25.10.2021

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16.09.00 Die Debatte um Normann Finkelsteins provokantes Buch dauert an

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. September 2000


Amokläufer und gesunder Menschenverstand 
Die Debatte um Normann Finkelsteins provokantes Buch dauert an

Der gesunde Menschenverstand, so der erste Satz von Descartes "Discours de la Methode", ist die am besten verteilte Sache der Welt. Wenn jedoch der Vater des modernen Rationalismus die Blüten erlebt hätte, die von der "politischen Korrektheit" in gewissen bundesrepublikanischen Kreisen getrieben werden, hätte er wahrscheinlich auf seine zentrale These verzichten müssen.

Der Frankfurter Anwalt Michel Friedmann, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrates der Juden, überfiel neuerdings einen seiner Fernsehgäste am Ende einer Diskussion über Rechtsradikalismus mit der Frage: "Sind Sie nicht auch der Meinung, daß deutsche Unternehmen, die nicht in die Stiftung zur Entschädigung der Zwangsarbeiter einzahlen, boykottiert werden sollen?"

Die Boykottvorstellung scheint zum geistigen Fetisch des Mannes geworden zu sein. Dabei sind die Grundfakten nicht zu übersehen: der DIHT hat 220 000 Briefe verschickt, in denen alle deutschen Unternehmen mit mehr als zehn Angestellten aufgefordert wurden, in den Stiftungsfonds einzuzahlen. Auf diese Briefe reagierten positiv 3769 Unternehmen (Stand vom 31. August 2000). 217 231 Unternehmen haben sich bisher als nicht zahlungsbereit erwiesen. Diese will Herr Friedmann boykottiert wissen. Mit anderen Worten: da zahlenmäßig die überwältigende Mehrheit der deutschen Unternehmen die Zahlung ablehnt, möchte dieser große Demokrat und Patriot Deutschland sich selbst boykottieren sehen – offenbar um durchzusetzen, daß die Sünden der Väter auf die Söhne und Sohnessöhne bis ins dritte und vierte Glied zurückfallen.

Die US-Handelskammer hat in einem Aufruf amerikanische Unternehmen, die von Zwangsarbeit in ihren deutschen Filialen profitiert haben, zu überzeugen versucht, einem Restitutionsfonds beizutreten. Nach mehr als einem halben Jahr hat sich ein einziges Unternehmen dazu bereit erklärt!

Aber der lautstarke Frankfurter Advokat ist nicht allein. In der jüngsten Ausgabe der "Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung" wurde die Forderung aufgestellt, der Münchener Piper-Verlag solle auf die deutsche Übersetzung von Norman Finkelsteins neuem Buch, "The Holocaust Industry – Reflections on the Exploitation of Jewish Suffering", verzichten. Das aufsehenerregende Buch, dessen erste englische Auflage schon vergriffen ist, dürfe im deutschen Sprachraum nicht erscheinen – vermeintlich aus historischen Gründen. Nicht mehr und nicht weniger. Es liefere Argumente einer axiomatisch verkündeten "falschen Seite".

Auf diesen Seiten wurde "Holocaust Industry" schon vor Wochen besprochen, und zahlreiche Rezensenten seines Buches sind sich darin einig, daß Finkelstein recht hat, wenn er u. a. behauptet, die Claims Conference haben die Zahl der ehemaligen "Sklavenarbeiter" weit übertrieben, um den auf die jüdischen Opfer zukommenden Anteil der Stiftungsmittel höher zu schrauben, als sachlich berechtigt. Dazu die Aussage der weltweit anerkannt kompetentesten Autorität in dieser Materie, Professor Raul Hilberg: "Ich bin mit ihm einverstanden, daß die Leute die Anzahl der Überlebenden überschätzen und daß der Begriff selbst schlecht bestimmt wird – er schließt nicht nur Opfer der Lager mit ein –, und es ist wahr, daß eine übertriebene Zahl von Kompensationsforderungen gestellt werden. Es ist etwas grundsätzlich Schlimmes in dieser Ausbeutung, weil dies kein Thema ist, aus dem man Geld machen sollte …" ("Valor", Brasilien, 4. August 2000.)

Die ursprüngliche Zensur-Forderung in der "Jüdischen Allgemeinen" wurde von dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde zu Frankfurt a. M., Salomon Korn, gestellt. (Danach gesellte sich leider auch der Vorsitzende des Zentralrates, Paul Spiegel, dieser Forderung hinzu. Darf gerade er vergessen, daß Verbot unliebsamer Bücher die erste Stufe zum totalitären Staat darstellt?). Derselbe Mann ist Mitglied im Führungsgremium der deutschen Niederlassung der Claims Conference. Finkelstein beschuldigt die Claims Conference, in der Vergangenheit deutsche Zahlungen zweckentfremdet zu haben und neuerdings zu Lasten nichtjüdischer Opfer überhöhte Überlebendenzahlen, bzw. einen überhöhten Anteil aus den zehn Milliarden D-Mark, zu beanspruchen. Finkelstein tritt also als Ankläger auf, die Claims Conference ist Angeklagte. Und nun fordert die Angeklagte, man solle dem Kläger das Reden verbieten!

Die bedeutendste jüdische Zeitschrift Amerikas, "Commentary" (Herausgeber: American Jewish Committee), enthält in ihrer jüngsten Ausgabe eine umfassende, tiefschürfende Abhandlung unter dem vielsagendem Titel: "Holocaust Reparations A Goowing Scandal".

Am 11. September wurde in New York die "Foundation of the Jewish People" gegründet. Diese Gründung war am 18. Mai in Jerusalem beschlossen worden. In diese Stiftung werden alle Vermögenswerte eingebracht, die nach Verteilung der Gelder an die noch lebenden Opfer übrigbleiben – es geht um Milliarden. Aber federführend in dieser Stiftung werden nicht mehr die amerikanisch-jüdischen Organisationen, sondern wird die israelische Regierung sein. Im Bericht von Israel Wire über die Gründe, die zur Errichtung der Stiftung geführt haben, heißt es: "Es ist notwendig, die Lektionen aus dem Wiedergutmachungsabkommen von 1952 mit der Bundesrepublik Deutschland zu lernen, so daß es zu einer gerechten Aufteilung der Fonds kommt, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Überlebenden sowohl als auch der gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnisse des jüdischen Volkes."

Es wäre angebracht und es würde bedeuten, den gesunden Menschenverstand, der zur Zeit auf den Kopf gestellt im logischen Raume steht, wieder auf die Beine zu stellen, wenn die Herrn Korn und Spiegel sich selbst fragen würden, von welchen "Lektionen" hier eigentlich gesprochen wird? Ivan Denes