20.10.2021

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02.12.00 Königsberg "à la carte"

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. Dezember 2000


Fernsehen:
Königsberg "à la carte"
Harald-Schmidt-Show als Nachhilfeunterricht

Viermal Deutschlandkarte, vier Zahlen: 1990, 1949, 1937, 1871. Harald Schmidt, der Till Eulenspiegel der Fernseh-Nation, zückt den Tafelstock und zeigt auf die erste, die 1949er Karte. "Welches Datum gehört zu dieser Karte? Na, wer weiß es?" fragt Schmidt mit hochgezogenen Brauen ins Publikum. Er erhält die richtige Antwort. Der Unterschied zu der 1990er Karte wird anhand der Demarkationslinie zur DDR noch einmal kurz erläutert.

Auf die 1937er Karte zeigend: "Von wann ist diese Karte?" Die Antwort aus dem Publikum kommt überraschend schnell: "1937!" Schmidt frohlockt in die Kamera: "Unser Publikum, sehen Sie?!" Der Stock deutet nun auf einen blauen Flecken, der losgelöst und inselartig vom Hauptteil des 1937er Reichs dargestellt ist. "Weiß hier irgend jemand, was das ist?" Schmidt löst den Blick von der Karte. "Na?" Nach einer Schrecksekunde des Überlegens kommt dann doch die richtige Antwort aus dem Publikum: "Ostpreußen!"

"Wie heißt eigentlich die Hauptstadt von Ostpreußen?" bohrt Schmidt mit angezogener Stimme weiter. "Königsberg." "Guuut!"

Doch Schmidt gibt nicht auf, die Wissensgrenzen seines Publikums zu ertasten. Am Tag nach der zweiten Runde der Gouverneurswahlen in Königsberg setzt er nach: "Wer weiß denn, wie die Stadt heute heißt?" Sofort hallt die Antwort zurück: "Krakau!" – "Kraaakauu. Nicht zu fassen! Sind Sie zum erstenmal hier?"

Nachdem der Name Kaliningrad gefallen und auch die nächste Frage zur Zugehörigkeit des Königsberger Gebietes zu Rußland korrekt vom Publikum beantwortet worden ist, gibt sich Schmidt schon fast zufrieden. Fast. "Noch ein letztes. Was ist denn dieser weiße Fleck hier? Der war doch vorher noch nicht da?" Der Stock schwingt zwischen der 1871er und 1937er Karten hin und her. "Das ist der Korridor!" schallt erneut die richtige Antwort aus dem Publikum.

Nachhilfeunterricht braucht Schmidts Publikum – trotz "Krakau" – nicht. Die deutsche Jugend, jedenfalls das Schmidt’sche Publikum, ist nicht doof. Jedenfalls nicht so unwissend, wie jener norddeutsche Lehrer, der zwei Tage zuvor bei einer Quizshow die Ems in die Ostsee münden lassen wollte. Ostpreußen bekannter als die Ems? Das stimmt hoffnungsfroh. Und außerdem: Es kann den Ostpreußen nur freuen, wenn Ostpreußen im Fernsehen für einige Minuten ein Millionenpublikum in Deutschland bekommt. Schmidt sei Dank! Bernhard Knapstein