17.10.2021

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30.09.00 Die Zwangsarbeit in der UdSSR wird in Polen zunehmend zum Thema

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. September 2000


Polen: Auch die Russen sollen entschädigen
Die Zwangsarbeit in der UdSSR wird in Polen zunehmend zum Thema
von Joachim G. Görlich

Das auflagenstarke Nachrichtenmagazin "Wprost" in Posen steht mit seiner Forderung nicht allein, wenn es schreibt: "Eine noch zu begleichende Rechnung: Nicht nur Deutschland, sondern auch Rußland sollte den Kriegsopfern Entschädigungen zahlen!" Bisher bestünden für die Opfer des "Stalin-Imperiums" jedoch noch nicht einmal "Aussichten auf eine symbolische Wiedergutmachung". Das müsse anders werden, denn vor dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion sei diese selbst "Aggressor und Teilhaberin der vierten polnischen Teilung gewesen".

Die Polen haben für ihr Anliegen die New Yorker Rechts-anwältin De-borah Sturman gewonnen, die zu jenen Anwälten zählt, die auch in Sachen deutsche Entschädigungszahlungen für Zwangsarbeiter aktiv sind. In ihren Augen stehe es außer Zweifel, daß die juristischen Voraussetzungen vorhanden seien, "auch für die in die UdSSR deportierten Polen Gerechtigkeit einzuklagen". Dabei sei es "irrelevant, ob Rußland derzeit imstande ist, symbolisch Entschädigungen zu zahlen", denn es gehe zuerst nicht um das Geld, sondern um eine Anerkennung der Schuld. Auch ihr ist bewußt, daß Rußland im Gegensatz zu Deutschland kein großer Exporteur ist und sich kaum um seine internationale Reputation sorgt, doch ist sie zuversichtlich: "Diese Situation kann sich schon morgen ändern." Ihres Erachtens könne sich Polen bei seinen Entschädigungsansprüchen auf die Haager Konvention von 1907 berufen, die klar das Kapitel Krieg und Besatzung regele. Daß die Zwangsarbeiter in der Sowjetunion im Gegensatz zu jenen in Deutschland nicht in der privaten Wirtschaft gearbeitet haben, sondern in der Staatsindustrie, läßt sie nicht verzagen. "Den Staat auf die Anklagebank zu setzen, ist zwar sehr viel schwieriger", aber in ihren Augen nicht unmöglich.

Nach polnischen Berechnungen wurden nach dem Überfall der Roten Armee auf Polen am 17. September 1939 binnen kurzer Zeit 1,5 Millionen Polen in das Innere der UdSSR deportiert. Diejenigen, die den Transport überlebten, wurden durch "körperzerstörende Zwangs-arbeit ausgebeutet", wie es in "Wprost" heißt.

Von den sowjetischen Deportationen besonders betroffen waren neben den Angehörigen antikommunistischer Gruppen, wie beispielsweise der Heimatarmee (Armja Krajowa, AK) und den oberschlesischen Bergbauarbeitern die nunmehr großenteils in Ostpreußen, Pommern und Schlesien lebenden Vertriebenen von östlich der polnisch-sowjetischen Grenze zwischen 1919 und 1921, der sogenannten Curzon-Linie.

Der 1989 gegründete "Verband der Sibiriaken" kann heute allein mit 80 000 Mitgliedern aufwarten, die vom "Amt für Kombattantenfragen" anerkannt worden sind und ein Dokument erhalten haben, das ihre fünf- bis sechsjährige Deportation mit schwerster Zwangsarbeit bestätigt.

Das russische Außenministerium stellte jedoch noch 1999 fest, daß der deutsche Angriff auf Polen mit dem der Sowjetunion nicht gleichzusetzen sei. In Warschau hofft man, daß Moskau nicht imstande sein wird, diese These auf Dauer aufrechtzuerhalten. Folglich will man nicht aufhören, wo man nur kann, die Entschädigung für die polnische Zwangsarbeit in der Sowjetunion während des Krieges einzufordern.