17.10.2021

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30.12.00 Ostpreußischer Jahresrückblick

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. Dezember 2000


Ostpreußischer Jahresrückblick
von Hans-Jürgen Mahlitz

Zwölf Monate ist es jetzt her, seit
wir mit großem Getöse, wenn auch mathematisch nicht ganz korrekt, den Beginn eines neuen Jahrhunderts feierten. Zeit also, Bilanz zu ziehen.

Ob wir in unserem näheren Umfeld bleiben, uns im Rahmen unseres Volkes und Staates sehen, die europäische Ebene bevorzugen oder – weil das ja heutzutage schick ist – nur noch global denken, dieses Jahr unterschied sich eigentlich nicht allzusehr vom vorhergegangenen. Gab es wirklich mehr und schlimmere Katastrophen? Oder wurde lediglich das Wort "Katastrophe" in den Medien inflationärer benutzt? Und ob die Skandale des Jahres 2000 wirklich so viel skandalöser waren als die des Jahres 1999, hängt vom persönlichen Blickwinkel ab.

Lassen wir das auf sich beruhen! Das Ostpreußenblatt muß nicht unbedingt an dieser Stelle den fünfhundertsten oder tausendsten Jahresrückblick bringen. Wohl aber sollten wir zurückblickend fragen: Was hat dieses Jahr 2000 für Ostpreußen gebracht, für die Landsmannschaft und für Das Ostpreußenblatt?

Dem russischen Teil Ostpreußens brachte das ablaufende Jahr einen neuen Gouverneur; noch ist es zu früh, zu beurteilen, ob der Wechsel in diesem Amte der Region Vorteile bringt. Ansonsten hat sich aus deutscher Sicht in grundsätzlichen Fragen nichts geändert: Polen, Rußland und Litauen betrachten die Teile Ostpreußens, die ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg zugefallen sind, als ihr ureigenes Staatsgebiet. Weiterhin verweigern sich Russen und Polen dem von Ostpreußen geltend gemachten Recht auf die Heimat, auch wenn dies ohne jeden aggressiven Unterton vorgetragen wird, und lehnen, wenn auch unterschiedlich akzentuiert, ihren Teil der "Vergangenheitsbewältigung" nach wie vor ab.

Die Landsmannschaft Ostpreußen kann vor allem auf ein spektakuläres Großereignis zurückblicken: das Deutschlandtreffen, erstmals in Leipzig. Tausende hatten sich versammelt, um das Motto "Ostpreußen – für friedlichen Wandel" mit Leben zu erfüllen. Es war eine Veranstaltung, die auch weit über den Kreis der direkt Betroffenen hinaus eine äußerst positive Resonanz fand.

Nicht ganz so spektakulär, aber genauso gehaltvoll war der Ablauf der Ostpreußischen Landesvertretung Anfang November in Berlin. Auf hohem Niveau wurde hier um das Selbstverständnis der Landsmannschaft gerungen; dank einer einfühlsamen Gesprächsführung konnte auch in der heiklen Frage der landsmannschaftlichen Jugendarbeit das Aufreißen neuer Gräben vermieden werden.

Im politischen Raum sind vor al- lem die Änderungsvorschläge zum deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag hervorzuheben. Hier mußten die Vertriebenen die schmerzliche Erfahrung machen, daß sie inzwischen auch in weiten Teilen der Union kaum noch ihre politische Heimat finden können.

Positiv bleibt festzuhalten, daß die zahlreichen Veranstaltungen der Landsmannschaft – von Seminaren und Freizeiten bis hin zum kommunalpolitischen Kongreß in Frankfurt/Oder – ein breites, durchweg zustimmenden Echo fanden, und zwar über alle Verbands- und Nationalitätengrenzen hinweg.

Für Das Ostpreußenblatt war 2000 ein recht unruhiges Jahr. Der bisherige Chefredakteur war in den wohlverdienten Ruhestand gegangen, und bis ein neuer gefunden war, sollte es geraume Zeit dauern. Seit Anfang November nehme ich diese Position ein. Natürlich dauerte es einige Zeit, bis ich mich an die neuen Kollegen und diese sich an mich gewöhnt hatten. Auch hat jede Redaktion ihre eigenen Arbeits- und Betriebsabläufe – so hatte ich auch nach mehr als dreißig Berufsjahren noch einiges dazuzulernen.

Sie, liebe Leser, dürfen sicher sein: Der Wechsel an der Redaktionsspitze soll für Sie allenfalls in drei Punkten sichtbar werden: in Sprache und Stil meiner eigenen Beiträge, im äußeren Erscheinungsbild der Zeitung – nach der in Kürze erfolgenden Einführung modernster Computertechnik wird es auch behutsame Layoutänderungen geben – und in einer Ausweitung der angebotenen Themen.

Was sich nicht ändert: Das Angebot an sowohl heimatbezogenen wie auch allgemeinpolitischen, nationalkonservativ und nationalliberal orientierten Beiträgen, wie Sie es bislang gewohnt sind, werden Sie weiterhin unvermindert vorfinden. Auch wird Das Ostpreußenblatt weiterhin eine klare Sprache pflegen. Vor allem aber wird die politische Grundlinie unverändert beibehalten. Mehr noch: Gerade das nun beginnende "Preußenjahr" sehe ich als Verpflichtung und Ansporn, jene im allerbesten Sinne preußischen Grundwerte in besonderem Maße herauszustellen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gutes neues Jahr.