20.10.2021

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26.08.00 Mit Fotos lügen

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 26. August 2000


Mit Fotos lügen 
Von H.-J. v. Leesen

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" – stimmt das wirklich? Ein Fotografie belegt die Situation eines Augenblicks. Sie sagt aber nichts darüber aus, wie es zu dieser Situation kam und was auf dem Bild wirklich zu sehen ist. Zeigt das Foto eines Erhängten einen nach einem Gerichtsverfahren hingerichteten Verbrecher oder das Opfer einer Mordtat? Wer hat die Menschen, deren Leichen auf Fotografien zu sehen sind, getötet und wer waren die Opfer?

Normalerweise glaubt man den Fotos unreflektiert. Allzustark sprechen sie das Gefühl an. Wer die Bilder als erster der Öffentlichkeit präsentiert und seine Deutung unterlegt, der beherrscht das Feld.

Darauf und auf die Arglosigkeit der Deutschen verließen sich auch die beiden Initiatoren der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1945" Reemtsma und Heer, als sie ihre überwiegend aus sowjetischen Archiven stammenden Bilder durchs Land schickten und sie ausnahmslos als Belege deutscher Verbrechen deklarierten. So erschütterten sie hunderttausend vor allem junge gutgläubige Menschen, die die Ausstellung mit dem bedrückenden Gefühl verließen, daß ihre Großväter Verbrecher waren.

Allerdings hatten Reemtsma und Heer den Bogen überspannt. Ausländische Historiker stellten fest, daß zahlreiche Bilder falsch erläutert worden waren. Sie zeigten beispielsweise nicht, wie behauptet, ermordete Juden, sondern Polen und Ukrainer, die von den Sowjets zu Tausenden liquidiert worden waren. Unter dem Druck der Beweise mußte die Ausstellung schließen, doch wird sie zur Zeit aufgemöbelt.

Der Norddeutsche Rundfunk strahlte am 18. August 2000 zu später Stunde im 3. Programm einen Film mit dem Titel "Der Skandal um die Wehrmacht-Fotos" aus, in dem Tina Mendelsohn und Jochen Traubtmanns sich auf die Spuren der umstrittenen Ausstellung machten. Ausführlich gingen sie auf die Aufnahmen ein, die Leichenberge im polnischen Zloczow zeigten, von denen Reemtsma und Heer behaupteten, es handele sich um von Deutschen ermordete Juden. Der polnische Historiker Musial, der im Film zu Worte kam, hatte jedoch herausgefunden, es seien Polen und Ukrainer, die vom sowjetischen Geheimdienst kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen massakriert und dann verscharrt worden waren. Die Wehrmacht hatte nach Hinweisen aus der Bevölkerung die Gräber geöffnet. Juden wurden gezwungen, die Leichen zu exhumieren.

Die Filmemacher interviewten die jetzt greise polnische Fotografin, die die Bilder als ihre damals im Auftrag der Wehrmacht gemachten identifizierte. Auf einem von ihnen erkannte sie sogar ihren ermordeten Bruder. Andere polnische Zeitzeugen bestätigten die Morde des sowjetischen Geheimdienstes.

Der damalige Chef der Sonderpropaganda der Roten Armee, Generalmajor a. D. Burzew, bestätigte, daß die Sowjets allen gefallenen und gefangenen deutschen Soldaten die Fotos abnahmen. (Die Soldaten der Wehrmacht durften wohl als einzige im Zweiten Weltkrieg weitgehend ungehindert privat fotografieren.) Sie bilden jetzt den Bestand des russischen Staatsarchivs. Waren auf solchen Fotos Tod und Zerstörung sichtbar, dann wurden sie, ohne nach Erläuterungen zu suchen, von den Sowjets als "Beweise deutscher Greueltaten" propagandistisch verwertet. Dabei weisen die Aufnahmen lediglich auf der Rückseite den Namen des deutschen Soldaten auf, dem sie abgenommen wurden, sowie dessen Feldpostnummer. Mehr nicht. Niemand weiß also, was die Bilder wirklich zeigen.

Ehemalige Soldaten der Wehrmacht bestätigten in dem Film, daß meistens auch sie nicht wissen, welche Ereignisse hinter den Fotografien stecken, die sie mit nach Hause gebracht haben. Oftmals tauschten Soldaten miteinander Fotos aus, sie machten im Vorbeifahren eine Aufnahme von einer bemerkenswerten Situation. Nach den Hintergründen fragte kaum jemand. Beauftragte von Reemtsma und Heer gaben den aus sowjetischen Archiven herausgesuchten Fotos ihre eigene Deutung, und die war offenbar weitgehend willkürlich.

Ähnlich "lässig" geht man auch anderweitig mit solchen angeblich dokumentarischen Fotos um. Das bestätigte der Staatsanwalt Dresen der Ludwigsburger Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen. Auch im Archiv des Österreichischen Widerstandes, einer aktiven linken Institution, wurden die Fotos niemals kritisch hinterfragt, wie zugegeben wurde.

Und solche Fotos findet man heute zu Tausenden in deutschen Schulbüchern, in angeblich "dokumentarischen" Fernsehfilmen, in Bildbänden, Zeitungen und Ausstellungen.

Wir wissen nun, daß nur in Ausnahmefällen die historischen Hintergründe solcher Aufnahmen belegbar sind, und müssen davon ausgehen, daß die große Mehrzahl der Fotos zur Manipulation verwendet worden ist und daß die Erklärungen aus der Feder von Leuten stammen, die damit politische Ziele verfolgen, nicht aber ihre Aufgabe darin sehen, historisch aufzuklären.