25.10.2021

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11.11.00 Ausstellung: "Das maritime Königsberg"

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 11. November 2000


Geschichte am Pregel
Ausstellung: "Das maritime Königsberg"

Das Schiff liegt im Hafen von Königsberg und heißt "Witias". es ist die ehemalige "Mars", ein 2500 BRT großer Frachter der Bremer DG Neptun, der noch bis zum letzten bitteren Ende zur Rettung deutscher Flüchtlinge über See eingesetzt war. Jetzt hat er als russisches "Museum des Weltmeeres" seinen endgültigen Liegeplatz am Pregelkai gefunden. Seit kurzem nun bietet das weiße Schiff vor allem für die deutschen Besucher Erstaunliches: Die Sonderausstellung "Das maritime Königsberg", die sich mit der Vergangenheit des Königsberger Hafens und Handels befaßt und sich bemüht, diese mit einer ansehnlichen Zahl von Exponaten zu dokumentieren.

Ergänzend dazu der die Museumsschau begleitende reich bebilderte Katalog, der die 700jährige Geschichte des Hafens in deutscher und russischer Sprache ausführlich behandelt. Autor ist der Vorsitzende des Fördervereins Königsberg e.V., Nikolaus Ehlert, der seine Beiträge als Ansatz für eine Untersuchung der seewärtigen Beziehungen Ostpreußens im Laufe der Geschichte bis 1945 sieht.

Aber sie sind mehr als ein Ansatz, zumindestens eine erste, begehbare Stufe, die zu einer umfassenden Dokumentation führen soll. Die historisch gut fundierten Beiträge im Katalog sind verständlich geschrieben und auch für geschichtlich nicht sehr Bewanderte informativ. Vor allem ist die Ausstellung für Königsberger interessant, da es in früheren Zeiten auf dem Gebiet der maritimen Forschung und musealen Arbeit nichts Vergleichbares gegeben hat. Obgleich – und hier zitiert der Autor den Königsberger Historiker Fritz Gause – "der Hafen das Herz und der Handel das Blut der Stadt war."

Fast ein Jahrzehnt lang hat das heutige russische Museum des Weltmeeres Material über die maritime Geschichte Königsbergs gesammelt. Der Zufall kam zur Hilfe: Bei der Ausbaggerung des derzeitigen Liegeplatzes der "Witias" im Jahre 1994 hoben Taucher vom Pregelgrund eine große Schnellwaage, das Ruderblatt eines alten Flußschiffes und mehrere Anker. Als archäologische Untersuchungen auf dem Grund des Kurischen Haffes durchgeführt wurden, gelangten in die Bestände des Museums Fundstücke aus einer alten Siedlung, wie Netzgewichte, Fischhaken, Schwimmer. 1995 konnte das Museum alte Seekarten und kartographisches Material von Königsberg sowie Bernsteinstücke mit Einschlüssen aus einer Sammlung der Königsberger Universiät erwerben. Mit der Zeit kamen Schiffsmodelle, Ansichtskarten, Navigationsgeräte und Gegenstände mit maritimen Motiven hinzu, so daß sich Museumsdirektor S. G. Siwkowa entschloß, eine Sonderabteilung über die maritime Geschichte Königsbergs einzurichten, deren Exponate in einer Ausstellung dem Publikum präsentiert werden sollten. Diese ist nun realisiert worden.

Dazu haben auch die Leser des Ostpreußenblattes beigetragen. Der Plan des Museums wurde vom Förderverein Königsberg tatkräftig unterstützt. Herr Ehlert wandte sich an die "Ostpreußische Familie" und bat um maritime Erinnerungsstücke und Berichte von Zeitzeugen. Und wie immer spurte die Ostpreußische Familie. Mitgeholfen haben das Kulturzentrum Ellingen, das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg, das Museum Königsberg in Duisburg und das Herder-Institut in Marburg. Eine finanzielle Förderung der Ausstellung erfolgte durch die Bundesregierung.

Den deutschen Besucher werden vor allem die historischen Fundstücke interessieren, die Beile, Waagen und Gewichte, die der Pregelgrund jahrhundertelang bewahrt hatte, die Geschirrteile, Bierkrüge und Zinnteller. Blickfang sind die Schiffsmodelle, Arbeiten russischer Modellbauer, wie die Hansekogge und die Galeasse aus dem 18. Jahrhundert, der Kreuzer Königsberg und die wichtigsten Schiffe des "Seedienstes Ostpreußen". Diesem einzigen Passagierdienst in der Geschichte Ostpreußens, der nur 20 Jahre Bestand hatte, ist auch ein ausführliches Kapitel in dem Ausstellungskatalog gewidmet. Eine Originalausgabe des Buches "Der Seedienst Ostpreußen im Zeitgeschehen" von 1940 bereichert diesen Sektor, wie auch ein Fahrplan des Seedienstes von 1934 aus der Sammlung Dietrich Zlomke, Ravensburg, aus der weitere wichtige Exponate stammen, so eine 100jährige Dose mit der kollorierten Darstellung des Königsberger Binnenhafens. Auch eine 1924 erschienene Schrift über die Speicheranlagen hat Herr Zlomke beigesteuert, die eine anschauliche Ergänzung findet durch die originalgetreuen Nachbildungen alter Speichermarken wie "Der Walfisch" und "Der Kasten Noa". Leider sind auch die sehr farbenfroh gemalten Kurenwimpel nur Kopien. Original dagegen das Reklameschild von der deuschen Ostmesse aus den frühen 20er Jahren, deren Wichtigkeit als zweite offizielle deutsche Messe hinter Leipzig auch in dem Begleitkatalog behandelt wird.

Wie gesagt: Ein Anfang ist gemacht, die maritime Geschichte Königsbergs zu dokumentieren. Nikolaus Ehlert wird sich um eine Komplettierung der Ausstellung bemühen und hofft auf weitere dokumentarische und Bildinformationen, auch als Leihgaben – besonders aus unserem Leserkreis.

Anschrift des Fördervereins Königsberg e.V. ist Stolzenbach, 51789 Lindlar. Ruth Geede