28.10.2021

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30.12.00 Kommentare

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. Dezember 2000


Kommentare

Einäugigkeit hie ...

Öffentlich geäußerte Gedanken sind gefährlich. Sie fliegen wie abgeschossene Pfeile davon und gehören, nach einem Wort Heinrich Heines, dann nicht mehr länger dem Schützen. Unlängst ist einem maßgeblichen ZDF-Mitarbeiter auch ein Gedanke durch den Kopf gefahren, und da er die profane Welt nicht um seinen genialischen Geistesblitz bringen wollte, tat er ihn alsbald öffentlich kund: Künftig sollten spezielle Sendungen des Zweiten Deutschen Fernsehens türkische Untertitel tragen.

Was sich im ersten Moment wie eine weitere Guttat "der Anständigen" ausnimmt, dürfte bei reiflicherem Nachdenken für erhebliche Unruhe sorgen. Ganz abgesehen vom deutschen ZDF-Normalgucker, der sich für die ohnehin immer das Fernsehen störenden Unterzeilen herzlich bedanken dürfte, wirft diese Aktion integrationswillige Türken weit hinter ihre sprachliche Eingangslinie zurück. Warum noch die durchaus schwierige deutsche Sprache lernen, wenn die Gastgeber sich ohnehin immer stärker an den Gebräuchen der Gäste anlehnen. Zudem liefert dieser Gedankenblitz des ZDF hinreichend Raum für blanken Chauvinismus: Denn was einem Türken dann recht wäre, müßte einem Serben billig sein. Manche Kroaten könnte bei dieser Konstellation leicht in die Luft gehen, weil natürlich neben eine serbische Unterzeile allemal die kroatische gehörte, selbstverständlich oberhalb.

Man ahnt, wo das hinführt, wenn man die Menschen aus den vielen Nationen Revue passieren läßt, die inzwischen bei uns vor dem Fernsehapparat Platz nehmen. Am Ende vielleicht sogar dahin, daß der Bildschirm nur noch Unterzeilen aufweist. Soviel Einäugigkeit beschwört zwar gegenwärtig ein flotter Werbespruch des ZDF, ob dies aber im Sinne der deutschen Beitragszahler liegt, muß die zukünftige Zuschauerzahl erst noch erweisen. M. D.

Einäugigkeit da ...

Wie die Tageszeitung "Die Welt" berichtete, beging in der deutschen Hauptstadt dieser Tage die "Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus e. V." ihr zehnjähriges Jubiläum. So erfreulich die Tatsache der Berichterstattung überhaupt ist, so sehr fällt die Distanz in diesem Beitrag des einst mächtigen antikommunistischen Kampfblattes auf: "Stalins Opfer sind ergraut, vergessen wollen sie nicht", lautet die unterkühlte Überschrift. Den Überlebenden der größten Opfergruppe des 20. Jahrhunderts ein "Vergessen" nahezulegen, wie es die Titelzeile indirekt nahelegt, gehört zu den Dreistigkeiten einer allmählich in diesem Konzern obsiegenden Gruppe, die der verstorbene Namensgeber Springer wohl niemals gebilligt hätte. Zur journalistischen Nachlässigkeit gehört es auch, von einem "russischen Straflagersystem" zu sprechen, obwohl es sich um sowjetisches handelt, das nun in der Tat weit über 50 Millionen Opfer schlug, die gewiß eine respektvollere Würdigung verdienten. Dies um so mehr, weil sie in geschicktester Manier immer wieder an den Rand der Berichterstattung gedrängt werden, um einer anderen Opfergruppe Platz zu gewähren. Fair ist dies nicht, auch nicht klug. M. D.