25.10.2021

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11.11.00 Die Heimat – kein Auslaufmodell

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 11. November 2000


Die Heimat – kein Auslaufmodell
Von Hans-Jürgen Mahlitz

Die Änderungsvorschläge der Landsmannschaft Ostpreußen zum deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag sind bei allen im Bundestag vertretenen Parteien auf Ablehnung gestoßen. Bei den rot-grünen Regierungsparteien, bei der FDP und erst recht bei den Grünen und der PDS war von vornherein nichts anderes zu erwarten gewesen. Nun hat aber auch die CDU/CSU-Fraktion wissen lassen, sie halte Nachverhandlungen nicht für nützlich, da sonst die polnische Seite möglicherweise ermuntert werde, ebenfalls Änderungswünsche vorzubringen. Was für eine Verhandlungstaktik: Ich sage nicht, was ich will, damit die Gegenseite auch nicht sagt, was sie will! Über die Resultate solcher Verhandlungen (beziehungsweise Nicht-Verhandlungen) braucht man sich dann nicht mehr zu wundern.

Es geht bei diesen Änderungsvorschlägen, die wir in dieser Ausgabe auf Seite 28 ausführlich dokumentieren, um alle möglichen Detailfragen, letztlich aber im Kern darum, das Recht auf die Heimat festzuschreiben. Und leider muß man befürchten, daß nun auch die Union mehrheitlich den deutschen Vertriebenen dieses Recht nicht mehr zubilligen will – die offiziell geltend gemachte verhandlungstaktische Begründung wirkt nicht sehr überzeugend, sondern eher vorgeschoben.

Heimat – ist das also nun endgültig ein Auslaufmodell, ein Ladenhüter unbelehrbarer Ewiggestriger, allenfalls noch tauglich für Nostalgieveranstaltungen am Wochenende?

Oder, genauso schlimm: ist dieses Wort nur noch dann politisch korrekt, wenn Politiker von Flensburg bis Berchtesgaden, von Köln bis Dresden ihre Liebe zur sächsischen, zur rheinischen, zur oberbayerischen, zur meerumschlungenen Heimat bekunden – vorzugsweise kurz vor Wahlterminen? Oder wenn Fernsehsender um Einschaltquoten beim Volksmusik-Publikum kämpfen?

Das ist das eigentlich Traurige an dieser unsäglichen Entwicklung. Heimat ist offenbar nur noch das Privileg derjenigen, denen diese nie streitig gemacht wurde. Wer einst seine Heimat verlor, hat eben Pech gehabt ...Nun muß man all denen, die nicht Vertriebene sind – auch ich selber zähle zu diesen vom Schicksal Begünstigten –, zugute halten, daß man den wahren Wert wohl immer erst nach einem Verlust einzuschätzen weiß. Wer das Glück hatte, in seiner Heimat aufzuwachsen und diese allenfalls einmal freiwillig zu verlassen, dann aber jederzeit dorthin zurückkehren zu können, der kann allenfalls erahnen, wie schmerzlich es sein muß, mit brutaler Gewalt aus der Heimat verjagt zu werden, dabei all sein Hab und Gut, meist sogar seine engsten Verwandten und Freunde verloren zu haben. Wer ein Herz hat, sollte eigentlich nachempfinden können, daß Heimat, die mit solchen Erlebnissen befrachtet ist, nie aus der Erinnerung gelöscht, nie aufgegeben werden kann. Und wer das Wachhalten dieser Erinnerung und der Liebe zu dieser Heimat als "ewiggestrig", "revanchistisch" oder noch Schlimmeres herabwürdigt, ist nicht nur oberflächlich, sondern auch herzlos.

Das Thema bewegt sich aber auch noch auf anderen Ebenen. Heimat ist nicht nur ein dem einen mehr, dem anderen weniger wichtiges Stück der eigenen, privaten Lebensgeschichte. Die Heimat, um die es hier geht, ist darüber hinaus auch ein jahrhundertealtes Stück unseres deutschen Vaterlandes, ein unverzichtbarer Teil unserer deutschen Kultur, die wiederum eingebettet ist in die große europäische Kultur. So ist denn, um ganz konkret zu werden, Ostpreußen nicht nur die Heimat der aus diesem Land Vertriebenen, sondern gehört im weiteren Sinne zur angestammten Heimat aller Deutschen.

Ein Drittes: UN-Charta, Helsinki-Schlußakte und andere einschlägige Dokumente besagen übereinstimmend, daß gewaltsame Vertreibungen gegen Völkerrecht und Menschenrechte verstoßen. Das gilt für "ethnische Säuberungen" auf dem Balkan, das gilt für die Verbrechen blutrünstiger Despoten in Afrika, das muß aber auch gelten für die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Unrecht bleibt Unrecht, es kann nicht durch Zeitablauf Recht werden. Daran muß solange erinnert werden, bis jeder, der sich dem europäisch-christlichen Abendland zugehörig fühlen will, dies uneingeschränkt akzeptiert.

Darum muß es auch heute, 55 Jahre nach Kriegsende und Vertreibung, eine Organisation wie die Landsmannschaft Ostpreußen geben. Darum muß es auch weiterhin eine Zeitung mit dem Titel Ostpreußenblatt geben. Und darum ist es auch kein Widerspruch, wenn an der Spitze der Redaktion dieser Zeitung ein Nicht-Ostpreuße steht.