28.10.2021

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23.09.00 Minen in der Ostsee

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 23. September 2000


Minen in der Ostsee
Die von Alliierten versenkte Giftgasmunition verrottet

Als die Expedition der in Königsberg beheimateten Abteilung des atlantischen ozeanologischen Instituts der russichen Akademie der Wissenschaften nach Hause zurückgekehrt war, untersuchte sie die Versenkung chemischer Munition aus Wehrmachtsbeständen, die von den Alliierten nach Kriegsende in den Meeresengen des Skagerrak, des Kattegats und in der Nähe der schwedischen Insel Bornholm in der Ostsee versenkt worden waren. Unmittelbar nach dem Krieg wurden in der sowjetischen Besatzungszone 35 Tonnen solcher Munition entdeckt (zwölf Prozent des Gesamtbestandes). Hat das sowjetische Militär sie im Meer versenkt, indem sie die Munition in der Nähe von Bornholm und Gotland verstreute, so haben England und die USA die restlichen 270 Tonnen samt Schiffen in den Meeresengen der Nordsee versenkt, die zum Baltikum führen.

Allein im Skagerrak liegen solche Kriegsschiffe auf einer Fläche von mehr als zehn Quadratkilometern. Die Untersuchungen von Bord des Schiffes "Professor Stockmann" haben bestätigt, daß die Munition (darunter befinden sich Giftstoffe wie Senfgas, Lewisit, Adamsit, Arsenit) in den genannten Meeresengen bereits zu zerfallen beginnt. In der Nähe des schwedischen Hafens Lysekil beispielsweise übersteigt die Unterwasser-Konzentration von Senfgas und Lewisit den Grenzwert um ein Hundertfaches. Wie ein Teilnehmer der Expedition, Prof. Nikolaj Dewerjan, in einem Interview mit der "Iswestija" erklärte, ist mit einer konzentrierten Emission dieser Stoffe schon innerhalb der nächsten fünf Jahre zu rechnen. Im einem solchen Falle müßte eine Quarantäne für den Fischfang Ost- und Nordsee verhängt werden. In dieser Region fangen die Fischer von Schweden, Dänemark, Deutschland und anderer Länder circa 2,5 Millionen Tonnen Fische pro Jahr, deren Verlust direkt oder indirekt bis zu 250 Millionen Menschen betreffen würde. Dies bedeutet zum Beispiel auch, daß die baltischen Länder bis zu 30 Prozent ihres Bruttosozialproduktes nicht erreichen würden. Bis jetzt gibt es unter den Experten noch keine einhellige Meinung, wie man mit der Munition verfahren sollte. Die einen schlagen vor, sie zu bergen, andere, sie in den Tiefen des Meeres zu begraben, wieder andere, sie mit einem Sarkophag des Typs von Tschernobyl zu bedecken. Russische Spezialisten meinen, daß diese Varianten entweder zu teuer sind oder zuviel Zeit in Anspruch nehmen würden. Ihrer Meinung nach dürften die Schiffe nicht angerührt werden, weil die verrosteten Geschosse endgültig undicht werden oder wegen der von ihnen im Meerwasser gebildeten Stoffe, die sehr empfindlich auf Schläge und Berührungen reagieren, explodieren könnten.

Die russischen Wissenschaftler schlagen vor, die am Boden liegenden Schiffe mit Beton zu übergießen und die Kriegsmunition auf diese Weise gleichsam direkt auf den Schiffen "einzukapseln". Niemand zweifelt, daß auf dem Grund von Ost- und Nordsee tickende Bomben liegen. Doch warum hat niemand es eilig, sie unschädlich zu machen?

Wladimir Petrow, Korrespondent der "Kaliningradskaja Prawda" in Berlin