19.10.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
26.08.00 KOMMENTARE

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 26. August 2000


KOMMENTARE
München: "Stadtrundfahrt"

Die aktuelle Medienkampagne gegen den Rechtsextremismus macht Kapriolen. So forderte das zur Verlagsgruppe der linksliberalen "Süddeutschen Zeitung" gehörige Münchner Massenblatt "Abendzeitung" (AZ) ihre Leser in ihrer Ausgabe vom 17. August zu einer Aktion gegen Rechts auf. "Stadtrundfahrt: Wo München extrem rechts ist", hieß es da. Und unter dem Motto "Sightseeing mal anders: Hier treffen sich die Ewiggestrigen" lud der Fraktionschef der Münchner Grünen, Siegfried Benker, die Leser des Boulevardblatts zum "Ortstermin". Selbstverständlich wird unter Angabe der jeweiligen Adressen zu einem "Besuch" gebeten. Doch nicht nur bei der "Deutschen Volksunion" (DVU) des Gerhard Frey ist "Besuch" angesagt. Bezeichnenderweise wurden auch mehrere ausgesprochen bürgerlich-konservative Institutionen genannt. So der "Bund Freier Bürger (BFB), das konservative Blatt "Criticón"oder die Redaktion des sudetendeutschen "Witikobriefes". "Stadtrundfahrten" also mit Angabe der Adressse. Wie Hohn klingt da das Motto der Aktion des Blatts: "AZ-Aktion gegen rechte Gewalt: München sagt Ja zur Toleranz." Kennt man nicht diese Verfahrensweise gerade aus links- und rechtsextremen Blättern und Internetseiten: Foto und Adresse veröffentlichen, warten, bis sich jemand findet, der Steine wirft und sich dann die Hände in Unschuld waschen? Vielleicht sollten einige Damen und Herren von der "Abendzeitung" einmal ein paar Seiten des "Völkischen Beobachters" aufschlagen. Vermutlich finden sie dort einige Parallelen. Hans B. v. Sothen

Reinhardsbrunn: Neuer Realismus gesucht 
"Institut für Staatspolitik" startete erste Sommer-Uni

Das im Frühjahr gegründete Institut für Staatspolitik (IfS) ist von Anfang an mit dem Anspruch angetreten, "das Machbare zu machen", wie es der Göttinger Historiker Karlheinz Weißmann formulierte. Gemeinsam mit dem Medienunternehmer Götz Kubitschek und dem Leipziger Juristen Stefan Hanz gehört Weißmann zu den Gründern des Instituts, das derzeit seinen Sitz im hessischen Bad Vilbel hat.

Ein Schritt in die angestrebte Richtung war die erste Sommeruniversität des Institus vom 17. bis 20. August im thüringischen Kurort Reinhardsbrunn bei Friedrichroda. Der Tagungsort war bewußt spartanisch gewählt: ein mehrstöckiges Gebäude im Landhausstil auf einem zur evangelischen Kirche gehörenden Stiftsgelände. Gemäß dem alten klösterlichen Sinnspruch "Ora et labora" ("Bete und arbeite") waren hier die Seminarräume sowie die einfach ausgestatteten Mehrbettzimmer unter einem Dach vereint.

Die rund vierzig Teilnehmer – im Schnitt zwischen 25 und 35 Jahren – kamen aus ganz Deutschland. Wer die Studiengebühr von 120 Mark bezahlt hatte, konnte innerhalb der vier Tage verschiedene Vorträge hören und neue Kontakte knüpfen. Insgesamt standen die von Weißmann und Kubitschek geleiteten Studientage unter dem zentralen Thema "Krisen und Lösungen". Ausgangspunkt war dabei die Überzeugung, daß den gegenwärtigen Krisen in Politik und Gesellschaft nicht mit blindem Optimismus, vor allem aber auch nicht mit dem auf konservativer Seite häufig anzutreffenden, generalisierenden Pessimismus zu begegnen sei. Gesucht wurde auf der ersten Sommeruniversität des IfS der "neue Realismus", der nüchtern die Situation analysiert und Auswege aus der Krise anbietet.

Naturgemäß konnte der zweite Anspruch nur in Ansätzen gelingen. Ohnehin hatte das Institut die Studientage in Thüringen als einen ersten Versuch, eine erste Annäherung verstanden. Vorträge von Professor Alexander Schuller über die "Krise des Menschenbilds" oder Professor Reinhart Maurer über die "Offene Gesellschaft" boten Einblick in die Thematik; Vorträge über Nietzsche oder die "Krise der Geschlechter" sowie verschiedene Arbeitsgruppen sorgten für andere Sichtweisen. Zum Abschluß sprach Karlheinz Weißmann über die politische Dekadenz der Gegenwart – ein Thema, bei dem es an aktuellen Beispielen kaum mangelte.

Sowohl die Veranstalter wie auch die Seminarteilnehmer zogen am Sonntag eine positive Bilanz. Das IfS plant nun, pro Jahr zwei derartige Veranstaltungen abzuhalten. Im Herbst steht jedoch zunächst der Schritt nach Berlin an: im September und Oktober sind politische Diskussionsforen in der Hauptstadt geplant. Oliver Geldszus

Kontakt: Institut für Staatspolitik, Alte Frankfurter Straße 54, 61118 Bad Vilbel, Telefon/Fax 0 61 01/50 11 20