19.10.2021

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28.10.00 Blutige Jagdszenen in Libyen

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 28. Oktober 2000


Blutige Jagdszenen in Libyen
Von den Medien ausgesparte Mordaktionen / Von Stefan Gellner

Weitgehend unbeachtet von den deutschen Medien sind die massiven ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Libyen im August bzw. September dieses Jahres geblieben. Den Höhepunkt dieser Ausschreitungen bildete die Plünderung der Botschaft von Niger durch aufgebrachte junge Libyer Ende September. Die saudi-arabische Zeitung "Al Hayat" berichtete laut Nachrichtenagentur Agence France Press (AFP), daß in Zawiya, einer Stadt, die etwa 30 Kilometer von der libyschen Hauptstadt Tripolis entfernt liegt, ungefähr 50 Immigranten im Laufe der Unruhen ermordet und unzählige verletzt worden seien. Der Großteil der Opfer stamme, so AFP, aus dem Tschad bzw. dem Sudan. Hintergrund für diese Explosion xenophober Gewalt seien die Aus- wirkungen der Pan-Afrika-Politik des libyschen Staatspräsidenten Muammar El Gaddafi, aufgrund derer der Anteil schwarzafrikanischer Immigranten in Libyen auf ca. eine Million angeschwollen sei. Diese Immigranten würden mehr und mehr zum Zielobjekt des Grolls für die sozialen und ökonomischen Problemen, unter denen die etwa sechs Millionen Lybier leiden würden. Gaddafi, der sich gerade anschickt, in die "Gemeinschaft der Völker zurückzukehren, kommen die Vorgänge in Libyen mehr als ungelegen. Deshalb wurden die Ausschreitungen in den libyschen Medien mehr oder weniger heruntergespielt. Offiziell gilt die Lesart, daß die Situation in Libyen ruhig sei und Presseberichte, die über die Ausschreitungen berichtet hätten, "gegenstandslos" seien.

Nichtsdestoweniger hätten, so AFP, der sudanesische Präsident Omar al-Beshir und der Premierminister Nigers, Hama Amadou, der eine entsprechende Note von Nigers Staatspräsident Mamdou Tandja überbracht hätte, bei Gaddafi interveniert. Libysche Regierungsvertreter dementierten unterdessen, daß eine große Zahl von Schwarzafrikanern, insbesondere aus dem Tschad und dem Sudan, in ihre Heimatländer abgeschoben worden seien. Ein Regierungsvertreter des Tschad behauptete, daß viele Staatsangehörige des Tschad in ein Lager in der Nähe von Zawiya gebracht worden seien. Diplomaten des Tschads sei aber eine Kontaktaufnahme zu ihren Landsleuten unmöglich.

Eine Woche später (5. Oktober) meldete AFP, daß Tausende von Nigerianern aus Libyen deportiert worden seien. Diese berichteten von unzähligen Mordtaten von Libyern an Schwarzafrikanern. Die libysche Botschaft in Nigeria hätte, so AFP, einen Kommentar zu diesen Vorwürfen bezeichnenderweise abgelehnt. Am darauf folgenden Tag konkretisierte AFP die Vorwürfe. Mehr als 130 schwarzafrikanische Gastarbeiter seien in den zurückliegenden Wochen von jungen Libyern getötet worden. Ein nigerianischer Schweißer, der zwei Jahre in Tripolis arbeitete, gab zu Protokoll: 137 Afrikaner, vorwiegend Nigerianer, seien ermordet worden. Sie seien von Jugendlichen umgebracht worden, die keine Schwarzafrikaner in ihrem Land dulden wollten, erklärte der Nigerianer. Einige der Flüchtlinge sprachen von einer wesentlich größeren Zahl von Opfern. Alle aber stimmten darin überein, daß viele Dutzende von Schwarzafrikanern ermordet worden seien. Ein nigeranischer Fußballer, der für einen Fußballverein in der Zweiten Liga Libyens spielte, erklärte, daß er entsetzt über das sei, was er gesehen hätte. Dieser Fußballer bestätigte, daß die Morde Ende August begonnen hätten und durch libysche Jugendliche ausgelöst worden seien, die zornig über die hohe Zahl von Schwarzafrikanern in ihrem Land seien. Die Ausschreitungen hätten den ganzen September hindurch angehalten. Die Libyer hätten einen "Tobsuchtsanfall" bekommen und hätten Schwarzafrikaner ohne Unterschied umgebracht. Es hätte gereicht, schwarzer Hautfarbe zu sein, sagte der Fußballer.

Die Vorgänge in Libyen zeigen eines sehr deutlich: Die Argumentation von Befürwortern multiethnischer Gesellschaftsmodelle, die in ihrer Argumentation immer wieder auf angebliche (in der Regel kurzfristige) wirtschaftliche Vorteile durch Zuwanderung abstellen, wird durch die Vorgänge in Libyen einmal mehr falsifiziert. Diese Befürworter stehen den ethnischen Auseinandersetzungen in einem Zuwanderungsland argumentativ oft hilflos gegenüber. Ausschreitungen wie die in Libyen sind inzwischen beileibe kein Einzelfall mehr. Im schlimmsten Fall entstehen Krisenherde wie z. B. in Borneo 1999, als die aus wirtschaftlichen Gründen angesiedelten Manduraner von den Dayak-Ureinwohnern blutig vertrieben wurden. Dies geschah nicht aufgrund mangelnden Kontaktes, sondern gerade wegen intensiven Kontakts zwischen diesen beiden sehr unterschiedlichen Ethnien. Diese Vorgänge sollten auch hiesigen Multikulti-Befürwortern zu denken geben.