17.10.2021

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30.09.00 Die Ostpreußische Familie

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. September 2000


Die Ostpreußische Familie

Lewe Landslied,

es spricht sich herum: Da gibt es eine Zeitung, die heißt Ostpreußenblatt, und darin ist eine Spalte "Die Ostpreußische Familie", die kann helfen, wo andere Institutionen versagen. Und so kann man es sich erklären, warum jetzt vermehrt Anfragen von "außenbords" kommen, wobei natürlich das Internet eine immer größer werdende Rolle spielt.

Von einer Bekannten erhielt Wilhelm Schellhaß unsere Anschrift und war darüber sehr froh. Denn für ihn blieben die Jahre, die er in Ostpreußen verlebte, unvergeßlich. "In den 30er Jahren war ich als Eleve auf dem Gut Wolka bei Orlau, Kreis Neidenburg, tätig. Die dort in der Stille des idyllischen Masuren erlebte Zeit war die schönste meines Lebens!" Und das schreibt ein 83jähriger! Auch an die RAD-Zeit in der Rominter Heide und an seine Dienstzeit beim 2. Infanterie-Regiment in Allenstein, Bischofsburg und Ortelsburg erinnert sich Herr Schellhaß noch sehr intensiv, und ganz besonders an die im "lieblichen Ortelsburg", weil er dort viele Freunde fand. 1938/39 diente er bei den Yorkschen Jägern, zog von dort am 1. September 1939 in den Krieg und kehrte bereits wenige Tage später als Schwerverwundeter in das Ortelsburger Kreiskrankenhaus zurück – was reiner Zufall war, den er aber sehr begrüßte. Nun fragt Herr Schellhaß nach ehemaligen Bekannten, er würde sich aber auch sehr über Post von anderen Ortelsburgern freuen. Für den Erblindeten bedeutet jede aufgefrischte Erinnerung sicher ein Quentchen Freude im dunkel gewordenen Lebensabend. (Wilhelm Schellhaß, Sonnenhalde 22 in 72488 Sigmaringen.)

Bei vielen Institutionen hat Frau Nithogris Neidnicht schon nach Verwandten gefragt, aber nie eine positive Antwort bekommen. Nun ist die Ostpreußische Familie dran. Ihre Mutter wurde als Elly Weiss am 2. November 1918 in Bartenstein geboren, sie soll fünf oder sechs Schwestern gehabt haben. Aus ihrer ersten Ehe mit dem Dirigenten Keichel hatte sie zwei Kinder, Renate und Dieter Keichel. Nach der Scheidung heiratete sie Bernhard Neidnicht, den Vater der Schreiberin, den sie nach der Vertreibung im thüringischen Heßberg kennengelernt hatte. Elly Neidnicht hat zu Lebzeiten kaum über ihre Heimat gesprochen, weil sie wohl die schweren Erlebnisse nie überwinden konnte, deshalb hat sie ihrer Tochter auch keine Angaben hinterlassen. Nun möchte diese aber endlich mehr wissen und sucht Menschen, die entweder zur Verwandtschaft gehören oder etwas über die Familie Weiss wissen, auch Anschriften nennen können. (Frau Nithogris Neidnicht, Mehrower Allee 82 in 12687 Berlin.)

Ein kurzes Gespräch in Leipzig war der Anlaß, daß sich Elona Mai nun an uns wendet, mit der Hoffnung, endlich etwas über das Schicksal ihres seit 1945 verschollenen Großvaters zu erfahren. Dieser, Karl Meyer, * 10. Februar 1897 in Buttken (Kreis Treuburg), war Angestellter der Deutschen Reichsbahn. Sein letzter Wohnort war Sudauen (Suwalki), Seynistraße. Im Februar 1945 erhielt seine Frau noch einmal Post von ihm. Er schrieb, daß er zwischen Königsberg und Heiligenbeil pendele und daß der Russe schon überall sei. Das war das letzte Lebenszeichen. Eine Suchanzeige gleich nach dem Krieg beim DRK hatte keinen Erfolg, später unterband der Eiserne Vorhang alle weiteren Nachforschungen. Nun hofft seine Enkeltochter, daß es vielleicht noch ehemalige Reichsbahner gibt, die Karl Meyer kannten und mit ihm in den letzten Kriegstagen zusammen waren. (Elona Mai, Pirnaer Landstraße 17 A in 01833 Stolpen.)

Eure

Ruth Geede