25.10.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
16.12.00 Über das Wirken der Künstler in kommunistischer Zeit

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. Dezember 2000


"Kunst ist Waffe"
Über das Wirken der Künstler in kommunistischer Zeit

So sehr die sogenannten "westlichen" Apologeten einer freien und ungebundenen Kunst sich auch ereifern mögen, gemessen wird die Kunst allemal an der Wirklichkeit des realen Seins, mag sie auch noch so prophetisch sich darstellen, mag ihr Schöpfer noch sehr das ungebundene Element seines Werkes preisen. Dabei gilt es als ausgemacht, daß sich Kunst unterscheiden muß von bloßer politisch-propagandistischer Zuarbeit für Regierungs- oder gar Parteiprogramme wie auch von Beschreibung gesellschaftspolitischer Zustände mit den bloßen Mitteln der Wissenschaft.

Die unmittelbar politisch-pragmatische Nutzbarkeit der Kunst stand als Motto am Anfang der kommunistischen Bewegung in Rußland und sollte unter den spezifischen Bedingungen dieses von den europäischen Hauptstaaten abgeschnittenen Landes sowohl die Unbildung beseitigen helfen als auch die Maximen des Bolschewismus mit raffinierten Vereinfachungen schlagwortartig in die "proletarischen Massen" einhämmern. Unter diesem Gesichtspunkt beurteilten Lenin und Stalin Kunst, die nach ihren Vorstellungen nur willkommen war, wenn sie die Wirklichkeit unter dem spezifischen kommunistischen Blickwinkel des "Klassenstandpunktes" wahrnahm. Künstler waren unter diesem Aspekt "Ingenieure der Seele", wie Stalin kurzerhand in mechanistischer Denkart urteilte, die keine abgeschiedene Insel ungebundener Seliger sein durfte. Natürlich geriet diese verkürzte Deutung der Kunst alsbald auch in das Verbotsraster des blutigen Diktators Stalin, der nicht nur die verbliebenen "bürgerlichen" Künstler, sondern alsbald auch viele der anfangs glühenden Befürworter der Revolution in die Konzentrationslager Sibiriens brachte. Nicht wenige sind dort ermordet worden oder kamen durch Sklavenarbeit oder Hunger und Seuchen zu Tode. Andere zwangen sich in die Anpassung oder ließen sich von einem üppig verzuckerten Lohn als Staatskünstler aushalten.

Für die deutschen kommunistischen Nachkriegskünstler galt insbesondere das Wort Friedrich Wolfs: "Kunst ist Waffe". Dieses Motto, das insbesondere während der Parteitage und Kulturkonferenzen der SED bemüht wurde, sollte die ideologischen Grabenkämpfe im geteilten Deutschland mit klassenkämpferischem Nachdruck markieren, weil sich die Ziele der Weltrevolution in der Mitte unseres Kontinents, in Deutschland, festgefahren hatten. Da Moskau sich nach der Stalinnote von 1952 deutschlandpolitisch kaum noch bewegte, verfielen auch die Akzente in der Kulturpolitik der DDR, bis sie sich neu in die Abgrenzung von West- und Ostdeutschland auf die Formel von einem "sozialistischen Vaterland DDR" bringen ließ. So sehr auch viele Künstler der DDR diesen Weg bereiteten und sich damit willig unter das politische Joch der SED bringen ließen, so sehr gab es immer wieder auch beherzte, mutige und talentierte Künstler, die den Gang unseres Volkes durch die Geschichte teilnehmend begleiteten.

Ähnliches gilt selbstverständlich auch für Künstler anderer Länder, die zumeist unfreiwillig unter die kommunistische Herrschaft geraten waren. M. D.