20.10.2021

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25.11.00 Festakt im Hessischen Landtag

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 25. November 2000


Festakt im Hessischen Landtag
Landesgruppe der Ost- und Westpreußen feierte ihr 50jähriges Bestehen

Wiesbaden – Die 1950 gegründete Landesgruppe Hessen der Ost- und Westpreußen feierte im Musiksaal des Hessischen Landtagsgebäudes in Wiesbaden ihr 50jähriges Bestehen.

Die Landesvorsitzende Anneliese Franz begrüßte die zahlreich erschienenen Ehrengäste und sonstigen Teilnehmer. Neben Landtagspräsident Klaus Peter Möller, Oberbürgermeister Dr. Hildebrand Diehl, Justizminister Dr. Christean Wagner, Sozialministerin Marlies Mosiek-Urbahn, dem Landesbeauftragten für die Vertriebenen in Hessen, Rudolf Friedrich, dem stellvertretenden Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Dr. Wolfgang Thüne, waren einige Landesvorsitzende der beiden Landsmannschaften und weitere Honoratioren gekommen. Ministerpräsident Roland Koch und andere eingeladene Minister sowie der Sprecher der LO, Wilhelm v. Gottberg, konnten aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen und sandten Glückwünsche.

Nach der Begrüßung durch Anneliese Franz spielte das Streichquartett Westphal zur Einleitung das Ostpreußenlied. Landtagspräsident Klaus Peter Möller als Gastgeber hielt einen Rückblick auf die Flucht aus den deutschen Ostgebieten und erinnerte an die Charta der Vertriebenen, die keine Rache, sondern Versöhnung suchten. Weiter würdigte er die große Leistung der Heimatvertriebenen beim Wiederaufbau des Landes. Auch erinnerte er daran, daß das Recht auf die Heimat ein Grundrecht der Menschen sei und die Vertriebenen keine Revanchisten seien. Bemerkenswert sei, daß die Enkel der Vertriebenen zunehmend Interesse an der Heimat ihrer Vorfahren zeigen, oft mehr, als die Väter in den 60er Jahren. Abschließend wünschte er der Landesgruppe noch viele weitere erfolgreiche Jahre.

Staatsministerin Marlies Mosiek-Urbahn übermittelte Grüße und Glückwünsche der Hessischen Landesregierung und von Ministerpräsident Roland Koch. Auch sie würdigte die Verdienste der Vertriebenen, ohne die der Aufbau in Hessen nicht denkbar gewesen wäre. Sie stellte heraus, daß die Hessische Landesregierung die Arbeit der Vertriebenen zur Wahrung der ostdeutschen Kultur fördere. Die Landsmannschaften seien Brückenbauer nach Osten.

Der Landesbeauftragte der Vertriebenen in Hessen, Rudolf Friedrich, stattete seinen persönlichen Dank an Anneliese Franz ab für ihre große Leistung beim Aufbau der Landsmannschaft. Vertriebene und Spätaussiedler seien eine Bereicherung für Hessen. Diese Menschen seien als gesellschaftlich relevante Gruppe anerkannt. Sie müßte zur Erhaltung ihrer Kultur Sitz und Stimme im Rundfunkrat erhalten, denn die Erhaltung des Kulturguts sei Aufgabe aller gesellschaftlichen Gruppen.

Der Bundessprecher der Landsmannschaft Westpreußen, Siegfried Sieg, überbrachte die Grüße seines Bundesvorstands und wies auf eine enge geschichtliche Verbindung von Ost- und Westpreußen hin. Auch der Wiesbadener Oberbürgermeister Dr. Hildebrand Diehl würdigte als geborener Wiesbadener das Kulturgut, welches die Vertriebenen als ein Teil des kulturellen Lebens in Wiesbaden eingebracht haben. Danach spielte das Streichquartett Westphal das Westpreußenlied.

Als Höhepunkt folgte die Festansprache der Präsidentin des BdV, Erika Steinbach. Sie erinnerte an die schweren Tage der Flucht 1945, die sie als Kind aus Westpreußen mitgemacht hat, und an die durch den Bombenkrieg zerstörten Städte. Heute sei jeder vierte Deutsche ein Vertriebener oder mit einem Vertriebenen verwandt. Sie dankte für die damals erfahrene Hilfe, besonders auch durch die Kirche. Durch die ethnische Säuberung der Ostgebiete ließen zwei Millionen Menschen ihr Leben. Erika Steinbach betonte, daß es keine Kollektivschuld gebe. Das Schicksal der Heimatvertriebenen gehöre zum Schicksal der Völker im Osten. Inzwischen hätten Ungarn, Rumänien, Estland und Litauen zur Rückkehr aufgefordert, nur Polen und Tschechen noch nicht. Das unteilbare Menschenrecht gelte auch für Deutsche. Das Zentrum gegen Vertreibung in Berlin müsse gebaut werden, die Stiftung dafür mit Sitz in Wiesbaden sei schon gegründet.

Nach dem Divertimento von Mozart, dargeboten durch das Streichquartett Westphal, sprach Hugo Rasmus das Schlußwort. Im Namen der Landesgruppe dankt er allen Rednern, speziell Landtagspräsidenten Möller als Gastgeber des anschließenden Sektempfangs. Er bedauerte eine Entsolidarisierung der deutschen Gesellschaft mit den Vertriebenen seit 1973 und fragte, wo die Bundesregierung heute stehe und wie sie den § 96 handhabe. Nach der gemeinsam gesungenen Nationalhymne erfolgte der Sektempfang beim Landtagspräsidenten Klaus Peter Möller.

Nach dem Ende der Feierstunde fuhren die Mitglieder der Landesgruppe zum Haus der AWO im Anny-Lang-Haus in Wiesbaden, wo am Abend die Landeskulturtagung begann. G. Morgenstern