25.10.2021

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11.11.00 Die Seele belebt

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 11. November 2000


Die Seele belebt
Bad Kreuznach würdigt das Schaffen der Künstlerfamilie Cauer

Der Charakter einer Zeit und eines Volkes offenbart sich nicht vollständig in jedem einzelnen Gliede, sondern in der Gesamtheit aller. Es wird daher jede Zeit in jeder Kunstrichtung ihre Vertreter haben. Eins aber tut allen Zweigen und Richtungen der Kunst jeder Zeit not, wenn die Kunst ihren heiligen Beruf erfüllen soll: wenn sie in Scherz und Ernst, in Freude und Schmerz die Seele belebt und erhebt und auf ein Höheres Unvergängliches hinleitet, und in diesem Sinn ist alle wahre Kunst religiös." – Diese Worte des vor 200 Jahren, am 29. November 1800, in Dresden geborenen Bildhauers Emil Cauer († 4. August 1867 in Bad Kreuznach) mag auch auf die künstlerischen Werke der Familie zutreffen, deren Stammvater Emil Cauer war und die gern mit dem Phänomen der Musikerfamilie Bach verglichen wird, stammen doch – mittelerweile in sechster Generation – mehr als 20 Maler und Bildhauer aus dieser Familie.

Zum 200. Geburtstag Emil Cauers findet in der Pauluskirche zu Bad Kreuznach ein Benefizkonzert mit Musik seiner Zeitgenossen statt (12. November, 17 Uhr). Außerdem veranstaltet die Cauer-Gesellschaft Bad Kreuznach e.V. eine Feierstunde mit einem Festvortrag von Dr. Elke Masa über Emil Cauer und die Berliner Bildhauerschule (25. November, 18 Uhr, Kreisverwaltung Bad Kreuznach, Salinenstraße); dazu ist auch eine äußerst informative Festschrift erschienen, die sich eingehend mit dem Schaffen des Stammvaters beschäftigt und auch die nachfolgenden Generationen berücksichtigt (216 Seiten, zahlr. sw Abb., 45 DM; zu beziehen durch die Cauer-Gesellschaft e.V., Dr. Karl-Aschoff-Straße 15, 55543 Bad Kreuznach). Auch das Schloßparkmuseum Bad Kreuznach, Dessauer Straße 49, würdigt das Wirken der Bildhauerdynastie Cauer – mit einer Sonderausstellung und der Neuordnung der ständigen Sammlung (bis 26. November, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen; Sonderführung "Die Bildhauerfamilie Cauer in zwei Jahrhunderten" durch Museumsdirektorin Angela Nestler-Zapp 19. November, 15 Uhr). Die Sonderausstellung dokumentiert das Schaffen Emil Cauers als Zeichner und Bildhauer; so wird erstmals auch das zeichnerische und graphische Werk des Künstlers in größerem Umfang der Öffentlichkeit vorgestellt. In der ständigen Sammlung sind Kleinplastiken, Porträtbüsten und -statuetten sowie Entwürfe für Grab- und Denkmalplastik und kunstgewerbliche Arbeiten der Familie zu finden. Die künstlerischen Arbeiten aus vier Jahrhunderten umfassen alle Stilrichtungen vom Klassizismus über das Biedermeier, den Naturalismus, Neobarock, Neoklassizismus, Jugendstil bis hin zu Stilrichtungen der Nachkriegskunst. Eine Ausstellung im September mit Skulpturen und Installationen von Birgit Cauer, die der sechsten Cauer-Generation angehört und heute in Berlin lebt und arbeitet, führte den Besucher darüber hinaus in die Welt der zeitgenössischen Kunst.

Zur dritten Künstlergeneration gehört der am 18. Oktober 1867 als Sohn des Bildhauers Robert Cauer d. Ä. in Bad Kreuznach geborene Stanislaus Cauer. Schon im Alter von 15 Jahren kam er mit seiner Familie nach Rom, wo er im Atelier seines Vaters die Bildhauerei erlernte. Erste Aufgaben bestanden in der Bearbeitung des Marmors, ganz in der Tradition der Familie. Nach Studienreisen ins Ausland kehrte Cauer 1905 nach Deutschland zurück, lebte und arbeitete zwei Jahre lang in Berlin, bis er dem Ruf Ludwig Dettmanns an die Kunstakademie nach Königsberg folgte. Bis 1933 wirkte Cauer als Lehrer in der Stadt am Pregel und bis zu seinem Tod am 8. März 1943 schuf er dort sein "Lebenswerk für die Öffentlichkeit". Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof unterhalb der kleinen Juditter Kirche. Noch heute kündet in Königsberg eines seiner bekanntesten Werke von seinem unermüdlichen Schaffen: das Schiller-Denkmal, das am 10. November 1910 errichtet wurde und das als eines der wenigen den Krieg überstanden hat. Bad Kreuznach besitzt bedauerlicherweise kaum ein Beispiel aus dem Schaffen Stanislaus Cauers, um so wertvoller sind die wenigen erhaltenen Arbeiten in Königsberg. Silke Osman