vater und eine slowenische Mutter. Sein Verhältnis zu den Serben sei zwiespältig und problematisch gewesen. So errichtete der Diktator nach 1945 mit der Wojwodina und dem Kosovo zwei autonome Provinzen. Dadurch schwächte er die Teilrepublik Serbien und dämpfte großserbische Ambitionen.

Ziletic bemängelt außerdem, daß in der donauschwäbischen Geschichtsschreibung dem "parallel dazu verlaufenden Leidensweg der antikommunistischen und zum Bildungs-, Geld- und Industriebürgertum zählenden Serben und aller anderen Südslawen" zu wenig Beachtung geschenkt werde.

Diesen Vorwurf hält Hans Sonnleitner, seines Zeichens Vorsitzender der Donauschwäbischen Kulturstiftung, für durchaus zutreffend. Zur Rechtfertigung führt er an: "Wir haben über die Mordorgien, die Tito an seinen Landsleuten vollzog, keine fundierten Unterlagen."

Einig sind sich Sonnleitner und Ziletic in ihrem Fazit, die Hauptursache des bestialischen Vorgehens der Tito-Partisanen liege im "atheistischen Kommunismus".

Trotz der eher leserunfreundlichen Gestaltung und etlichen Grammatik- und Tippfehlern ist der preiswerten deutschen Übersetzung (20,- DM) ebenso wie der mittlerweile in zweiter Auflage gedruckten serbischen Originalausgabe große Verbreitung zu wünschen, damit die Lügen- und Schweigespirale in beiden Ländern ein Ende findet.

"Das Stefanovic-Buch übertrifft seinen publizistischen Rahmen und muß Basis einer breiten Diskussion einer donauschwäbisch-serbischen Annäherung werden", verkündete Sonnleitner als Vision bei der Präsentation der deutschen Ausgabe. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Bezugsadresse für "Ein Volk an der Donau": Donauschwäbische Kulturstiftung, Goldmühlestraße 30, 71065 Sindelfingen