28.10.2021

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18.11.00 "Der gefährlichste Mann der Welt"

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 18. November 2000


Terrorismus:
"Der gefährlichste Mann der Welt"
Osama Bin Laden: Wie die Amerikaner ihre eigenen Feinde produzieren
von Hans B. v. Sothen

Die amerikanische Bundespolizei FBI setzte ihn auf die Liste der zehn meistgesuchten Personen der Welt und lobte ein Kopfgeld von fünf Milliarden Dollar auf ihn aus. Bereits 1995 soll Osama Bin Laden für Bombenanschläge auf US-amerikanische und saudiarabische Militäreinrichtungen verantwortlich gewesen sein, die mehr als 25 Menschenleben gefordert hatten. Außerdem, so heißt es in US-Geheimdienstkreisen, soll er schon damals bei der Planung von Anschlägen auf US-Bedienstete im Jemen beteiligt gewesen sein, die auf dem Weg zu ihrem Einsatzort im Rahmen der Operation "Restore Hope" in Somalia unterwegs waren.

Ursprünglicher Auslöser für diese Gewaltakte so heißt es in islamischen Kreisen, sei die Wut des Islamisten auf die Präsenz des US-amerikanischen Militärs auf saudischem Boden gewesen. Seit 1991 wandte Bin Laden sich gegen die Amerikaner. Bis 1994 saudischer Staatsbürger, wurde er einer breiten Weltöffentlichkeit allerdings erst bekannt, als er mit zwei gleichzeitig am 7. August 1998 stattfindenden verheerenden Explosionen in Nairobi/Kenia und in Daressalam in Tansania in Verbindung gebracht wurde, bei denen zwölf Amerikaner und 212 Tansanier und Kenianer starben sowie weitere 4500 verletzt wurden. Mitglieder der US-Regierung beschuldigten ihn der Urheberschaft.

Wer ist dieser Osama Bin Laden? Er wurde um 1957 in der saudischen Hauptstadt Riad geboren, als Sohn eines wohlhabenden Unternehmers jemenitischer Abstammung. Er verließ ein Leben im Überfluß im heimatlichen Saudi-Arabien, schloß sich dem Kampf gegen die sowjetische Invasion in Afghanistan im Dezember 1979 an und beteiligte sich sogar im Nahkampf. Kameraden beschrieben ihn als furchtlos.

Mitte der achtziger Jahre vereinigte Bin Laden seine Kräfte mit denen von Abdullah Azzam, dem Führer der palästinensischen Muslimbrüderschaft, um Geld und Leute in den afghanischen Widerstand einzuschleusen. Seine internationalen Rekrutierungskampagnen ermöglichten Tausenden von islamischen Söldnern, in paramilitärische Ausbildungslager in Pakistan und Afghanistan zu gehen, darunter nicht weniger als 5000 Saudis, 3000 Algerier und eine große Anzahl Ägypter. Sympathien in den islamischen Ländern erwarb er sich insbesondere dadurch, daß er nicht nur in einheimische Widerstandsbewegungen, sondern vor Ort auch in Krankenhäuser investierte.

Das meiste dafür benötigte Geld, so hat vor einiger Zeit ein nicht dementierter Artikel der gewöhnlich ausgezeichnet informierten "New York Times" vom 21. und vom 24. August 1998 enthüllt, stammt von den US-Amerikanern selbst. Die Zeitung sprach von der schwindelerregenden Summe von nicht weniger als sechs Milliarden (!) Dollar (etwa zwölf Milliarden Mark), die die USA im Laufe der Zeit an afghanische Freiheitskämpfer, darunter auch an Bin Laden, bezahlt haben soll. Bin Laden und seine Freunde seien laut dem erwähnten Bericht der "New York Times" Mitarbeiter des CIA gewesen und hätten vier Jahre lang die besten Schulungen, Waffen und Ausrüstungen sowie erhebliche Geldsummen erhalten. Über 250 bis 300 Millionen Dollar Vermögen soll Bin Laden noch immer verfügen. Seine Familie (Vermögen etwa 38 Milliarden Dollar) hat ihn enterbt, 1994 wurde ihm auch die saudische Staatsbürgerschaft entzogen. Seit dem 13. Februar sei er angeblich aus seinem afghanischen Exil in Kandahar "verschwunden".

Die Amerikaner übten für die Anschläge von Nairobi und Da- ressalam Rache, indem sie am 20. August 1998 fast 800 Marschflugkörper (Kosten pro Stück: 750 000 Dollar) in Bewegung setzten, die auf ein pharmazeutisches Werk im Sudan niedergingen, das angeblich Nervengas produzierte. Ein weiterer Angriff wurde auf ein mutmaßliches Ausbildungslager Bin Ladens in Afghanistan geflogen. Nicht nur, daß das Geschoß sein Ziel um ganze 650 Kilometer verfehlte und in Pakistan einschlug – beide Geheimdienstinformationen waren darüber hinaus falsch: Weder handelte es sich im zweiten Fall um ein Ausbildungslager noch im ersten Fall um eine Nervengas produzierende Firma, sondern, wie der US-Verteidigungeminister am 2. September 1998 zugeben mußte, tatsächlich um eine Medikamente produzierende Firma. Tough luck! Nichts kann allerdings bis heute darüber hinwegtäuschen, daß es die Amerikaner selbst waren, die – wie schon im Fall Saddam Hussein oder dem panamaischen Ex-Präsidenten Noriega – ihre eigenen Erzfeinde selbst produziert haben. Darüber sollte man in Washington vielleicht einmal nachdenken, wenn es wieder einmal für einen Störer der Weltfriedensordnung die Marschflugkörper in Bewegung setzt.