25.10.2021

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09.12.00 Mitteleuropa: Umdenken beim Alpentransit

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 09. Dezember 2000


Mitteleuropa: Umdenken beim Alpentransit
Verkehrspolitik verharrt in frühen Denkschablonen

Jedesmal wenn ein Unglück viele Menschenleben fordert, herrschen Schock und Trauer, gefolgt von Moralpredigten, Schuldzuweisungen und Schadenersatzklagen. (Zu Kaprun hat sich übrigens schon ein gewisser Ed Fagan gemeldet!) Unter dem Druck der veröffentlichen Meinung kommt es dann zu – vorübergehender – Hektik bei den Kontrollorganen oder gar zu kosmetischer "Anlaßgesetzgebung". Nur selten wird versucht, das Problem an der Wurzel zu packen, geschweige denn, bei ähnlich gelagerten Problemen vorzubeugen.

Die jüngste Brandkatastrophe sollte aber tatsächlich Anlaß zum Umdenken sein – in einem Bereich, der auf den ersten Blick gar nichts damit zu tun hat, nämlich beim Transitverkehr durch die Alpen. Tunnel gab es zwar bereits in der Antike, ihre große Bedeutung errangen sie jedoch erst mit dem Eisenbahnbau. Es ging und geht um die Vermeidung von Steigungen und Umwegen, also um die Reduktion von Fahrzeit, Energieverbrauch und Materialverschleiß. Zudem: Der Platz an der Oberfläche wird immer knapper, und die objektiv meßbare Verkehrsbelästigung der Anrainer wird durch eine von Ideologen ausgelöste Umwelt-Hysterie noch weit übersteigert! Es ist gerade diese Hysterie, die im Zusammenwirken mit einem anderen Wahn, nämlich der Globalisierung und dem durch sie bis weit jenseits aller Erfordernisse aufgeblähten Güterverkehr, zu immer längeren Tunnelkonstruktionen verleitet.

Nun haben Tunnel den Nachteil, daß ihre Kosten nicht proportional, sondern stark überproportional zur Länge steigen. Das liegt an der komplizierteren Logistik für Arbeitskräfte, Maschinen und Material bereits während der Bauphase, vor allem aber am Sicherheitsaufwand in Form von Armierungen, Parallelstollen, Schutzräumen, Notausstiegen.

Die Grundproblematik für Sicherheit ist für Schiene und Straße gleich. Unterschiedlich ist sie hingegen zwischen Personen- und Güterverkehr. Trotzdem wird nach wie vor an "gemischten" Trassen festgehalten! Gewiß ist es kurzfristig billiger, bestehende Trassen auszubauen – doch dadurch kommt es zu noch stärkerer Bündelung des gemischten Verkehrs! Man muß sich vor Augen halten, daß ein Basistunnel, wenn er ausschließlich für ferngesteuerte Container-Züge ohne Begleitpersonal konzipiert ist, nur ein Drittel eines "normalen" Tunnels kostet!

Quintessenz ist daher die Forderung nach einer Neutrassierung der wichtigsten Alpen-Transitstrecke, wobei sich ein Basistunnel durch den Brenner und eine Fortsetzung durch das Karwendelgebirge nördlich von Innsbruck als Kernstücke aufdrängen. Wenn dann der Güter-Fernverkehr (Container!) vorwiegend in Tunnels und auf Unterflur-Trassen verläuft, wird der Rest keinen mehr aufregen! Und für den Personenverkehr ist die Fahrt oben ohnehin attraktiver. R. G. Kerschhofer