20.10.2021

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25.11.00 "Slawische Reminiszenzen"

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 25. November 2000


Brandenburg:
"Slawische Reminiszenzen"
ORB übt sich in deftiger Geschichtsklitterung

Eine üble Mischung aus Geschichtsklitterung und Herzlosigkeit lieferte jetzt der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) mit seinem dreiteiligen Fernsehbeitrag "Zweite Heimat Brandenburg". In dem bereits gesendeten ersten Teil ging es um "Flucht und Vertreibung", im zweiten Teil um "Ankunft und Neuanfang" (Sendetermin 26. November) und im dritten um "Erinnerung und neue Zeit" (3. Dezember). Ein Gedanke durchzieht den Film wie ein roter Faden: Die Deutschen sind selber Schuld an der Vertreibung. Hitler und der Krieg sind die Ursache für die Westverschiebung Polens. So heißt es gleich zu Beginn der Moderation, daß der Krieg, den Deutschland begann, auch dazu führte, daß zwölf Millionen Deutsche ihre Heimat verlassen mußten. Wenn es so einfach wäre ...

Eine Schlesierin, die bei einem heutigen Besuch ihres Dorfes gefilmt wurde, sagte zwar, daß ihre Heimat immer in ihrem alten schlesischen Dorf sein werde, aber ansonsten übte sie sich kräftig in ahistorischer Selbstbezichtigung: "Wir müssen auch eine Strafe haben, ich sehe das auch ein". Auffallend ist, daß keine historisch kundige Person zu Wort kommt. Die Behauptung der Filmemacher, daß die Vertreibung der Deutschen ihre Ursache in Hitler und dem Weltkrieg habe, ist natürlich falsch. Lange vor dem Zweiten Weltkrieg, vor Hitler und noch vor Pilsudski beschäftigte sich schon ein anderer mit diesem Thema: Otto von Bismarck berichtete in seiner Reichstagsrede vom 28. Januar 1886 von einer Unterredung mit einem polnischen Herren. Dieser Pole, so Bismarck, verwies auf "slawische Reminiszenzen", "die in den Namen vieler Ortschaften meiner Heimat sich zeigten aus den früheren wendischen Zeiten her, und daß er mir sagte: ,Warten Sie, wir werden ihnen bald ihre ursprünglichen Namen zurückgeben.‘" Diesen nationalistischen Hang zu einem Großpolen habe sich auch in den Aufrufen zur polnischen Revolution 1848 und 1863 bestätigt, so der Reichskanzler damals. Erst wollten die aufständischen Polen Warschau, dann Pomerellen und Danzig, und "die Woiwodschaft Pommern gehört ebenfalls dazu". So wie der alte Bismarck es befürchtete, ist es denn ja im 20. Jahrhundert auch gekommen.

Ausführlich kommen zum Ende des ersten Teils die "neuen" polnischen Siedler zu Wort: "Wir wollten es nicht", so ein Jan Stojanowski. Mag sein, daß der kleine Mann sich nicht am Gut anderer vergriffen hätte. Daß aber ein Papst in nachkommunistischer Ära bei seinem demonstrativen Besuch in Ostpreußen, auf "urpolnischem Grund", nicht an das christliche Gebot denkt: Du sollst nicht begehren deines nächsten Eigentum ..., ist der eigentliche Skandal. Im übrigen besteht auch schon ein allgemeinerer Wille, sich des deutschen Gebietes zu versichern. Man denke nur an die Volksabstimmungen nach dem Ersten Weltkrieg und an die wiederholten Mobilmachungen in der Weimerarer Republik und später. Doch davon wollte der ORB wohl nichts wissen ... Hagen Nettelbeck