20.10.2021

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25.11.00 Ein Dithmarscher in Masuren

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 25. November 2000


Ein Dithmarscher in Masuren
Alternativer "Tourismus auf dem Bauernhof" in Sareiken, Kreis Lyck

Sareiken sei leicht zu finden, erklärt man im Lycker Wasserturm, dem Vereinssitz der deutschen Minderheit in Lyck und gibt dem interessierten Touristen gleich eine Skizze mit. Überhaupt kenne Jochen Elsner, den Vizevorsitzenden des Vereins, jeder in der Gegend. Schließlich sei es der Gesprächsstoff in der Gegend, daß der Elsner einen Bärenpark aufmachen wolle, hört man in Lyck.

Nur ein paar Kilometer von Lyck entfernt fährt man durch ein hüglige Landschaft, hier und da ein See, sanfte Kuppen. Ein gemütliches abgeschiedenes Land, still, fast etwas kauzig wirkend, genau wie der Lycker Schriftsteller Siegfried Lenz die Typen und Originale seiner Heimat beschrieb.

Sareiken heißt das Dorf, verträumt, als wäre die Zeit in diesem hintersten Winkel Masurens stehengeblieben. Sareiken, nicht Suleyken, wie das fiktive Dorf der Lenzschen Erzählungen. Immerhin – so kann man sich Suleyken vorstellen, und wenn man Lenz glaubt, mußte man sich in dieser Gegend auch früher schon nicht so bald wundern.

Da ist es nicht einmal erstaunlich, daß es einen Mann wie Jochen Elsner gerade in diese Gegend verschlagen hat. Kurz hinter Sareiken sieht man hoch oben auf einer Kuppe den "Masurenhof" der Familie Elsner liegen.

Wo sonst der Hofhund zur Begrüßung kläfft, kommt hier ein neugieriger Storch aus dem Hauseingang heran. Ein erstes Aha-Erlebnis: Störche können nicht nur klappern, sondern verfügen über eine ganze Geräuschpalette. Bald werden es vier Störche sein, die von Familie Elsner hochgepäppelt oder gesund gepflegt werden. Man glaube gar nicht, wieviel Fisch so ein Storch vertilgt, staunt Jochen Elsner immer noch, aber schließlich habe man ein Herz für Tiere.

Eine Idylle wie aus einem alten Bilderbuch ist der "Masurenhof", Hühner scharren auf dem Hof, Ziegen meckern, ein Wurf junger Katzen balgt sich maunzend, zwei junge Hähne legen die Rangordnung neu fest. Kein Rundgang ohne den kurzen Aufstieg zum Aussichtspunkt, von dem man einen traumhaften Blick auf Lyck und den Lyck-See hat. Im Obstgarten fällt ab und an ein reifer Apfel mit einem satten "Plopp" vom Baum, Bratkartoffelduft lockt den Gast an den Tisch. Bratkartoffelgerichte, die Spezialität des Elsnerschen Hofcafés, sind eine Reminiszenz an die Herkunft des Hausherrn.

Vor ein paar Jahren war der junge Dithmarscher Jochen Elsner erstmals hierher gekommen. Nein, familiären Hintergrund hatte er nicht, aber er habe sich gleich in dieses Land "verguckt", und die Möglichkeiten gesehen, die ein Selbständiger hier habe, erklärt Elsner. Er machte ernst, kaufte den maroden Bauernhof und sanierte nach und nach die Gebäude. Und er brachte jede Menge Ideen mit, aus denen sich allmählich sein Gesamtkonzept Masuren 2000 entwickelte.

Das mit den Bären, ja das sei ein Ding, bestätigt Elsner schmunzelnd sei Lieblingsprojekt. Seine Frau Marta, ein junge Polin, habe zuerst davon gehört. Anton Gucwinski, Breslauer Zoodirektor und sozusagen der polnische Heinz Sielmann, habe in einer seiner populären Sendungen von seinen Problemen im Zoo berichtet. Auch unter Bären gäbe es "Betriebsunfälle" – drei junge Bären wurden im Breslauer Zoo ungeplant geboren und brauchten ein neues Zuhause.

Die Elsners waren sich schnell einig, ein Wildpark war genau das, was auf dem Masurenhof noch fehlte. Das fand auch Gucwinski, der schnell von Jochen Elsners Konzeption überzeugt war und ihm den Zuschlag erteilte. Der Breslauer Zoo wird die Schulung von Elsners Mitarbeitern übernehmen und auch vor Ort dem Bärenpark mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Vierzig Hektar Land stünden für das Freigehege des geplanten Wildparks zur Verfügung, erklärt Jochen Elsner und zeigt die Pläne. Nun könne er endlich loslegen, sagt er und tippt auf die Mappe mit den von Stempeln übersäten Bauanträgen, alle erforderlichen Genehmigungen sind erteilt. Allerdings sei der Bärenpark wirklich nur ein Baustein seines Konzepts "Masuren 2000" betont Elsner.

Der zweite Bereich bleibt die ökologische Landwirtschaft überwiegend mit Produkten, die auf dem eigenen Hof angeboten werden. Die Idee mit Hofladen und Hofcafé hat er aus Holstein mitgebracht. Beides sind schon Schnittstellen zum dritten Baustein in Elsners Puzzle, dem Tourismusangebot. Es sei ja alles da in Masuren, nur mit der Vermarktung hapere es. Viele Bauern in der Gegend sähen ihr Heil zwar im "Agrotourismus", aber sie kämen meist über das Anbieten von Zimmern nicht hinaus. Ferien auf dem Bauernhof müßten heute aber ein Rundumangebot für den Gast bieten, erklärt Elsner, der auf diese Art auch Arbeitsplätze für seine polnischen Nachbarn schafft.

Das würde mit einem griffigen Namen anfangen, so vermarkte er sein Konzept eben unter dem Begriff "Masurenhof". Konsequenterweise betrachtet er diesen Betriebsteil als ganzes Touristikunternehmen, das auch diverse Dienstleistungen anbietet. Nicht nur Übernachtungsmöglichkeiten vom Zeltlager im Obstgarten über den Heuboden bis hin zum Gästezimmer bieten die Elsners ihren Gästen.

Immer wieder gibt es Veranstaltungen auf dem Masurenhof, etliche Musikgruppen gastierten bereits auf der Bühne im Obstgarten. Aber Elsner plant wieder mal schon weiter und sucht nun auch deutsche Künstler, die bei ihm auftreten oder ausstellen wollen, auch an Kleinkunst und Kabarett zeigt er Interesse. Nur so als Idee schwebe im auch eine Siegfried-Lenz-Lesung vor, erklärt er.

Masuren 2000 bedeute für ihn aber mehr als nur den Erhalt der Idylle, veranschaulicht der rührige Jochen Elsner seine Vision. Er stelle sich da noch etwas wie die Internetvernetzung des "Masurenhofes" vor, der Anfang ist mit der eigenen Internetseite (www.elk.com.pl/we/farmamaz/pl/index.html) gemacht.

Eine Art Internetcafé würde den Betrieb dann auch seminartauglich machen und Masuren per Mausklick mit der ganzen Welt verbinden. Für sein Vorhaben sei der Bärenpark die ideale Abrundung. Deshalb gehe er nun nach Erteilung der Genehmigung mit Volldampf an die Realisierung, betont Elsner.

Was ihm noch fehle, sei ein kompetenter Partner in Deutschland. Nicht nur was den Werbeeffekt betrifft, sei das für ihn wichtig, meint Elsner. Ihm sei Unterstützung jeglicher Art willkommen, das sei schließlich sein erster Bärenpark, scherzt der junge Wahlmasure. BJD