25.10.2021

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11.11.00 "Wer sein Leben hingibt ..."

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 11. November 2000


Gedenken: "Wer sein Leben hingibt ..."
Überlegungen eines Jesuitenpaters zur Totenehrung

Zu Recht empört sich die Öffentlichkeit, wenn ein jüdisches Gotteshaus oder jüdische Gräber geschändet werden. Vom Bundespräsidenten bis zum Redakteur des unscheinbarsten Lokalblättchens werden diese Untaten angeprangert. Allerdings scheint es die Repräsentanten unseres Staates ebenso wenig wie die meisten Medienvertreter zu stören, wenn Gedenkstätten für unsere Gefallenen Objekt ungezügelten Hasses linksextremer Chaoten werden. So wurde am 6. Oktober zum wiederholten Mal das "76er Denkmal" am Hamburger Stephansplatz mit der aus linken Kreisen sattsam bekannten Parole "Deutschland verrecke" besudelt. Besonders das Wort des Arbeiterdichters Heinrich Lersch, "Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen", erregt die Wut des Mobs. Was ist das bloß für ein Land, das seine Söhne in Kriege schickt, sie als Mörder beschimpfen läßt und sich nicht darum schert, wenn ihre Ehrenmale von nichtswürdigen Elementen geschändet werden?!

Wer lediglich Gräber und Gedenkstätten von Juden unter staatlichen Schutz nimmt, aber zuläßt, daß Gedenkstätten für die gefallenen Soldaten geschändet werden, offenbart eine Gesinnung, die vom Ungeist geprägt ist. Wer jetzt um der political correctness willen lediglich die einst Verfolgten als schützens- und ehrenwert herausstreicht, aber diesen Schutz Soldaten versagt, die für dieses Land ihr Leben gelassen haben, erweist sich als Gesinnungsgenosse des Ungeistes.

Am Volkstrauertag, der 1952 zum Gedächtnis der Opfer beider Weltkriege und des Nationalsozialismus – nicht des Faschismus, den gab es in unserem Lande nicht – gesetzlich verankert wurde, erinnern wir uns daran, daß Millionen Söhne und Töchter unsere Volkes auf dem Schlachtfeld, als Opfer des Bombenterrors oder ungezügelter Rachsucht der Sieger ihr Leben verloren. Gewiß zogen vor allem viele junge Menschen im Glauben an ihnen vorgegaukelte Ideale in den Kampf. Jedoch auch die Wissenden, die das Unrechtssystem durchschaut hatten, sahen keine Alternative zur bitteren Pflichterfüllung, "wie das Gesetz es befahl". Wir haben zahllose Beispiele heroischen Einsatzes für Kameraden und – vor allem in den letzten Kriegsmonaten – zur Rettung unschuldiger Menschen vor der ungezügelten Rachsucht der Sieger. Auf sie alle trifft das Wort des Herrn zu, das kein Geringerer als Papst Johannes Paul II. bei einem Gedächtnisgottesdienst für die Gefallenen auf einem Soldatenfriedhof zitierte: "Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt ..."

Als im Dezember 1989 das sowjetische Ehrenmal für die im Kampf um Berlin gefallenen Rotarmisten mit Hakenkreuzen und antisowjetischen Parolen beschmiert wurde, rief die Nachfolgepartei der SED zu einer Massenkundgebung vor diesem Ehremal auf, an der etwa 200 000 Menschen teilnahmen. Hat man je von einer ähnlichen Aktion anläßlich der Schändung deutscher Gefallenenehrenmale gehört? Lothar Groppe