25.10.2021

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© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. Dezember 2000


Zeichen für erfolgreiche Arbeit
Abwechslungsreiches Programm bei Herbstkulturtagung in Nordrhein-Westfalen

Oberhausen – Endlich war es der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen gelungen, Ruth Geede als Referentin für die Herbstkulturtagung zu gewinnen; ein Höhepunkt in dem auch diesmal wieder interessanten und ausgewogenen Programm.

Ministerialrat a. D. Martin Lehmann zeigte in seinem Referat "Zur Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Polen" die schwere Hypothek auf, die die heutige Regierung nicht in allen Punkten bereit ist zu übernehmen. Dazu gehört u. a. die Entschädigung für widerrechtliche Einziehung des Vermögens und für zivilrechtliches Unrecht, die Rehabilitation unschuldig Verurteilter und die Überprüfung der Wiederbesetzung von Ämtern mit ehemaligen Funktionären. Erst 1997 wurde per Gesetz die Öffnung der Geheimdienstakten durchgesetzt. Ein sensibler Punkt ist die Klärung der Vermögenslage. Gelder wurden beiseite geschafft, Rehabilitierte haben Anspruch auf Rückgabe des Eigentums und auf Schmerzensgeld; die Ansprüche sind erblich. Nach dem Krieg hatten nur die katholische Kirche und die jüdische Gemeinde Anspruch auf Entschädigung. Für Enteignungen müssen nicht nur polnische Staatsbürger, sondern auch Ukrainer, Weißrussen, Juden usw. entschädigt werden. Erst nach der Wende gibt es die Möglichkeit der Anklage wegen Verbrechen an Deutschen und Juden nach 1945, wobei Schwierigkeiten wegen Aktenvernichtungen entstehen. Polen sehe sich immer nur als Opfer anderer Mächte. Da sei eine historische Aufarbeitung nötig, so Lehmann. Er zeigte dabei auch positive Tendenzen auf: das Interesse junger Polen an der ostdeutschen Geschichte und die Zusammenarbeit von Polen und Deutschen.

Am Nachmittag stand der Vortrag von Ruth Geede "Vom Wesen der Ostpreußen" im Mittelpunkt. Eine Vielzahl von Völkern kann der Ostpreuße als seine Vorfahren ansehen. Das zeigt sich in der Sprache, in dem Spiegel der Seele, in der das Niederdeutsche mit baltischen Brocken, das Masurische und das Altpreußische sich in Resten erhalten haben, in der das Deutsche mit französischen, russischen und litauischen Worten durchsetzt ist.

Ein hartes Leben war zu bewältigen, das viel Arbeit und manches schwere Schicksal mit sich brachte. Ruth Geede nannte als Beispiel Walter Scheffler, der mit 16 Jahren taub wurde und dieser Heimsuchung ein Leben voll dichterischer Kreativität entgegensetzte. Wichtig war bei aller Arbeit und Mühsal das Feiern, ein Erbe der alten Prussen, die nicht nur den Zarm, das Totenmahl, über mehrere Tage ausdehnten. Geburtstage, Weihnachten, Ostern, mitunter auch nur lang erwarteter Besuch – die Feste waren ein Naturereignis. Ruth Geede nannte die ostpreußischen Tugenden, darunter die Toleranz, die sich in der Religionsfreiheit zeigte. Sparsamkeit und Genügsamkeit gehörten dazu, gemäß der Kantschen Maxime, daß man reich ist durch das, was man entbehren kann. Helfen galt als selbstverständliche Pflicht, und Angeberei und Protzerei lagen einem Preußen völlig fern, gemäß dem Motto: mehr sein als scheinen. Aufschlußreich war auch Ruth Geedes Blick auf das ostpreußische Gemüt: Melancholie und Weltschmerz gibt es neben der Heiterkeit und dem bodenständigen Realitätssinn. Sturheit und Rückzug sind möglich, werden aber wieder von Herzlichkeit und Geselligkeit abgelöst. Die Landsleute dankten Ruth Geede begeistert und nutzten die Gelegenheit zu Nachfragen und persönlichen Gesprächen.

Die weiteren Beiträge zum Programm waren ernst und heiter. Axel Doepner setzt sich für die Restaurierung der Burg Schaaken ein, die als Tagungsstätte genutzt werden soll. Für das große Unternehmen sucht er Helfer, die dem diesbezüglichen Förderverein beitreten. Eindringlich appellierte er an die Ostpreußen – und nicht nur an sie – wenigstens einen Teil der im nördlichen Ostpreußen noch verbliebenen deutschen Baudenkmäler zu retten. Für Auflockerung sorgten Ursula Witt und Alma Reipert. Unter der Leitung von Ursula Witt wurden Jagd- und Herbstlieder gesungen, und Alma Reipert rührte die Zuhörer u. a. mit dem "Erntelied" – eine Hommage an Ruth Geede – und erheiterte sie mit der "Fahrt zum Tiergarten".

Der Landesgruppenvorsitzender Dr. Ehrenfried Mathiak konnte eine positive Bilanz der Tagung ziehen, bei der die Teilnehmerzahl von 130 Personen schon ein deutliches Zeichen für die erfolgreiche Arbeit der Landesgruppe war. Ein besonderer Dank gebührte wie immer der Geschäftsführerin Brigitte Gomolka und dem Schatzmeister Alfred Nehrenheim, der den Tagungen stets die besten Rahmenbedingungen schafft. B. Beutner