25.10.2021

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16.12.00 Der Maler Michael Zimmermann und seine Bilderwelt

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. Dezember 2000


Viele Wege bestehen
Der Maler Michael Zimmermann und seine Bilderwelt
von SILKE OSMAN

Vielleicht muß der Mensch viele Wege mit seinem Leben erst bestehen, damit er den Anfang seines Lebens erkennt und versteht", schrieb der Maler Michael Zimmermann einmal als Widmung in ein Buch mit seinen Werken. Viele Wege ist er bisher gegangen, der Künstler und der Mensch Zimmermann. Und es scheint, als ob es ihn gerade in diesen Tagen und Wochen wieder mit Macht an den Anfang seines Lebens zurückzieht.

Geboren wurde der Sohn einer Elbingerin und eines Hamburgers am 26. Juni 1946 in Sonthofen/Allgäu. Sein Lebensweg führte ihn zunächst nach Bad Dürkheim, schließlich in die Nähe von Hamburg und dann für ein halbes Jahr nach Rom. Immer wieder aber zog es den jungen Mann an die Nordsee, wo er auf der Insel Föhr seine Ferien verbrachte. "Ich wohnte dort in einer alten Mühle und richtete mir auf dem Mühlenboden ein Atelier ein, so nannte ich es. Auf großen Packpapierbögen, die ich auf alte Bilderrahmen spannte, malte ich Mühlen- und Inselmotive." Kein Wunder, denn für Zimmermann, der bereits als Knirps jedes erdenkliche Papier für seine Bilder verwandte, stand bereits mit 14 Jahren fest, daß er Maler werden wollte. Auf Föhr begegnete er auch dem Maler und späteren väterlichen Freund Gustav Mennicke, der ihm zeigte, mit Linol- oder Holzschnitt umzugehen, der ihm die Zeichnung und die Farbe näherbrachte. Mennicke stellte auch den Kontakt zu Prof. Berger-Bergner her, bei dem Zimmermann schließlich an der Kunstakademie Mannheim ein Studium aufnahm.

Erste Ausstellungen, auch erste Verkäufe von Bildern folgen bald. Doch Zimmermann bleibt unruhig. Er muß seinem Weg folgen, geht an den Bodensee, nach Heidelberg und Speyer, wo er die Seitenkapelle der Stadtkirche St. Josef mit Fresken ausmalt, zieht wieder nach Mannheim. Immer wieder aber ist die Nordsee sein Ziel, Föhr natürlich, und 1985/86 die Hallig Hooge, wo er den Eiswinter mit 24 Grad minus erlebt, wo er auch arbeitet und sich von der kargen Landschaft, vom Nebel, vom Eis gefangennehmen läßt. Eindrucksvolle Arbeiten entstehen in diesen Monaten.

Und wieder zieht es Michael Zimmermann in die Ferne, diesmal für acht Monate auf die Insel Bali/Indonesien, wo er ein eigenes Atelier unterhält. Drei Jahre lang hat er dann eine Gastprofessur an der Edna Manley Scholl for the Visual Arts in Kingston/Jamaica inne. Dort wie auf Bali entstehen Arbeiten voll intensiver Farbigkeit. 1989 schließlich kehrt Zimmermann nach Deutschland zurück, lebt und arbeitet zunächst in Ulm, seit 1993 in Beuron an der Donau. Doch aus dem "Tal" zieht es ihn mittlerweile auch wieder mit Macht hinaus. "Ich brauche die weite Landschaft des Nordens", bekannte er bei einem Besuch in der Redaktion des Ostpreußenblattes. Ja, auch auf der Kurischen Nehrung würde er gern einmal malen. Vielleicht findet sich ja ein Sponsor, der dem freischaffenden Künstler ein Häuschen zur Verfügung stellt, der vielleicht auch selbst gern malt (Michael Zimmermann, das ATELIER-HAUS, Ringstraße 15, 88631 Beuron-Langenbrunn, Telefon / Fax 0 75 79/18 33).

Im Sommer 1999 war Zimmermann längere Zeit auf der Insel Rügen, wo über 1000 Arbeiten entstanden, viele Zeichnungen zu maritimen Themen. Wichtig ist Zimmermann der Kontakt mit den Menschen. Wie überhaupt der Mensch immer wieder im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht. Nicht als Porträt oder als gegenständliche Darstellung, sondern vielmehr als Auseinandersetzung mit Themen wie Mensch und Umwelt, Mensch und Arbeit, Mensch und Glauben. "... nicht das Werk macht den Künstler, sondern das Leben", schrieb er einmal in einem Brief. "Das Werk gibt nur Auskunft über das Leben, macht transparent und reflektiert, ist Botschaft zugleich für jeden Menschen. Erst mit Eintritt des Menschen wird Leben religiös, das ist der kreative Akt des Menschen, sein unverwechselbarer Impuls als soziales Wesen, der Mensch braucht immer Menschen."

Der rastlose Künstler, der nach außen hin einen sehr ruhigen und nachdenklichen Eindruck macht, hat auch die Hallig Hooge wieder einmal besucht. Doch die Hallig hat sich verändert – zu viele Tagestouristen, die Hooge geradezu überschwemmen – "ein neues Landunter"?, fragt Zimmermann. Nun hat er, der übrigens gerade zehn Illustrationen für das Kinderbuch "Leander der Robbenkönig" von Rico Nestmann fertiggestellt hat, ein neues Malerparadies für sich entdeckt: die Hallig Langeneß. Dort wird er ab Januar für einige Monate leben und arbeiten. Ab März 2001 dann bietet er für die Leser des Ostpreußenblattes Kreativ-Wochen auf der Warft Hilligenley an. Für die individuellen Intensivkurse mit Malerei, Zeichnung und plastischem Gestalten ist keine Vorbildung erforderlich; auch will Zimmermann die Kursteilnehmer über Geschichte, Kultur und Natur der Halliglandschaft informieren. Sieben Tage im gemütlichen Doppelzimmer (Seeblick) mit Dusche und WC bei Halbpension kosten pro Person 498 DM; die Kursgebühren belaufen sich auf 200 DM (Anmeldungen direkt bei dem Wirt des Gasthauses Hilligenley Gerhard Karau, 25863 Hallig Langeneß, Telefon 0 46 84/ 2 23).

Michael Zimmermann sei doch im Eigentlichen auf dem Wege, sagte Ekkart Sauser einmal über den Künstler, dieser Weg aber werde immer wieder von Zielen unterbrochen. Ein Ziel ist jetzt erst einmal Langeneß – und dann die Kurische Nehrung?