19.10.2021

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25.11.00 Moral des Staates erkennen

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 25. November 2000


Moral des Staates erkennen
Volkstrauertag bekommt jetzt neuen Sinn unterlegt

Als der damals gegründete Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach dem Ersten Weltkrieg den Volkstrauertag ins Leben rief, diente er der Erinnerung der Gefallenen. Die private Initiative schuf überall, wo Deutsche im Krieg den Tod gefunden hatten, würdige Grabstätten. Der Volkstrauertag hat sich bis heute erhalten. In den letzten Jahren allerdings entfernte sich der ihm gegebene Sinn immer mehr von seinem Ursprung. Das Gedenken an die gefallenen Soldaten des eigenen Volkes rückte in den Hintergrund. An seine Stelle tritt die Beschwörung aller Toten aller Völker, aller Zeiten und aller Gelegenheiten.

In diesem Jahr mißbrauchte Bundespräsident Rau seine Aufgabe, indem er auf der offiziellen Feier des Volksbundes in Berlin dem seit Jahrzehnten eingeführten Wortlaut der Totenehrung eine Passage seiner Obsession einfügte, nämlich daß an diesem Tage auch der Opfer von Fremdenhaß und Ausländerfeindlichkeit gedacht werden solle. Die Trauer um diese Toten ist legitim, doch gehört der Appell in keiner Weise in einen Tag, der den Kriegstoten des eigenen Volkes gewidmet ist. Der Berichterstatter nahm an der Trauerfeier in Kiel teil, auf der Hans Driftmann, Chef der Unternehmensverbände Nord, die Ansprache hielt. In ihr kam der deutsche Soldat überhaupt nicht vor. Statt dessen warnte er er vor "rechtsextremen Verführern" und forderte ein Verbot der NPD. Es bleibt ihm unbenommen, diese Vorstellungen zu entwickeln, doch gehört eine solche Diktion nicht in einen Volkstrauertag.

Der Chronist erlebte vor einigen Jahren eine Feier am Volkstrauertag, auf der ein SPD-Bürgermeister auch die Aids-Toten in die Trauer einschloß – stillos.

Man muß auch Zweifel haben, ob es angebracht ist, im Zusammenhang mit dem Volkstrauertag stets zu wiederholen, unsere Soldaten seien sinnlos gestorben. Wer legitimiert eigentlich zu dieser Sinngebung? Steht es bei den Rednern zu bestimmen, welcher Tod sinnlos war? Sollte man diese Entscheidung nicht einer anderen Instanz überlassen? Reicht es nicht, trauernd innezuhalten und sich mit jenen solidarisch zu fühlen, die ihr Leben für unser Land wagten?

In Kiel wies der Landesvorsitzende des Volksbundes Karl-Heinz Zimmer darauf hin, daß sich der Staat an der verdienstvollen Arbeit des Volksbundes bei der Pflege unserer Kriegsgräber und bei der Suche nach deutschen Gefallenen im Osten kaum beteiligt. Anders als in anderen Ländern drückt sich die Regierung vor dieser Aufgabe und steuert knapp zehn Prozent der Gesamtkosten des Volksbundes bei.

Überall zieht man sich zurück, wenn es darum geht, die Gefallenen und die übrigen Opfer, die Vertriebenen etwa, des eigenen Volkes gebührend zu würdigen. Charles de Gaulle hatte recht: "Die Moral eines Volkes (und man muß hinzusetzen: auch eines Staates) erkennt man daran, wie es mit seinen toten Soldaten umgeht." Jochen Arp