28.10.2021

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18.11.00 Der Alte Fritz wieder unter "Unter den Linden"

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 18. November 2000


Denkmal:
Der Alte Fritz wieder unter "Unter den Linden"
Das Reiterstandbild kehrte nach Restaurierung zurück an seinen angestammten Platz

Wir freuen uns, daß einer der bedeutendsten Vorfahren wieder am historischen Ort steht." Mit diesen Worten kommentierte Georg Friedrich Prinz v. Preußen die Rückkehr des bekannten Reiterstandbildes Christian Daniel Rauchs an den Berliner Prachtboulevard, die das vorläufige Ende einer langen Odyssee bildet.

Am 31. Mai 1851 wurde das Denkmal an seinem jetzigen Orte eingeweiht. Während des Nationalsozialismus wurde es eingemauert, aber nicht etwa, um aus dem Gesichtskreis der Hauptstädter zu verschwinden, sondern zu seinem Schutze vor den Unbilden des Zweiten Weltkrieges. In Ungnade fiel der König und damit auch seine Verherrlichung in Bronze erst nach der NS-Zeit mit dem Beginn der Herrschaft des Sachsen Walter Ulbricht, seines Zeichens erster Herrscher der DDR von Sowjets’ Gnaden. Das Monument wurde im Park von Sanssouci gelagert. 1963 wurden die Bedingungen seines Exils gelockert. Es wurde nicht mehr versteckt, sondern im Hippodrom des Parks aufgestellt. Nach der Ersetzung des sächsischen Staatsratsvorsitzenden durch einen weniger antipreußischen aus dem Saarland konnte die Monarchendarstellung 1980 auf die Berliner Prachtallee zurückkehren.

Die Jahrzehnte waren jedoch auch an ihr nicht spurlos vorübergegangen, und so war ihr nach der Wende eine Rekonstruktion vergönnt. 1997 wurde sie in eine Tempelhofer Werkstatt der Restauratorin Betina Roß verbracht. Hier befand sie sich in guter Gesellschaft, denn die Hamburgerin hatte zuvor bereits diverse Kaiserstatuen aus der Front des hamburgischen Rathauses wieder in Schuß gebracht. Trotz dieser Erfahrung verlief die Behandlung jedoch langwierig, aber dafür gründlich.

Letzteres konnte man bei einem Auftragsvolumen von 1,6 Millionen Mark allerdings auch erwarten. Über 30 000 Arbeitsstunden wurden investiert. "Die Figur war einfach nur noch schwarz, der Schweif und das rechte Vorderbein des Pferdes drohten abzustürzen", beschreibt einer der Hamburger Restauratoren die handwerkliche Herausforderung.

Es galt jedoch nicht nur technisch-handwerkliche, sondern auch politische Probleme zu meistern. So war nicht von Anfang an klar, ob das Denkmal nach seiner Überholung an den Standort von 1980 oder an jenen von 1851 zurück solle. Zwischen beiden liegen ungefähr 15 Meter. Für die Beibehaltung des von der DDR-Führung gewählten Standortes sprach, daß die Umsetzung des Sockels mit drei Millionen Mark Kosten veranschlagt wurde. Für diese teure Umsetzung und damit die Rückkehr an den ursprünglichen Standort sprach neben der Authentizität die Ästhetik. Durch diese Lösung konnte nämlich ein Abschluß des Mittelstreifens der Straße geschaffen und die Isolierung des Standbildes auf einer Verkehrsinsel beendet werden.

Die Kosten wurden schließlich nicht gescheut und der Sockel die rund 15 Meter in Richtung Brandenburger Tor verschoben. Dieses paßt zu dem historisierenden Gesamtkonzept. So ist für den sozialdemokratischen Stadtentwicklungssenator der Hauptstadt, Peter Strieder, die Wiederaufstellung des Reiterstandbildes an historischer Stätte der Auftakt für die Umgestaltung des Lindenforums nach historischem Vorbild im kommenden Jahr. Dieses Konzept würde mancher vielleicht nicht von einem Sozialdemokraten vermuten, doch in einer schon an Neohistorismus grenzenden Zeit des sogenannten Retro-Designs und Retro-Looks ist die Bereitschaft und der Wille, das Schöne in der Vergangenheit zu suchen und zu sehen, sicherlich überdurchschnittlich. Das könnten günstige Rahmenbedingungen für die Wiederherstellung des Berliner Stadtschlosses sein. Manuel Ruoff