20.10.2021

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28.10.00 Einsatz anstelle von Nostalgie

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 28. Oktober 2000


Einsatz anstelle von Nostalgie
Aktuelle Berichte auf der Frauentagung der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen

Leverkusen – Es war ein kleiner, aber sehr interessierter Kreis von Frauen, der sich im "Haus Ratibor" in Leverkusen zur Frauentagung der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen zusammengefunden hatte. Die Frauenreferentin Heinke Braß begrüßte erfreut den Vorsitzenden der Landesgruppe, Dr. Dr. Ehrenfried Mathiak, der sogleich eine Ehrung vornehmen konnte. Gertrud Skau aus der Gruppe Leverkusen erhielt das Verdienstabzeichen.

In seiner Begrüßungsansprache rief Mathiak die Anwesenden auf, der zweiten Vertreibung, nämlich der aus der Geschichte, entgegenzuwirken. Diese sei bereits in vollem Gange, seit man mit "Ostdeutschland" die frühere DDR und die Ostgebiete als "Ostmitteleuropa" bezeichne und von den Vertriebenen eine völlig anders strukturierte Kulturarbeit verlange. Eine solche Politik bleibe nicht ohne Folgen: bei "Großen" Deutschen aus dem Osten werde bereits jetzt die Herkunft verschwiegen.

Daß die Vertriebenen durchaus keine Nostalgie pflegen, bewiesen die Berichte von Ursula Witt und Dora Mross. Ursula Witt hat die Königin-Luisen-Schule in Tilsit besucht, und die "Luisen" leisten für ihre alte Schule und in ihrer Heimatstadt eine beeindruckende Arbeit. Die Schulgemeinschaft, die sich seit 1970 regelmäßig trifft, machte 1991 ihren ersten Schulausflug nach Tilsit, nachdem schon 1990 ein Hilfstransport mit Spenden im Wert von DM 12 000 auf den Weg gebracht worden war. Seither unterstützt die Schulgemeinschaft die Luisenschule, die heute eine weiterführende Berufsschule ist, und ein Heim für elternlose und behinderte Kinder. Zu den dortigen Direktorinnen und zum Personal, aber auch zum Oberbürgermeister und zum Theater haben sich freundschaftliche Kontakte entwickelt. Bei Abschlußfeiern der Schule und bei Veranstaltungen des Heims sind die Deutschen Ehrengäste, ebenso bei dem 100jährigen Jubiläum des Tilsiter Grenzlandtheaters. Ein umfangreicher Pressespiegel in den russischen Zeitungen zeigt die Akzeptanz der deutschen Aktivitäten in der russischen Öffentlichkeit.

Genauso spannend war der Bericht von Dora Mross, Landesfrauenreferentin der Westpreußen, über ihr Leben auf ihrem elterlichen Hof heute, der in dem Dörfchen Dünhöfen bei Elbing liegt. Dora Mross, Jahrgang 1936, und ihr Mann aus Sensburg, der aufgrund seiner späten Übersiedlung in den Westen Polnisch spricht, fuhren, sobald es möglich war, in die Heimat und schlossen Freundschaft mit der polnischen Familie, die den elterlichen Hof von Dora Mross bewirtschaftete. 1991 kam ein Brief, daß der Hof aus Altersgünden verkauft werden müsse, verbunden mit einem Kaufangebot an die Deutschen. Das Ehepaar Mross wagte diesen doch recht abenteuerlichen Schritt, kaufte den Hof 1993 und richtete sich dort ein. Sie leben den größten Teil des Jahres dort, betreiben zwar keine Landwirtschaft, aber haben das Haus mit Fremdenzimmern ausgebaut. Dora Mross berichtete von einem guten Verhältnis zu den polnischen Nachbarn, von der umfangreichen polnischen Bürokratie, von Kontakten zum Deutschen Verein und von Einladungen in die Schulen, wo sie erklärt, warum sie heute wieder in Westpreußen lebt. Sie stellt eine Veränderung im polnischen Denken bei dem Umgang mit der deutschen Geschichte und Kultur fest, besonders bei der Jugend, die die Zukunft europäisch sehe.

Waldtraud Liedtke trug u. a. passend zur Jahreszeit die Gedichte "Erntedanz", "Kartoffellesersch" und "Im Harwst" vor, ebenso ein eigenes Gedicht, "Krawuhl". Die Landeskulturreferentin Dr. Bärbel Beutner, stellte neue Bücher vor, und Jutta Scholz hatte Jostenbänder mit Ortsnamen mitgebracht, die als hübsche Mitbringsel Zuspruch fanden. B. B.