17.10.2021

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14.10.00 Schlammschlacht im DFB

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 14. Oktober 2000


Schlammschlacht im DFB
Ein Beispiel des sportlich-kulturellen Niedergangs

"Der größte Skandal in der Geschichte der Bundesliga" und "ein Skandal, an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten": So bezeichnen Paul Breitner und Willi Lemke die derzeit ausgetragene Schlammschlacht zwischen Uli Hoeneß und Bayern München auf der einen sowie Christoph Daum und Bayer Leverkusen auf der anderen Seite, die zu Zeiten eines Fritz Walter, als Kameradschaft und Sportsgeist auf dem und um das Fußballfeld noch etwas galten, undenkbar gewesen wäre.

Auslöser des Skandals ist ein Interview, das Hoeneß der "Abendzeitung" gegeben hat. Laut der Ausgabe des Münchner Boulevardblatts vom 2./3. dieses Monats sagte der Bayern-Manager in diesem Gespräch: "Es geht darum, was sich in den letzten sechs Monaten ereignet hat um Herrn Daum, um sein privates Umfeld, seine Werbeverträge, um Erpressungsversuche und Prostituierte, wovon er ja selber gesprochen hat, um all die Scheiße geht es ..." "Wenn das alles Fakt ist, worüber geschrieben wurde, auch unwidersprochen über den verschnupften Daum, dann kann er nicht Bundestrainer werden."

Daum reagierte mit einer Strafanzeige gegen Hoeneß wegen Verleumdung und übler Nachrede. Das ist der vorläufige Höhepunkt einer seit Jahren gepflegten Männerfeindschaft. Noch im Februar diesen Jahres frohlockte Daum: "Auf diese Sticheleien habe ich mich schon gefreut. Für Uli Hoeneß scheint das ja schon eine Art Ritual geworden zu sein." Inzwischen geht es jedoch nicht mehr nur um Sticheleien, mit denen zwei gestandene Männer ebenso unsportlich wie undiszipliniert ihre Feindschaft ausleben, sondern um nicht mehr und nicht weniger als den Posten des Teamchefs der deutschen Fußballnationalmannschaft. Die von Lemke beklagte Beschädigung der Vorbildfunktion des Sports durch die "Verrohung der Sitten in der Bundesliga", die er zu Recht als "widerlich" geißelt, spielt dabei heutzutage offenkundig keine Rolle mehr. M. R.