20.10.2021

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28.10.00 Plebejische Zeiten

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 28. Oktober 2000


Michels Stammtisch:
Plebejische Zeiten

Wenn zwei (oder drei) das gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe, mußte der Stammtisch im Deutschen Haus feststellen. Konnte es doch NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement "überhaupt nicht verstehen", daß man ihn mit Stefan Effenberg verglich. Auch der Vergleich mit einem am Stammtisch namenlos gebliebenen Autofahrer wird ihm nicht behagen.

Hatten doch der Ministerpräsident, der Fußballstar und der Autofahrer öffentlich ihre "Stinkefinger" gezeigt. Der SPD-Politiker machte diese unanständige Geste gegenüber einem holländischen Jugendlichen auf der Expo in Hannover. Dem Balltreter brachte die gleiche Geste bei der Fußballweltmeisterschaft 1994 den Rauswurf und viel Ärger ein. Und der Autofahrer, der seinen gestreckten Mittelfinger einer zur Verkehrskontrolle aufgestellten Videokamera gezeigt hatte, erfüllte damit nach Beschluß des Bayerischen Oberlandesgerichts den Tatbestand der Beleidigung, weil seine Geste den Polizeibeamten gegolten habe und nicht einer "toten Sache".

Bei Herrn Clement ist das natürlich ganz anders. So ordnete die ansonsten überaus politisch korrekte "Welt" den ministerpräsidentiellen Stinkefinger wesentlich gnädiger ein. Sie überschrieb ihren Zweispalter wie folgt: "Mit jungenhaftem Charme den falschen Finger gezeigt" und schrieb: "Locker und lächelnd" habe Clement die "unbedachte Geste" gegenüber der "Anmache" holländischer Jugendlicher gemacht.

Ebenso "locker und lächelnd" stellte sich der Stammtisch vor, was wohl in Deutschlands Medien los gewesen wäre, wenn CDU-Mann Friedrich Merz – oder gar der böse Jörg Haider aus Kärnten – ausländischen Jugendlichen den Stinkefinger gezeigt hätte.