28.10.2021

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02.09.00 Währungsverfall: Der Euro lernt französisch

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. September 2000


Währungsverfall: Der Euro lernt französisch
Paris will "weiches Geld" – Anleger fliehen in den US-Dollar

Der Euro kommt nicht aus dem Tief heraus. Daß das auch so bleiben wird, dafür sorgte jüngst der französische Finanzminister Laurent Fabius, indem er abermals mehr politischen (also französischen) Einfluß auf die Einheitswährung verlangte.

Die Finanzminister der Euro-Staaten sollten der Europäischen Zentralbank (EZB) "Inflationsziele nahelegen", so Fabius. Würde dem nachgegeben, wäre es um die vielbeschworene Unabhängigkeit der EZB in einem wesentlichen Teil geschehen. Diese war den Deutschen hoch und heilig versprochen worden, um ihnen den Abschied von der Mark zu erleichtern. Indes: Schon im Mai 1998 begann Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac Zweifel an der Aufrichtigkeit jenes Versprechens zu nähren. EZB-Präsident Duisenberg solle, so die Forderung aus Paris, schon nach der Hälfte seiner Amtszeit 2002 zurücktreten, um einem Franzosen Platz zu machen.

Was dieser zu tun gedenken dürfte, darüber kann kaum ein Zweifel bestehen. Immer wieder kommen die Franzosen seit zwei Jahren auf die Frage des politischen Einflusses auf die EZB zurück. Euro-Kanzler Kohl hat sich – so der Eindruck in Deutschland – hinters Licht führen lassen. Die angebliche Geschäftsgrundlage der Gemeinschaftswährung war von den Franzosen von Anfang an nicht ernst gemeint.

Die Frage nach der Unabhängigkeit des Geldes von der Politik ist kein deutscher Tick. Sie bedingt, ob eine Währung hart oder weich ist. Wo die Politik in Währungsfragen das letzte Wort hat, muß die Geldpolitik herhalten zur Stärkung des Exports oder zur Ankurbelung der Konjunktur. Beides geht mit "leichtem" Geld (zunächst) besser als mit stabilem.

Auf die Dauer jedoch, da sind sich Währungsexperten einig und dafür spricht ganz augenscheinlich die glanzvolle Entwicklung der Bundesrepublik, trägt hartes Geld weit mehr zur Stärkung einer Volkswirtschaft bei als weiches.

Frankreich droht mit seinen fortgesetzten Querschüssen alle Bemühungen von EZB-Präsident Wim Duisenberg um eine harten Euro zunichte zu machen. Der Holländer führt den Euro tatsächlich wie die Bundesbankpräsidenten einst die legendäre D-Mark. Doch am Weltdevisenmarkt vermag noch niemand auszumachen, wie stark der Arm des EZB-Chefs wirklich ist, ob es ihm gelingen wird, die französischen Eingriffe abzuwehren. Die Rückendeckung, die ein Bundesbankchef in der Politik und vor allem bei seinem Volk genoß, sie fehlt Duisenberg.

Ein weicher Euro wird Kapitalflucht provozieren. Die Europäer werden ihr Geld in Euro verdienen, werden ihre Ausgaben in Euro tätigen, aber anlegen werden sie ihr Erspartes lieber in stabilen Devisen wie vor allem dem US-Dollar.

Es ist die Crux zahlloser Länder auf der Welt, daß ihr Geld nicht als Anlagewährung in Frage kommt, weil es zu weich ist. So kann dort noch soviel investiert, noch viel verdient werden – am Ende fließt das erwirtschaftete Kapital in die Länder mit der harten, vertrauenerweckenden Devise. Die Folge ist dauerhafte Verarmung.

Hartwährungsländer hingegen erfreuen sich eines steten Zuflusses an frischem Kapital, das ihre Banken der heimischen Wirtschaft als billige Krediten zur Verfügung stellen können. Die USA finanzieren so seit Jahren einen Dauerboom auf Kosten der restlichen Welt. Kredite, die US-Banken ans Ausland vergeben, kehren über den Finanzkreislauf ebenso "nach Hause" zurück. Denn wirft die kreditfinanzierte Investition erst einmal Gewinne ab, werden diese wiederum "sicher", also in harten Dollars, angelegt.

Was den Bewohnern der Euro-Staaten droht, ist also weit mehr als ein paar "Eurocent" mehr für den Liter Benzin zahlen zu müssen oder für den Überseeurlaub ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen. Ein breiter Kapitalabfluß und eine damit verbundene Verarmung ist der eigentliche Preis des weichen Geldes. Nicht umsonst haben überall auf der Welt Hartwährungsländer die Nase wirtschaftlich vorn – sie saugen das um die Erde kreisende Kapital auf wie ein Schwamm. Die fortschreitende Globalisierung der Finanzmärkte wird diesen Trend noch verstärken.

"Der Euro spricht deutsch", versprach der damalige Finanzminister Waigel (CSU). Sollte heißen: Die deutsche Hartwährungspolitik würde einfach auf all die Weichwährungsländer der Eurozone übertragen. Wie naiv das gedacht war, erweist sich nun. Waigels sozialdemokratischer Nachfolger Eichel wird alle Hände voll zu tun haben, der deutschen Sprache (die in EU-Europa ohnehin benachteiligt wird) beim Euro Gehör zu verschaffen.

CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne haben den Euro unisono unterstützt. Sie stehen bei den Deutschen im Wort. Sie werden ihr Wort nicht halten können. Hans Heckel