20.10.2021

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26.08.00 4000 Russen antworten auf Umfrage der "Deutschen Welle"

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 26. August 2000


Was denken Sie über Deutsche?
4000 Russen antworten auf Umfrage der "Deutschen Welle"

Rußlands Präsident Wladimir Putin gilt als Freund der Deutschen, deren Sprache er auch spricht – als erster Kremlchef seit Lenin. Doch wie sieht die Einstellung seines Volkes gegenüber dem Nachbarn aus? Die "Deutsche Welle" (DW) wollte es genau wissen und bat in ihrem russischen Programm die Hörer um Antwort. Etwa 4000 Reaktionen erreichten den deutschen Auslandssender. Eine Auswahl hat der Sender in einer 111 Seiten starken, gut lesbaren Broschüre mit dem Titel "Was denken Russen über die Deutschen?" veröffentlicht, die bei der Deutschen Welle, D-50588 Köln, bestellt werden kann.

Um es vorwegzunehmen: Bis auf zwei Briefe, in denen die deutsche Besatzungspolitik auf der Krim während des Zweiten Weltkrieges sowie die Bombardierung Jugoslawiens durch die Nato unter Einschluß der Bundeswehr kritisiert werden, ist die Post differenziert bis eindeutig positiv.

Nachgesagt wird den Deutschen Ausdauer, Disziplin, Fleiß, Genauigkeit, Gewissenhaftigkeit, Gründlichkeit, Korrektheit, Ordnung, Professionalität, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Selbstbeherrschung, Sparsamkeit, Zielstrebigkeit sowie die "Fähigkeit, große Aufgaben ohne Hast und Eile zu bewältigen".

Die Ursachen für "den Wiederaufbau und den Aufschwung Westdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg" werden im deutschen Nationalcharakter gesehen, statt sie wie in der Bundesrepublik politisch korrekt im Marshall-Plan, bei den Gastarbeitern, in einem nachgerade von Himmel gefallenen Wirtschaftswunder oder irgendwo anders außerhalb des deutschen Volkes zu suchen. Die Deutschen seien "es einfach gewohnt, das eigene Haus gebührend in Ordnung zu halten".

Doch nicht nur Ordnung und die anderen bekannten preußischen Tugenden werden den Deutschen nachgesagt. Gelobt und bewundert werden vielmehr auch Ehrlichkeit, Fröhlichkeit, Kinderliebe, Klugheit, Mitmenschlichkeit, Selbstvertrauen, Bildung und Kultur einschließlich der Sprache, das "Gefühl der eigenen Würde", die Größe des Geistes, die Fähigkeit, feiern zu können, die Wissenschaft und Philosophie sowie "die ungezwungene Atmosphäre, die Gelassenheit, Unaufdringlichkeit und der menschliche Respekt".

Die "Bußfertigkeit und das Reuegefühl für all das Elend, das der Nationalsozialismus bei den Völkern Europas angerichtet hat", werden in der Post an die "Deutsche Welle" nicht wie im Westen als immer noch nicht ausreichend kritisiert, sondern vielmehr als "Charakterzug der Deutschen" anerkannt. Der "neuen deutschen Generation" wird Hochachtung dafür gezollt, daß sie "die Verantwortung für die Taten von Hitler-Deutschland" übernimmt und für Wiedergutmachung sorgt. Eine Russin fragt sich hinsichtlich der eigenen, sowjetkommunistischen Vergangenheit gar: "Warum schämen wir uns eigentlich nicht?"

Im Gegensatz zu der im Westen und der Bundesrepublik gerne vertretenen Kollektivschuldthese unterscheiden die Zuschriften genau zwischen inhumanem NS-Regime und humanen Deutschen, zwischen inhumanem Sowjetsystem und humanen Russen sowie zwischen dem negativen Bild des Deutschen in der Sowjetpropaganda und eigenen positiven Erfahrungen mit Deutschen.

Leser der Broschüre sollten natürlich in Rechnung stellen, daß hier die Hörer der "Deutschen Welle" antworten. Es darf angenommen werden, daß ganz und gar deutschfeindliche Russen den Sender eher meiden dürften. Dennoch überrascht die beinahe völlige Abwesenheit von Pauschalverurteilungen, wie sie die Deutschen insbesondere aus US-amerikanischen oder britischen Deutschlandbildern schon gewohnt sind. Länder, deren Völker manche hierzulande viel eher als unsere "Freunde" betrachten wollen als die Russen.

Statt Zerrbilder zu reproduzieren, weisen die befragten Russen auf die historischen Parallelen der beiden Völker hin, die schönen wie die leidvollen. Dabei sticht stets das Bemühen hervor, dem deutschen Nachbarn auf keinen Fall ungerecht gegenüberzutreten, und das Verlangen, hinter die "Seele" dieses ewigen Begleiters der russischen Geschichte und Kultur zu blicken. Manuel Ruoff