25.10.2021

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16.09.00 Bedeutsamer Historikertag in Oslo: Gründliche Blamage für Nolte-Gegner

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. September 2000


Norwegen: Wider besseres Wissen angeschwärzt
Bedeutsamer Historikertag in Oslo: Gründliche Blamage für Nolte-Gegner

Der Internationale Historikertag ist eine renommierte Institution. Das veranstaltende Internationale Komitee (CISH) hat nun im norwegischen Oslo einen neuen Vorsitzenden gewählt. Es ist dieses Mal ein Deutscher, der Berliner Geschichtswissenschaftler Jürgen Kocka. Seine Amtszeit als Präsident dieser internationalen Vereinigung wird fünf Jahre betragen.

Seine Wahl ging ohne Komplikationen durch. Ein besonders gutes Entree hat er sich danach dort allerdings nicht verschafft. Und das hätte man sich eigentlich denken können. Seit mehreren Jahren wird insbesondere in der deutschen Historiographie politisch korrekt "aufgeräumt". Bereits beim Deutschen Historikertag 1996 wurde von mehreren Professoren gezielt eine Kampagne gegen längst verstorbene deutsche Historiker entfacht. So wurden unter anderem auch Gegner des Nationalsozialismus wie der konservative Gerhard Ritter auf die Anklagebank gesetzt. Zum 42. Historikertag in Frankfurt am Main 1998 setzte Professor Kocka seine Anklagepolitik fort. Vor allem Werner Conze und der langjährige Herausgeber der renommierten "Historischen Zeitschrift", Theodor Schieder, waren Zielscheiben seiner Angriffe. Hauptvorwurf auch hier: Opportunismus und mangelnde ostentative Distanz zum Nationalsozialismus.

Auch zum jetzigen Historikertag in Oslo schienen große Teile der deutschen Historikerzunft auf eine entsprechend diensteifrige Denunziationskampagne nicht verzichten zu können. Diesmal traf es allerdings einen Lebenden, wenn auch Abwesenden. Wie der österreichische Historiker Lothar Höbelt in der Wiener Wochenzeitung "Zur Zeit" berichtet, legten Kocka und mehrere seiner Kollegen eine Stellungnahme vor, die auf dem Rücktritt des Vorsitzenden des Münchner "Instituts für Zeitgeschichte", Horst Möller, beharrte. Sein Verbrechen: Er hatte eine Laudatio für den deutschen Historiker Ernst Nolte anläßlich der Verleihung des Konrad-Adenauer-Preises gehalten (Das Ostpreußenblatt berichtete). Kocka hielt es sogar für angebracht, wider besseres Wissen Nolte vor internationalem Fachpublikum in Abwesenheit als "Holocaust-Leugner" zu diffamieren.

Eine auslandsdeutsche Kollegin Kockas legte flugs noch eine bereits vorbereitete – und von Kocka wärmstens befürwortete – Resolution nach, die der vorgeblichen "Besorgnis" des Internationalen Komitees über die Auswirkungen der in Deutschland zu beobachtenden Fremdenfeindlichkeit beredte Stimme verleihen sollte.

Doch es kam anders, als es sich Jürgen Kocka und seine Mitstreiter gedacht hatten. Der abtretende CISH-Generalsekretär, der Franzose François Bedarida, verbat sich in inhaltlich scharfer Form solche Denunziationsversuche. Derlei politische Kampagnen, so der französische Wissenschaftler, hätten hier nichts verloren, was schon daraus hervorgehe, daß dieselben Herrschaften (er meinte Kocka & Co.) zu noch weit ärgeren Vorkommnissen, wie etwa dem Genozid in Ruanda, geschwiegen hätten. Ein britischer Kollege ergänzte, das Komitee habe sich immer dann engagiert, wenn die Arbeitsbedingungen von Historikern und ihre akademische Freiheit eingeschränkt würde. Von Ernst Nolte gehe eine solche Gefahr keineswegs aus, vielmehr drohe sie ihm. Die darauffolgende Abstimmung in der Generalversammlung, die die Vertreter aller nationalen Komitees und deren angeschlossene Vereinigungen umfaßt, endete mit einer Blamage für die deutschen Antragsteller unter Kocka: Die Resolution endete bei 11 gegen 35 Stimmen und 7 Enthaltungen mit einem Fiasko für die Deutschen. Es mag die Tatsache gewesen sein, daß viele Delegierte ihren Nolte selbst zu lesen in der Lage waren und sich so ihr eigenes Urteil bilden konnten, die viele internationale Delegierte abgestoßen hat. Vielleicht war es aber auch nur das ungute Gefühl, hier handele es sich um das gleiche beflissene Denunziantentum, das einst einige ihrer deutschen Kollegen zwischen 1933 und 1945 ausgezeichnet hat und das heute wieder eine bleierne Zeit für unkonventionelle deutsche Historiker bedeutet.

Daß man längst verstorbenen Historikern, denen das Unglück zuteil wurde, während einer Diktatur lehren zu müssen, Konformismus vorwirft, mag müßig sein. Daß diejenigen, die heute auf dem Gebiet der historischen Wissenschaften selbst eine unerträgliche Atmosphäre des Konformismus verbreiten, ist es schon weniger. Denn sie werden sich später nicht mit dem Argument herausreden können, man habe es aufgrund der schlechten Zeiten nicht anders vermocht. Jedenfalls zeigt der Vorfall erneut, wohin der Zug "gegen rechts" abfahren soll: in Richtung geistiger Unfreiheit und Denunziation. Und wenn das Ausland sich nicht genug über die deutsche Rechte empört, dann wird dem Ausland von Deutschland aus eben etwas auf die Sprünge geholfen. Nur: dieses Mal ist es schiefgegangen.

Hans B. v. Sothen