20.10.2021

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26.08.00 Reemtsma-freundliche Historiker sprechen dubiose Wanderschau frei

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 26. August 2000


Anti-Wehrmachtsausstellung: Die bestellte Absolution 
Reemtsma-freundliche Historiker sprechen dubiose Wanderschau frei

Was Fachleute gefordert, was Journalisten erwartet hatten, nämlich daß die so schmachvoll gescheiterte Anti-Wehrmachtsausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1945" endgültig geschlossen wird, scheint nicht einzutreten. Reemtsma bringt seine Hilfstruppen in Stellung und engagierte überwiegend willfährige Historiker, um eine reparierte Fassung auf den Markt zu bringen. Ihm geneigte Presseorgane bereiten die geflickte Neuinszenierung publizistisch vor.

Zwar konnte er nicht umhin, sich von seinem schwerbelasteten maßgebenden Mitarbeiter Hannes Heer zu trennen, der die Vorwürfe wie Verfälschung, Fälschung, Manipulierung von Fotos sowie selektive Auswahl von Grundlagen und Quellen auf sich nehmen mußte. Doch fand Millionenerbe Reemtsma dafür Historiker aus den USA und Deutschland, die ihn und seine Ausstellung möglichst reinwaschen sollten. Daß diese acht Herren sowie zwei Zuarbeiter nicht vorurteilsfrei arbeiten, dafür sorgte Reemtsma selbst, indem er sie verpflichtete, bei der Neupräsentation der Ausstellung solle weiterhin "der ihr zugrunde liegende Verbrechensbegriff thematisiert werden". Keiner der Gutachter hat dieser Vorbedingung widersprochen.

Der Publizist und Historiker Meinrad von Ow hat im August dieses Jahres eine Studie über wissenschaftliches Fehlverhalten vorgelegt, in der er die Frage beantwortet: "Können acht Gutachter der Ausstellung ,Vernichtungskrieg‘ Glaubwürdigkeit verleihen?" Detailliert beleuchtet er den wissenschaftlichen Werdegang dieser acht Historiker und untersucht, wie sie sich bisher Reemtsma und der Ausstellung gegenüber verhalten haben, um daraus zu schließen, ob sie wirklich unvoreingenommen und sachlich an die Aufgabe herangehen. Er kommt zu einem vernichtenden Urteil.

Von Ow geht davon aus, daß "der unlautere Umgang mit der Wahrheit, der im November 1999 zur vorläufigen Schließung der Schau geführt hat, bekannt ist". Er akzentuiert nunmehr, daß die Ausstellung "ein eklatantes Beispiel für wissenschaftliche Unredlichkeit und Fehlverhalten" sei. Er zitiert den Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Hubert Markl: "Die Wissenschaft ist immer in der Pflicht, sich um die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu bemühen." Zwar kann sich ein Wissenschaftler irren, aber "Unredlichkeit widerspricht fundamental den Grundsätzen der Wissenschaft und untergräbt das Vertrauen der Öffentlichkeit." Und eben diese Unredlichkeit wirft Meinrad v. Ow Reemtsma und den Seinen vor.

Prof. Dr. Omer Bartov, 1954 in Israel geboren, Professor an der Rutgers University in New Jersey/USA, gehört zur Schule von Prof. Messerschmidt, dem Kopf einer als "Rote Zelle" bekannten Gruppe im Militärgeschichtlichen Forschungsamt. Er hat sich durch teilweise maßlose Formulierungen gegen die Wehrmacht hervorgetan. So etwa behauptete Bartov in seinem Buch "Hitlers Wehrmacht": "Der Zusammenhalt der Truppe beruhte auf einer Pervertierung der moralischen und rechtlichen Grundlagen des Kriegsrechts", oder: "Es war leichter (für die Soldaten der Wehrmacht), die Brutalität der Offiziere zu ertragen, wenn man andere brutal behandeln durfte", oder: "Das Ostheer wurde durch eine Kombination aus eiserner Disziplin im Feld und allgemeiner Lizenz zur barbarischen Behandlung des Feindes zusammengehalten." Dagegen lobt er die Sowjetarmee: "Selbst die Rote Armee hielt ihre Männer nach dem Einmarsch in Deutschland besser im Zaum, als es die Wehrmacht in Rußland tat". Bartov gehört zu dem Komitee, das die amerikanische Version der Reemtsma-Ausstellung vorbereitete. Dabei ist es aufschlußreich zu erfahren, daß das Goethe-Institut in den USA, eine Institution des Deutschen Auswärtigen Amtes, die dubiose Wanderschau unterstützen sollte.

Ein anderes Mitglied der Reemtsma-Kommission ist Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld, Stuttgart, dem von Ow vorwirft, er habe sich in seinen bisherigen Veröffentlichungen über die Wehrmacht durch "einseitige Sicht, die dem Leser ein völlig eindimensionales Geschichtsbild vermittelt", ausgezeichnet. Er hat Greueltaten der Roten Armee gerechtfertigt und aufgerechnet gegen den angeblich "beispiellosen Vernichtungsfeldzug der Wehrmacht".

Prof. Dr. Friedrich Kahlenberg, Präsident des Bundesarchivs, der ebenfalls bei Reemtsma mitwirkt, hat lange die von falschen Bilder nur so strotzende Reemtsma-Ausstellung als authentisch verteidigt.

Daß Prof. Dr. Manfred Messerschmidt, geradezu ein Symbol für einseitige linke Geschichtsbetrachtung unter Mißachtung jeder wissenschaftlichen Redlichkeit, mit von der Partie ist, ist selbstverständlich.

Von Ow faßt seine Studie, die hier nur in Ausschnitten vorgestellt werden konnte, zusammen: Die Mehrzahl der von Reemtsma berufenen Wissenschaftler habe die alte Ausstellung begrüßt, bejaht oder zumindest nicht grundsätzlich kritisiert – und jede sachliche Kritik beharrlich ignoriert. Von einer unvoreingenommenen Kommission könne keine Rede sein.

So ist zu befürchten, daß sich die Unseriosität der Ausstellung fortsetzt. Jochen Arp