28.10.2021

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14.10.00 Die ostpreußische Familie

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 14. Oktober 2000


Die ostpreußische Familie
Lewe Landslied,

viele von uns tragen nie gestellte Fragen oft jahrzehntelang mit sich herum, verdrängen sie aus irgendwelchen Gründen oder haben Scheu vor der Lösung, weil mit ihr auch die heimlich gehegte Hoffnung erlöschen könnte. Aber mit dem Alter wird man gelassener, und so kommt es, daß viele Fragen erst sehr spät gestellt werden – aber nicht zu spät, wie unsere Ostpreußische Familie immer wieder beweist.

Auch Christel Vogel, geb. Strauß, aus Allenstein möchte jetzt im Alter von 86 Jahren noch eine Aufgabe erfüllen, die sie sich selber gestellt hat. In Allenstein lebte ihre Familie in einem Eckhaus der Wilhelmstraße gegenüber dem Capitol-Kino, in dem auch die Familie Eschenborn wohnt. Mit der damals 42jährigen Frau Eschenborn – der Vater war Soldat – und ihren Kindern Christel und Horst hauste die Familie Strauß beim Einmarsch der Russen im Januar 1945 im Erdbunker der Firma Rose & Gau. Dann ereilte Frau Eschenborn und ihre 16jährige Tochter das Schicksal so vieler ostpreußischen Frauen und Mädchen: Sie wurden nach Rußland verschleppt, wo beide im Gefangenenlager verstarben. Frau Strauß hatte noch den 12jährigen Horst zu Verwandten nach Abstich bei Allenstein schicken können. Er überlebte, wie auch sein Vater, dem Frau Vogel 1946 ein Gebetbuch und den Trauring seiner Frau übergeben konnte. Er bat damals, dem Sohn nichts von dem grausamen Geschick von Mutter und Schwester mitzuteilen. Nun möchte Frau Vogel aber mit Horst Eschenborn in Verbindung treten und hofft, daß er vielleicht diese Zeilen liest oder jemand aus unserm Leserkreis die Verbindung herstellen kann. Sein Vater lebte damals in Magdeburg. (Christel Vogel, Techowpromenade 26 in 13437 Berlin.)

Aus Berlin kommt auch die nächste Frage, gestellt von Hubert Eckervogt, der anscheinend auch seinen unausgesprochenen Wunsch jahrzehntelang mit sich herumgetragen hat, bis er vor einigen Wochen von einem Bekannten Das Ostpreußenblatt erhielt und auf unsere Ostpreußische Familie stieß. Nun kann er endlich gezielt nach jener jungen Elbingerin suchen, die ihn vom Oktober 1943 bis März 1944 in ihrer Heimatstadt betreute, als er verwundet in einem Lazarett in der Hindenburgstraße (im Gebäude der Lehrerbildungsanstalt?) lag. Sie hieß Hildegard Gniffke, war etwa gleichen Alters wie der 1924 geborene Soldat und wohnte mit ihrer Familie – der Vater war Polizeibeamter – vermutlich auch in der Hindenburgstraße. Zwischen den beiden jungen Menschen bahnte sich eine enge Freundschaft an, die durch die Kriegs- und Nachkriegswirren zerstört wurde. Wahrscheinlich hat Hildegard Gniffke, wenn sie Krieg und Flucht überstanden hat, geheiratet und trägt einen anderen Namen. Für Herr Eckervogt wäre es jedenfalls eine große Freude, wenn die Suche nach seiner Jugendfreundin Erfolg haben würde. (Hubert Eckervogt, Westendallee 53 in 14052 Berlin.)

Und nun eine Bitte aus England, die uns über einen Landsmann aus Glücksburg erreichte. Heinz Finke besuchte die Klasse 3 b der Knaben-Mittelschule in Insterburg. Am 10. November 1938 mußte er seine Heimatstadt verlassen, weil er jüdischer Abstammung war. 1939 brachte ihn ein Kindertransport nach England, wo er heute noch lebt. Er würde sich sehr freuen, wenn sich alte Schulkameraden – Klassenleher war Herr Noetzel – melden würden. (Zuschriften bitte an Herrn Günther Ruddat, An der Rosenterrasse 7 in 24960 Glücksburg.)

Eure

Ruth Geede