20.10.2021

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16.12.00 Kirchenfenster für Mexiko

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. Dezember 2000


Kirchenfenster für Mexiko
Maria-Luise Krapp aus Königsberg schuf biblische Motive

Als "besessen" hat sich die Künstlerin einmal selbst bezeichnet, besessen, mit Pinsel und Farbe auszudrücken, was sie empfindet, zu schildern, was sie sieht: zarte Blumen, aber auch zauberhafte Landschaften haben es Maria-Luise Krapp angetan.

Schon früh kam die 1931 in Königsberg Geborene in den Norden Deutschlands, genauer gesagt nach Hamburg, wohin der Vater mit der Familie aus beruflichen Gründen gezogen war. In der Elbmetropole besuchte Maria-Luise die Schule und nahm 1947 ein Studium an der Meisterschule für Mode auf. Anschließend besuchte sie die Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und belegte die Fächer freie und angewandte Kunst und Kunstgeschichte. Fünf Jahre war sie dann als freischaffende Künstlerin und in der Industrie und Werbung tätig, bis sie 1959 heiratete und eine Familie gründete. Drei Kinder galt es großzuziehen – die Kunst mußte zunächst zurückstehen. 1972 dann griff die Königsbergerin wieder zu Pinsel und Farbe. Seit 1977 unterrichtet sie an der Volkshochschule Markgräflerland in Müllheim, wo sie lebt und arbeitet, junge und ältere Menschen in den verschiedensten künstlerischen Techniken.

Zu einer wahren Meisterin der Aquarellmalerei hat sich Maria-Luise Krapp im Laufe der Jahre entwickelt. Sie beherrscht diese Kunst aus dem "Effeff"; immer ist ihr "Handwerkszeug" mit dabei, wenn sie auf Reisen geht. "Am liebsten male ich draußen", sagt sie. "Ich muß das Licht, die Geräusche, den Duft spüren. Dabei muß jeder Pinselstrich sitzen, ausbessern kann man da nicht. Die Leute, die dann manchmal drumherum stehen, die stören mich nicht. Ich bemerke sie gar nicht …"

Viele zarte Aquarelle hat Maria-Luise Krapp von ihren Reisen nach Andalusien, in die Toskana, die Provence und Bretagne, nach Kreta, die Türkei, nach Litauen und Norwegen mitgebracht, und alle atmen sie den Duft dieser Landschaften. Ausgestellt hat sie ihre Arbeiten auch schon in vielen Galerien und Museen des In- und Auslands. Sollte es den einen oder anderen unserer Leser einmal nach Mexiko-City verschlagen, dann wird er dort auch die neuesten Arbeiten der agilen Königsbergerin bestaunen dürfen. In der einzigen evangelischen Kirche der Stadt, in der auf deutsch gepredigt wird, sind jetzt sieben Kirchenfenster nach Entwürfen von Maria-Luise Krapp eingebaut worden (Pfingsten, Die hörende Gemeinde, Abendmahl, Taufe im Jordan, Himmelfahrt, Erscheinung am See Genezareth, Weihnachten). Fünf weitere Fenster sind geplant.

Es war im Jahr 1997, da die Ostpreußin sich erfolgreich an einem Wettbewerb für Kirchenfenster der Heilig Geist Kirche in Mexiko-City beteiligte. Die Künstlerin mußte sich verpflichten, nach Mexiko zu fliegen, um dort einen geeigneten Handwerker auszusuchen. "Eine Woche fuhr ich mit einem Dolmetscher zu verschiedenen Vitral-Handwerkern", erzählt Maria-Luise Krapp. Vorher hatte sie sich bei einem Freiburger Betrieb für Glasfenster kundig gemacht, worauf sie bei der Auswahl des Handwerkers zu achten hatte. "Ich fand einen Meister, der gerade einen Auftrag der Stadt Mexiko-City für die Restauration von Kirchenfenstern einer Kathedrale erhalten hatte." Mit sicherer Hand suchte die Königsbergerin die farbigen Gläser, darunter auch gehämmerte und geschlierte, für "ihre" Fenster aus. Die Arbeit konnte beginnen. Am 1. April 1999 schließlich wurden die Fenster im Beisein der Künstlerin feierlich der Öffentlichkeit präsentiert. Und im Frühjahr kommenden Jahres wird sie nun zum fünften Mal in das mittelamerikanische Land reisen, um sich um "ihre" Fenster zu kümmern. Die Aquarellfarben aber werden auch mit im Gepäck sein … Silke Osman