17.10.2021

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30.12.00 Vertriebenen-Fürsprecher vorläufig suspendiert

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. Dezember 2000


Korruptionsverdacht:
Rechtsbruch oder Ränke?
Vertriebenen-Fürsprecher vorläufig suspendiert

Mit Bestürzung, aber auch mit Skepsis hat man in den Reihen der deutschen Heimatvertriebenen die Anschuldigungen gegen den Direktor des Amtes Gartz in Brandenburg, Hartmut Wohlthat (CDU), zur Kenntnis genommen. Der Amtsdirektor ist auf Betreiben des CDU-Landrates Joachim Benthin vorläufig vom Dienst suspendiert worden.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, läuft gegen ihn wegen mehrerer Straftaten ein Verfahren in der Zentralstelle für Korruptionsdelikte. "Bei dem frühen Stand der Ermittlungen gehe ich nicht darauf ein, wegen welcher Delikte wir ermitteln", sagte Oberstaatsanwalt Gerd Schnittcher. Und Günter Drewitz vom Heimatkreis Greifenhagen kommentierte den Fall mit den Worten: "Wir verstehen immer noch nicht, was man Hartmut Wohlthat konkret vorwirft."

Gartz ist eine uckermärkische Stadt an der Grenze von Brandenburg zu Pommern. Amtsdirektor Hartmut Wohlthat hat sich stets für die Einbeziehung der vertriebenen Pommern in die aktuellen Kommunalbeziehungen eingesetzt. So entstand ein Vierecksgeflecht aus der Stadt Gartz, dem Heimatkreis Greifenhagen und der heutigen polnischen Stadtverwaltung in Greifenhagen (Gryfino) sowie der Stadt Bersenbrück als Patenstadt der Greifenhagener.

Die "Vorwürfe" gegen Wohlthat werden zwar schlagzeilenträchtig vorgetragen, bleiben aber vielfach nebulös. Eine Polin, offenbar eine Geliebte des Angeklagten und zugleich seine Hauptbelastungszeugin, wirft ihm eine bunte Mischung aller möglichen Verfehlungen vor – ein strafrechtlich relevantes Vergehen ist aber bislang auch bei ihren Aussagen nicht erkennbar.

Ein ernstzunehmender Vorwurf lautet, Wohlthat sei eine Beteiligung an dem von dem Pakistani Omar Rasheed im April 1999 in Kolberg gegründeten Hotelrestaurant "Mola" eingegangen. Die Nachricht an sich ist für viele Pommern allerdings keine Sensation, da ihnen bekannt war, daß Wohlthat eine Gaststätte in Kolberg besaß, die er zu einer pommerschen Bierstube ausbauen wollte. Er hatte sogar frühere Einwohner gebeten, für ihn alte Ansichten der Stadt zu besorgen.

Wie auch immer: Der Amtsausschuß verbot Hartmut Wohlthat vor kurzem auf einer Sondersitzung, bis zum 15. Januar seine Dienstgeschäfte weiter auszuüben. Bis dahin will die Polizei neue Erkenntnisse gewinnen. – Man darf gespannt sein. Ralf Loock