25.10.2021

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16.12.00 Was hat Deutschland vom neuen US-Präsidenten zu erwarten?

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. Dezember 2000


Transatlantische Sorgen
Was hat Deutschland vom neuen US-Präsidenten zu erwarten?

Den geschätzten Kollegen von CNN fällt nun auch nichts Neues mehr ein: Statt sensationeller Neuigkeiten aus Washington und Florida blenden sie die Titelzeile "The Waiting Game" ein. Das nun bald unvermeidliche Ende des gar nicht lustigen Spiels beschert den Amerikanern nach viel zu langem Warten einen Präsidenten, der mit einer schweren Hypothek ins Weiße Haus einziehen wird. Ob Bush oder Gore, je eine Hälfte der Wählerschaft wird noch lange der Überzeugung sein, eigentlich hätte ja der andere zum Sieger erklärt werden müssen.

Damit muß man wohl leben in einem Lande, in dem in der Politik wie im Wirtschaftsleben stets mit harten Bandagen gekämpft wird. Das ist das Problem der Amerikaner, könnten wir Europäer sagen, uns bequem zurücklehnen und abwarten, wie das Lust- oder Trauerspiel jenseits des Atlantik weitergeht.

Eine solche Haltung würden wir Europäer – insbesondere wir Deutschen – aber schnell zu bereuen haben. Denn alle geschichtliche und politische Erfahrung lehrt: Gerade wenn ein Spitzenpolitiker im eigenen Land eine schwache Position hat (und nach diesem Stimmauszählungs-Debakel hat der neue US-Präsident genau das!), neigt er dazu, sich durch außenpolitische Aktivitäten zu profilieren.

Die amerikanische Außenpolitik wird, so ist zu befürchten, in nächster Zeit unberechenbarer werden. Im Zeitalter Globalisierung kann uns das nicht gleichgültig sein. Das gezielte Hochfahren des Dollarkurses gegenüber dem Euro war vielleicht nur ein Vorgeschmack dessen, was der künftige Hausherr im Weißen Haus sich noch alles einfallen läßt. Amerikanische Kraftmeierei würde Europa und Deutschland empfindlich treffen, amerikanisches Desinteresse am Alten Kontinent, zugunsten einer noch stärkeren Orientierung auf den asiatisch-pazifischen Raum, allerdings auch.

Und nicht verdrängen sollten wir die Möglichkeit, daß Rußland und China sich die derzeitige Situation der US-Politik zunutze machen wollen. Gewisse Signale im Rüstungsbereich verheißen da nichts Gutes. H. J. M.