17.10.2021

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30.09.00 Nachdenklichkeit

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. September 2000


Nachdenklichkeit

"Ich habe gesehen, wie ein junger Mann meine herzkranke Lehrerin mit dem Kolben seines Gewehrs totgeschlagen hat. Das Gehirn quoll ihr aus dem Kopf, Mutter hat mich schnell weitergezogen", berichtet die Sudetendeutsche Maria Pekarova über ihre Erlebnisse während des sogenannten "Brünner Todesmarsches". Damals waren drei Wochen nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht 26 000 Bewohner von Brünn von den marodierenden Tschechen auf einen Marsch mit ungewissem Ziel gesetzt worden, an dessen vorläufigem Ende der Tod von mindestens 2000 Deutschen zu beklagen war. Lange war diese blutige Austreibungsaktion verschwiegen worden, jetzt besinnen sich junge Tschechen der blutigen Taten ihrer Eltern und Großeltern und wollen erreichen, daß zumindest die Behörden der Stadt Brünn sich für dieses Gemetzel entschuldigen. Doch während ein Teil tschechischer Intellektueller den Ansatz junger tschechischer Brünner billigt, verhalten sich die Behörden der Stadt abweisend. Bürgermeister Petr Duchon stellt klar: "Entschuldigen werden wir uns nicht."

Junge Tschechen kommentieren das Verbrechen immerhin laut "Spiegel" mit den Worten: "Der Todesmarsch war bei weitem kein spontaner Ausbruch während der Okkupation angesammelten Hasses, sondern eine gezielt geplante, auch von den politischen Repräsentanten der Stadt Brünn organisierte Aktion." Eine Entschuldigung wäre zwar kein völkerrechtlicher Akt, der Rückkehr, Lösung der Eigentumsfrage und Entschädigung regulierte, würde aber gewiß als Geste guten Willens von den Betroffenen anerkannt. Doch da nach tschechischer Auffassung Legitimation und Wahrung des Status quo sicherste Gewähr für die Beibehaltung der Verhältnisse steht, der jüngst noch eine ermunterte Bestätigung durch amerikanische Regierungskreise erfahren hat, setzt man lieber auf Sicherheit. Vermutlich, so die Befürchtung tschechischer Kreise, könnten schon bloße Entschuldigungsgesten die angestaute historische Erbmasse ins Rutschen bringen, an deren Ende sich nicht nur die noch ungeschriebenen Schicksale von Menschen offenbaren, sondern auch die Aufhebung der Benesch-Dekrete sowie eine völkerrechtliche Regulierung zwingend anbieten würden. Prag weiß sich dabei im Bunde mit bestimmten Kreisen in Berlin und setzt zudem auf Zeit. P. F.