28.10.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
23.12.00 "Ausländer raus" beim ZDF?

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 23. Dezember 2000


"Ausländer raus" beim ZDF?
ZDF-"Auslandsjournal" eifert mit polnischen Chauvinisten gegen deutschen Landerwerb in Ost-Pommern
von FRIEDRICH NOLOPP

Einseitige antideutsche Berichterstattung lieferte jetzt das ZDF-Auslandsjournal mit seinem Beitrag über "deutsche Landritter" in Polen. Die Polit-Reportage sorgte in Deutschland bei den Heimatvertriebenen für Ärger und Verbitterung. "In Europa sollen doch alle gleich sein. Warum ist es dann aber verwerflich, wenn sich ein Deutscher einen Bauernhof bei Stettin kauft? Steckt hier vielleicht rassistisches Gedankengut hinter, das auch von den ZDF-Redakteuren geduldet wird", fragt ein Pommer verärgert.

Die Sendung, Mitte Dezember ausgestrahlt, beginnt mit dem Prozeß vor einem polnischen Gericht in Stettin gegen acht Deutsche. Ihnen wird vorgeworfen, in der Stettiner Region Land gekauft zu haben. Der Erwerb von Immobilien in Polen ist für Ausländer verboten, allerdings kann man eine Ausnahme in Warschau beantragen.

Daß diese Einstellung eine sehr nationalistische ist und dem europäischen Geist widerspricht, war den ZDF-Redakteuren keine Rüge wert. Im Gegenteil: Das Verständnis für die polnische Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch die Sendung. In der Einleitung zur Sendung sprach Moderator Peter Frey davon, daß nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" Deutsche versuchten, Land in bester Lage "an sich zu reißen". Noch sei zwar der Landerwerb für Ausländer verboten, doch das werde sich mit dem EU-Beitritt ändern.

Der Begriff "Land an sich zu reißen" überrascht und ärgert schon. Man stelle sich einmal eine umgekehrte Situation vor. In einer deutschen Kleinstadt – beispielsweise Celle – stänkert ein Kommunalpolitiker gegen kurdische Familien, die sich dort scharenweise Einfamilienhäuser kaufen. Dies hätte vermutlich einen Aufschrei der Entrüstung über diesen Kommunalpolitiker in Deutschland zur Folge. Wenn ZDF-Moderator Peter Frey so gegen die deutschen Käufer hetzt, dann wird er sicher auch akzeptieren, wenn ihm die gescholtenen Deutschen eine rassistische Einstellung vorwerfen.

In ihrem Beitrag beschreibt ZDF-Redakteurin Susanne Gelhard die Lage in Stettin. Hauptangeklagter in dem Prozeß ist der Lübecker Kaufmann Heinz Pech, der dort mehrere Immobilien erworben hat.

Doch er und die anderen wollen sich vor der Kamera nicht äußern. Dafür berichtet Jan Wolek, Chef der Bauernpartei in Stettin, über die Sorgen der Polen vor einem Ausverkauf. Offiziell sei nur ein Bruchteil des Bodens in Polen an Ausländer verkauft worden, nach inoffizieller Schätzung aber seien bereits rund 50 Prozent der Flächen im nordwestlichen (Ost-)Pommern an "Ausländer" – hauptsächlich Deutsche – gegangen.

Die Begründung für diese Tendenz ist ganz einfach: "Das beste Angebot gewinnt", berichtet Stanislaw Zimnick von der staatlichen polnischen Landwirtschaftsagentur. Denn auch die Agentur verkauft offiziell und legal Boden an "Ausländer". War das, was die acht Angeklagten getan haben, legal oder illegal oder teilweise falsch? Die Staatsanwaltschaft fordert eine Geldstrafe von umgerechnet 22 000 Mark. Die Angeklagten sollen aber die Immobilien behalten dürfen. Doch dies geht einigen Polen nicht weit genug. Hinter den Kulissen arbeiten einige einflußreiche polnische Politiker daran, daß die Immobilienkäufe an die acht Angeklagten rückgängig gemacht werden.

Denn die deutschen Käufer argumentieren, daß sie gegen die polnischen Gesetze nicht verstoßen haben. Der Boden wird von einer polnischen GmbH gekauft, an der ein Pole zu 51 Prozent und ein Deutscher zu 49 beteiligt sei. Anschließend verkauft der Pole seine Anteile ganz oder teilweise an den deutschen Partner.

Die Redakteurin Susanne Gelhard, die offenbar auch viel Verständnis für den nationalpolnischen Standpunkt aufbringt, hat leider nur oberflächlich recherchiert. Sonst wäre ihr aufgefallen, daß der Lübecker Kaufmann Heinz Pech mit einer polnischen Frau aus dem Kreis Greifenhagen – südlich von Stettin – verheiratet ist. So hat er einen ganz anderen Zugang zum polnischen Immobilienmarkt.

Die Redakteurin erwähnt leider auch nicht, daß Heinz Pech starke Vorbehalte gegenüber den deutschen Heimatvertriebenen hat. Viele Pommern berichteten nach Begegnungen mit Heinz Pech, daß der Lübecker der Meinung sei, daß die Vertriebenen nicht mehr in die neue Zeit paßten und daß "Brückenbauer" wie er jene neue Zeit bestimmten. Er ärgere sich über die alten Damen und Herren, die immer vom früheren Pommern berichten, erzählte ein alter Greifenhagener.

Wie der Greifenhagener weiter berichtete, verstehe sich Heinz Pech als Motor der deutsch-polnischen Verständigung. Er hat mehrere Güter für sich gekauft und außerdem eine deutsch-polnische Genossenschaft gegründet, die wiederum auch Land erworben hat. Dieses Land bzw. die Genossenschaftsanteile werden international angeboten.

Der Erfolg von Heinz Pech ist in den pommerschen Dörfern so augenscheinlich sichtbar, daß der Neid fast zwangsläufig entstehen muß. Fast alle Polen sitzen immer noch in jenen Bauernhäusern, die sie 1945 und später "an sich rissen".

In dem ZDF-Beitrag werden kommentarlos Polen gezeigt, die ihre nationalistischen Phrasen – dies sei polnischer Boden, der sei für Polen und nicht für Deutsche – in die Kamera sprechen durften. Die Frage ist doch: Warum sollte man für eine solche nationalistische Haltung Verständnis haben?

ZDF-Moderator Peter Frey aber scheint dieses Verständnis zu besitzen. Nach dem Beitrag sagte er, daß Polen bei einem EU-Beitritt akzeptieren werde, daß Ausländer Land erwerben. Aber, so Peter Frey, kein Staat müsse es akzeptieren, daß "Landritter" nur ihren "Profit" suchten.

Damit scheint der Konflikt programmiert, denn wie die CDU-Bundestagsabgeordnete Susanne Jaffke, die auch einer der Sprecher der Pommerschen Landsmannschaft ist, auf Anfrage nach der ZDF-Sendung erläuterte, werden die Landsmannschaften im Zuge der EU-Osterweiterung auf einem vollen Niederlassungsrecht und auch dem Recht des Landerwerbs bestehen.