20.10.2021

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16.12.00 Marlene Dietrich: "Ich helfe, Anleihen zu verkaufen, damit Berlin bombardiert werden kann"

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. Dezember 2000


Zeitgeschichtliche Nachlese:
"Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt ..."
Marlene Dietrich: "Ich helfe, Anleihen zu verkaufen, damit Berlin bombardiert werden kann"

Im heutigen Deutschland genießt die 1992 verstorbene Marlene Dietrich ein bemerkenswert hohes Ansehen. Sogar auf Millionen Briefmarken ist sie abgebildet, und das kürzlich eröffnete Filmmuseum widmet der Diva den größten Teil seiner Ausstellung. Berlins Senat ersteigerte nach dem Tod der Schauspielerin ihren Nachlaß. Fotos, Utensilien und Dokumente von Marlene werden nun in dem Museum am Potsdamer Platz gezeigt. Hier feiert man sie als "einzigen deutschen Weltstar" und "Ikone", die das "bessere Deutschland" repräsentiert habe.

Fast ihr gesamter Nachlaß, der unter anderem über 300 000 (!) Schriftstücke enthält, lagert jedoch in Spandau. Archivare verwalten Berge von Akten, aber auch unzählige Kleidungsstücke, die ein ganzes Kaufhaus füllen könnten. Etliche Akten hat bisher niemand ausgewertet. Es lohnt sich, das vergoldete Heiligenbild des Filmmuseums mit dem zu vergleichen, was in der Spandauer "Marlene-Dietrich-Collection" zu finden und zu lesen ist. 1930 verließ die junge Schauspielerin Berlin, weil sie fortan in Hollywood arbeiten wollte. Politische Gründe spielten dabei keine ersichtliche Rolle. Nach einem tiefen Karriereknick beantragte Marlene Dietrich 1937 die amerikanische Staatsbürgerschaft, die sie zwei Jahre später erhielt. Angebote von deutscher Seite, in ihr Heimatland zurückzukehren, wies der Filmstar zurück. Seit 1942 machte sie höchst erfolgreich Reklame für Kriegsanleihen, welche dazu beitrugen, die amerikanische Rüstungsindustrie zu finanzieren. Außerdem arbeitete Marlene 1944/45 für die US-Truppenbetreuung. In Nordafrika, Italien, Frankreich und Deutschland verschaffte sie durch Varieté-Auftritte, bei denen sie ihre "legs" (Beine) offerierte, amerikanischen "boys" eine Menge Kurzweil.

Marlene Dietrich habe während dieser Zeit, liest der Besucher des Filmmuseums, zwischen Nazis und Deutschen differenziert. Unglücklicherweise entspricht das nicht der Wahrheit. Ende August 1944 erklärte sie dem "Saturday Home Magazine", sie habe nur anfangs solche Unterscheidungen vorgenommen. "Wie kann ich das jetzt noch tun?" So äußerte sich Marlene Dietrich wenige Wochen nach dem Staatsstreichversuch vom 20. Juli 1944. "Ich denke nicht an die Bomben, die auf Berlin regnen, wo meine Verwandten leben. Täte ich es, könnte ich meine Veranstaltungen nicht durchführen." Aber Marlene Dietrich verdrängte nicht nur Bombenangriffe auf eine unschuldige deutsche Zivilbevölkerung. Der "Associated Press" gegenüber bekannte sie: "Ich helfe, Anleihen zu verkaufen, damit Berlin bombardiert werden kann."

Anfang 1945 betrat Marlene erstmals wieder deutschen Boden. In Stolberg, nahe Aachen, gab sie dem "New York Mirror" ein Interview. "Ich glaube, daß Deutschland alles (!) verdient hat, was nun mit ihm geschieht. Und ich sporne die Russen an, so bald wie möglich Berlin zu erreichen." "Alles" beinhaltete folglich nicht nur Bomben auf deutsche Städte, sondern auch die Vertreibung der Ostdeutschen, die mit massenhaftem Tod und Totschlag einherging. Den Amerikanern wiederum unterstellte sie als Motiv, Krieg gegen Deutschland zu führen, puren Idealismus.

Diese Äußerungen erfolgten nicht beiläufig. Noch 1966 sagte die Schauspielerin der Pariser Zeitschrift "Le Nouvean Candide": "Mein Herz konnte sich nicht rühren, wenn Hamburg bombardiert wurde. Hitler ist von den Deutschen nicht erfunden worden, er hat nur das zutage treten lassen, was erblich (!) in ihnen steckt. Sie sind dazu geschaffen, um Soldaten zu sein, um unter einer Disziplin zu stehen und um einem allmächtigen Chef zu gehorchen." Höchst wundersam erscheint es, daß Marlene Dietrich, die Deutsche, über "andere" Gene verfügte. Wie auch immer: ihre Auffassungen vertraten eine erstaunliche Beschränktheit und Inhumanität. Bisweilen ähnelte Marlenes Deutschlandbild – spiegelbildlich verkehrt – totalitären Denkschablonen.

Nach jener Frau, die sich einst rühmte, den Bau von Bomben zu unterstützen, die Berlin in Schutt und Asche legten, ist heute sogar eine Straße ihrer Geburtsstadt benannt. Kritiklose Bewunderung scheint eine deutsche Spezialität zu sein. Zu hoffen bleibt, daß diese Eigenschaft nicht angeboren ist. Rolf Helfert