20.10.2021

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02.12.00 Geschmack und Ordnung

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. Dezember 2000


Geschmack und Ordnung
Ausstellung über Leben und Wirken des ostpreußischen Architekten Kurt Frick

Ellingen – Mit der Geschichte des Architekten Kurt Frick befaßt sich das Kulturzentrum Ostpreußen in seiner letzten Sonderausstellung in diesem Jahr – ein bisher noch nicht behandeltes Themenfeld. Aufgabe des Architekten sei es, die "Dinge abhängig vom Auftraggeber zu ordnen", erläuterte der Ellinger Architekt Reiner Joppien bei seiner Einführung. Mehrere Jahre Vorplanungen waren nach den Worten von Wolfgang Freyberg, dem Leiter des Kulturzentrums, nötig, um die Sonderschau über das Leben und Wirken des ostpreußischen Architekten Prof. Kurt Frick gestalten zu können.

Bei seiner Begrüßung dankte Freyberg besonders dessen Sohn Eckart Frick aus Bad Reichenhall, der eigens nach Ellingen gekommen war, sowie seiner vor wenigen Wochen verstorbenen Enkelin Ute Göbel aus Treuchtlingen, die mit aktiver Unterstützung diese Ausstellung ermöglicht hatten. Zweckarchitektur habe man im Kulturzentrum noch nie dargestellt, obwohl dieses Thema sehr stark mit dem täglichen Leben der Bevölkerung im Zusammenhang steht. Mit Hilfe von Computerprogrammen sei eine zeitgeschichtliche Darstellung gelungen, an deren Aufarbeitung und Gestaltung Brigitte Hildebrandt und Bernhard Denga, beide Mitarbeiter des Kulturzentrums, erheblichen Anteil hatten. Vor mehr als zehn Jahren wäre aufgrund der wenigen und teils in schlechter Qualität vorhandenen Originalunterlagen eine derartige Präsentation unmöglich gewesen, sagte Freyberg.

Die Einführung zur Ausstellung hielt der bekannte Architekt Rainer Joppien, gebürtiger Königsberger, der noch manche Bauten von Kurt Frick selbst gesehen hat. Bemerkenswert sei seiner Meinung nach der Werdegang des 1884 geborenen Kurt Frick, der als Schuhmachersohn den Beruf eines Maurers erlernte und später die Baugewerkschule besuchte. Durch seine Anstellung im Entwurfsatelier des bekannten Berliner Architekten Hermann Muthesius kam er mit dem "Deutschen Werkbund" in Berührung. Diese Vereinigung wirkte in ähnlicher Form wie das "Bauhaus" mit neuen Stilrichtungen dem Historismus entgegen, dessen bisherige Elemente durch einen neuen Funktionalismus im Städtebau überwunden wurden. Die Zweckbauten der damaligen Zeit waren schmucklose "Kisten" – der Werkbund versuchte durch die Einbindung von Designern und Künstlern ansprechendere Gebäude zu entwerfen. So war es gerade Frick, der Teile von Ornamentik sowie den "Goldenen Schnitt" in der Baugestaltung wieder einführte, so daß Geschmack, gepaart mit Wissen über Ordnungen, eine angenehme Wirkung auf den Betrachter erzielte, erläuterte Joppien. Weiter führte er aus, daß auch zur damaligen Zeit der Auftraggeber Vorstellungen über die Ausführung gehabt hätte, aber die freie Architektur heute durch Bebauungspläne und Paragraphen viel mehr als damals eingeschränkt sei.

In der Ausstellung selbst sind zahlreiche Bildtafeln mit den Werken des 1963 in Bad Reichenhall verstorbenen Architekten zu sehen. Dies beginnt mit der Gestaltung der Gartenstadt Hellerau in Dresden und findet seine Fortsetzung bei seinen Arbeiten als "Bezirksarchitekt" für den Wiederaufbau der im Ersten Weltkrieg zerstörten Städte Stallupönen (Ebenrode), Eydtkuhnen und Schirwindt, mit denen er seinen beruflichen Durchbruch erreichte. Viele Zweck- und Fabrikbauten in Ostpreußen trugen anschließend seine Handschrift, sei es die Spulenfabrik Königsberg 1923, in der finnisches Holz zu Nähgarnspulen verarbeitet wurde, die Ostpreußischen Fleischwarenwerke in Königsberg 1929, die ebenfalls 1929 errichtete Polizeidirektion Tilsit, die Jugendherberge Marienburg 1934 oder der Wasserturm von Mohrungen, die Hochseefischersiedlung Neukuhren sowie viele Postämter und Schulen. Nach seiner Flucht am Ende des Zweiten Weltkriegs nahm er in Bad Reichenhall seine Arbeit wieder auf; Wohnsiedlungen in Bayrisch Gmain, die Gebirgsjägerkaserne in Bad Reichenhall sowie Volksschule, Rat- und Feuerwehrhaus in Piding sind die Bauten, die er entwarf.

Die Ausstellung im Kulturzentrum Ostpreußen ist bis zum 4. März 2001 dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr geöffnet. M. Fritsche