25.10.2021

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16.09.00 In knapp zwei Wochen entscheidet das Volk über die Euro-Einführung

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. September 2000


Dänemark: Spannend bis zum Schluß 
In knapp zwei Wochen entscheidet das Volk über die Euro-Einführung

Wie eine Umfrage des Forsa-Instituts ergab, lehnen zur Zeit 63 Prozent der Deutschen die Einführung des Euro ab und würden gern die Deutsche Mark behalten. Und weil das so ist, werden die Deutschen vorsichtshalber nicht gefragt.

Ganz anders in Dänemark. Nicht einmal zwei Wochen trennen uns noch von der Volksabstimmung, in der die Dänen bestimmen können, ob sie ihre Krone aufgeben zugunsten der intereuropäischen Währung Euro. Nach den Umfragen liegen beide Meinungsblöcke Kopf an Kopf; das eine Meinungsforschungsinstitut ermittelte eine knappe Ablehnung des Euro, das andere eine ebenso knappe Zustimmung.

Die von der Dänischen Sozialdemokratischen Partei gestellte Minderheitsregierung betreibt die Einführung des Euro, wenn es auch in der Sozialdemokratie durchaus gegensätzliche Stimmen gibt. Aber mit großer Entschiedenheit hat sich der Ministerpräsident Poul Nyrup Rasmussen in die Werbekampagne für den Euro gestürzt, ist durchs ganze Land gezogen und hat überall in größeren und kleineren Versammlungen seine Bürger zu überzeugen versucht, daß ein Ja zum Euro Dänemark guttun würde.

Die Euro-Befürworter wie auch ihre Gegner werden von erheblicher Furcht geplagt. Die Euro-Freunde argwöhnen, daß bei einem Nein der Dänen der feste Kurs der Krone erschüttert wird. Wirtschaftlich würde Dänemark in Europa isoliert sein. Dänische Auslandsinvestitionen gingen zurück. Ihre Argumente sind ausnahmslos wirtschaftlicher Natur.

Die Euro-Gegner hingegen fürchten, daß bei Einführung der internationalen Währung das Ende des dänischen Wohlfahrtsstaates gekommen sei. In einer europäischen Staatenunion, die fast alle Dänen ablehnen, würde das kleine Dänemark politisch an den Rand gedrängt. Vermutlich müsse man mit dem Ende des dänischen Königshauses ebenso rechnen wie mit dem Ende der von den Dänen außerordentlich hoch geschätzten freiheitlichen Demokratie, denn, so das Argument, erfahrungsgemäß könne man ein so riesiges Gebilde wie die EU nie demokratisch regieren.

Ihre staatliche Souveränität wollen auch die Befürworter des Euro nicht aufgeben, doch hoffen sie, daß man die Euro-Währung wieder abschaffen könnte, wenn sie sich nicht bewährt. Zwar behauptet der derzeitige Justizminister Frank Jensen von den Sozialdemokraten, es sei realpolitisch undenkbar, daß die anderen Euro-Länder Dänemark gegen seinen Willen im Euro-Staat festhalten würden, doch weisen die Euro-Gegner auf die Regelung hin, die tatsächlich ein Ausscheiden aus der Euro-Währungs-Gruppe unmöglich macht.

Es sind vor allem ältere Menschen, die nichts wissen wollen von der Aufgabe des dänischen Nationalgefühls. Sie sind bewußte Dänen und fürchten, daß die EU auch mit Hilfe der Einheitswährung Euro die nationalen Eigenarten einebne.

Daß der europäische Einheitsstaat drohe, das argwöhnen trotz aller gegenteiliger Beteuerungen viele Dänen. Wie rabiat die EU in die Souveränität eines Staates eingreift, davon konnten sie sich ein Bild machen, als die EU gegen Österreich einen Boykott verhängte, und das nur, weil zum ersten Mal seit Jahrzehnten die Sozialdemokraten aufgrund des Wahlergebnisses nicht mehr den Bundeskanzler stellen konnten. Dergleichen befürchten die Dänen auch für ihr Land, wenn sie sich durch Übernahme der EU-Währung auf Gedeih und Verderb der EU ausgeliefert haben.

Zwei Tage vor der Volksabstimmung und damit am 26. dieses Monats will der 62köpfige sogenannte Konvent, der unter dem Vorsitz von Roman Herzog über eine einheitliche Grundrechte-Charta der EU beraten hat, das Ergebnis bekanntgeben. Für viele Dänen ist das der erste Schritt zu einer Europäischen Unionsverfassung, und die würde das Aus für die Nationalstaaten und damit auch für das Königreich Dänemark bedeuten.

Hans-Joachim v. Leesen