17.10.2021

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30.12.00 Die ostpreußische Familie - extra

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. Dezember 2000


Die ostpreußische Familie - extra

Lewe Landslied und Freunde unserer Ostpreußischen Familie,

in der Weihnachtsausgabe fand sich wieder eine Extra-Familie, und doch habe ich noch einen ganzen Pungel mit Wünschen, und der muß zuerst einmal geleert werden. Und so ist schon wieder eine Extra-Familie fällig, die für Suchwünsche bestimmt ist, für die der Platz in der Wochenspalte nicht ausreicht.

Beginnen wir gleich mit einem Fragenkomplex, der Aussicht hat, in unserem Leserkreis eine gewisse Resonanz zu finden. Gestellt von Dr. phil. Lothar Kusserow, der unser Ostpreußenblatt leider – wie er schreibt – erst auf dem Deutschlandtreffen in Leipzig kennengelernt hat, seitdem sich aber auf jedes Wochenende freut. Es geht um das Schicksal seines Vaters Walter Kusserow, nach dem die Familie seit Kriegsende sucht. Walter Franz Kusserow, * 11. Juni 1914 in Brandenburg, Kreis Heiligenbeil, wohnte zuletzt mit seiner Familie in der Sattlerstraße in Memel. Frau Herta und Sohn Lothar wurden bereits Mitte 1944 evakuiert und fanden bei Käthe Wronowski, einer Schwester von Herta Kusserow, in Rätkeim Aufnahme. Wie eine andere Schwester, Gretel Naujak, mitteilte, hatte der Vater Januar/Anfang Februar 1945 bei ihr nach seiner Familie gesucht. Walter Kusserow war ab Mai 1944 auf dem Motorschiff PONTOS, das am 31. Januar 1945 bei Swinemünde auf eine Mine lief und in den Hafen geschleppt wurde. Weiter konnte bisher festgestellt werden, daß er am 17. Februar in Königsberg verwundet wurde – Granatsplitterverletzung beider Augen – und sich vom 16. März bis 4. April 1945 im Reservelazarett Hameln befand. Diesen Bescheid erhielt Dr. Kusserow erst im Oktober 2000 von der WAST (Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht, Postfach 51 06 57 in 13400 Berlin). Als Abgang aus dem Reservelazarett Hameln ist vermerkt: "rückw. Lazarett, ohne nähere Angaben."

Von da an verliert sich die Spur, die für Dr. Kusserow ja völlig neu ist, da die Familie in der damaligen DDR nur geringe Suchmöglichkeiten hatte. Nun ergeben sich viele Fragen: Kam Walter Kusserow in ein anderes Lazarett? Geriet er bei Kriegsende in amerikanische und englische Gefangenschaft? Wurde er entlassen und wohin? Auf der Lazarettmeldung ist als Truppenteil immer noch das Motorschiff PONTOS vermerkt. Können ehemalige Marinekameraden sich an Walter Kusserow erinnern? Für jeden Hinweis auf das Schicksal seines Vaters wäre der Sohn dankbar (Dr. phil. Lothar Kusserow, Hoppbergsblick 11/2 in 06118 Halle/Saale).

Auch über die WAST erhielt Horst Buchholz nach langem Suchen endlich einen Bescheid über seinen Bruder Kurt Buchholz * 8. April 1921 in Uschballen, später Eichbruch, Kreis Pillkallen (Schloßberg). Herr Buchholz weiß nun, daß sein Bruder seit dem 29. Januar 1943 als Angehöriger der Einheit 2./Art.Rgt.383 in Wischne/UdSSR vermißt wird. Er war Träger der Erkennungsmarke –388–3./L.E.Abt.1. Die WAST weist darauf hin, daß dem DRK in München vom Roten Kreuz in Moskau Listen mit den Namen ehemaliger deutscher Soldaten übergeben werden, die in sowjetischer Kriegsgefangenschaft gestorben sind. Es ist sichergestellt, daß die Angehörigen derjenigen Soldaten, deren Tod damit bewiesen ist, unverzüglich davon in Kenntnis gesetzt werden. Das gilt auch für schicksalsklärende Unterlagen anderer Art. So hofft Horst Buchholz, noch Näheres über das Schicksal seines Bruders zu erfahren, der bereits zu Lebzeiten seiner Mutter für tot erklärt wurde. Vielleicht war einer von unseren älteren Lesern mit dem Wachtmeister und Offiziersanwärter Kurt Buchholz zusammen in der genannten Einheit, in einem Lager oder Lazarett? (Horst Buchholz, Heutrift 14 in 31303 Burgdorf.)

In der Nachkriegszeit verlieren sich die Spuren von Werner Krause * 10. April 1929 in Königsberg. Der damals 15jährige wurde in den letzten Wochen vor dem Fall Königsbergs eingezogen. Sein Vater Walter Krause verstarb im Februar 1945 in einem Königsberger Lazarett, Mutter Maria floh mit dem jüngeren Sohn Klaus und den Töchtern Herta und Ruth kurz vor dem bitteren Ende am 8. April 1945 aus der Pregelstadt. Sie landeten schließlich im Lager Oksböl in Dänemark, wo sie dreieinhalb Jahre verbrachten. Von Werner hörten sie nichts mehr, bis Klaus vor kurzem vom DRK die Nachricht erhielt, daß sein Bruder nach dem Krieg im Kreis Rendsburg gelebt hätte, zuerst in Schülldorf, seit 1962 in Ostenfeld. Nun fragt Klaus Krause, ob sich noch jemand aus diesen Orten an seinen Bruder erinnert und Auskunft darüber geben kann, wohin er gezogen ist. Vielleicht ist ja auch jemand von unseren Landsleuten Werner Krause später begegnet? (Klaus Krause, Haldenweg 43 in 73249 Wernau/N.)

Von den Wirren, in die nach dem Krieg ostpreußische Familien gerieten, spricht der nächste Suchwunsch. Martina Borkenhagen und ihre Schwester Manuela suchen nach Angehörigen ihres verstorbenen Vaters. Ewald Borkenhagen wurde am 13. November 1928 als ältestes Kind des Ehepaares Gustav und Ottilie Borkenhagen im Kreis Tilsit geboren. Er selber hat diesen Ort "Wallental" genannt, es könnte sich aber um Wallenfelde handeln. Die Eltern besaßen eine größere Landwirtschaft. Nach dem Besuch der Dorfschule begann Ewald eine Försterlehre, wurde aber 1944 mit 16 Jahren eingezogen und geriet in englische Gefangenschaft. Seit seiner Einberufung hat er niemanden von seiner Familie wiedergesehen, weder die Eltern noch eines seiner drei oder vier Geschwister, von denen nur ein Vorname, "Ruth", bekannt ist. Ewald Borkenhagen versuchte mehrmals nach Ostpreußen zurückzukehren, fuhr nach der Öffnung der Grenzen schwerkrank in seine Heimat und kehrte enttäuscht zurück. Er hatte auch nach dem Krieg seine Familie über das DRK gesucht, aber keine Anhaltspunkte erhalten. Vielleicht finden sich Verwandte des verstorbenen Vaters, vor allem seine Geschwister oder deren Nachkommen. (Martina Borkenhagen, Hangweg 47 in 53757 St. Augustin.)

Aus Schottland kam eine E-Mail von Horst Gerhard Schieritz, der nach Angehörigen seines Vaters fragt. Wir haben ihn auf verschiedene Institutionen hingewiesen, wollen aber auch unsere Ostpreußische Familie einspannen – geht schneller und direkter! Sein Vater Paul Schieritz wurde am 8. September 1923 in Hohenstein/Ostpr. geboren, das bescheinigt eine Staatsangehörigkeitsurkunde, die am 21. Mai 1963 von der Bundesstelle für Verwaltungsangelegenheiten des Innenministerium ausgestellt wurde. Damals lebte Heinz Paul Schieritz bereits auf Burnhouse Farm, Denny, in Schottland. Über seine Eltern, Großeltern und vermutlichen Geschwister ist nichts bekannt. Lebt noch jemand von dieser Familie oder kann über sie Auskunft geben? (Horst Gerhard Schieritz, 2 Park Av Dennylonehead, Bonnybridge Stirlingshire, FK4 1SB Scotland, UK.

Und noch eine E-Mail: Isabella Brendel hofft, durch uns – vermutete – Verwandte ihrer Mutter zu finden, denn sie weiß so gut wie nichts von der mütterlichen Familie. Diese stammte aus Schelecken, Kreis Labiau, später Schlicken. Die Mutter, Erika Anna Preuß, wurde dort am 21. Juli 1934 geboren. 1945 floh die Familie, der Vater kam auf der Flucht um. Wo die damals Elfjährige mit ihrer Mutter Anna Maria Scharmacher die ersten Nachkriegsjahre verbrachte, ist unbekannt, erst 1952 wurden sie in Kaiserslautern-Trippstadt gemeldet. Jetzt fragt Frau Brendel, ob jemand die Familie Scharmacher aus Schelecken/Schlicken kannte, ob es Verwandte gibt, ob Erika Anna noch Geschwister hatte? Vielleicht melden sich auch noch Leser, die während der Flucht und in der Nachkriegszeit mit Anna Maria Scharmacher und deren Tochter Erika Anna zusammen waren? (Isabella Brendel, Adolfstraße 12 in 67655 Kaiserslautern.)

Seit Kriegsende steht Margot Schimpke mit der Kriegsgräberfürsorge in Verbindung, um Näheres über ihren gefallenen Bruder zu erfahren. Siegfried Weske, * 17. April 1915 in Lappienen, Kreis Elchniederung, fiel als Oberleutnant am 20. Januar 1944. Als Frau Schimpke den Auszug aus dem Namenbuch St. Petersburg-Sologubowka erhielt, entdeckte sie noch zwei Gefallene dieses Namens. Darüber war sie erstaunt, denn sie hatte immer geglaubt, daß es keine "Namensvetter" gäbe. Zwar lebten Verwandte in Tilsit, Insterburg, Gumbinnen und Lidomeiten, aber keine Namensträger. Nun möchte sie gerne Näheres über die beiden anderen Gefallenen wissen. Es handelt sich um den Obergefreiten Ewald Weske, * 9. März 1916, † 14. Januar 1943, und den Gefreiten Otto Weske, * 8. September 1908, der an seinem Geburtstag 1941 verstarb. Vielleicht handelt es sich ja bei diesen um entfernte Verwandte. (Margot Schimpke, Overbeckstraße 7 in 22085 Hamburg.)

Die nächste Frage behandelt wieder einen jener schwierigen Fälle, in denen es kaum eine Klärung geben dürfte. Trotzdem will ich den Wunsch weiterleiten, den ein Herr aus dem Kreis Segeberg – auf Hinweis eines treuen Lesers – an uns richtet. Es handelt sich um eine Frau, die sich jetzt im zunehmenden Alter bemüht, etwas über ihre Herkunft zu erfahren. Sie weiß nichts von diesen Zeilen. Viel gibt es nicht zu berichten, denn es gibt in ihrer frühen Lebensgeschichte nur ein festes Datum: 29. Januar 1945. An diesem Tag wurde ein Zug mit Flüchtlingen, die von Königsberg nach Pillau wollten, bei Fischhausen von russischen Panzern beschossen. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte. Ein Säugling wurde aus dem Zug geschleudert und von einem Soldaten oder einer Krankenschwester nach Pillau mitgenommen. Von dort kam das kleine Mädchen mit einem Schiff nach dem Westen und wurde in ein Kinderheim gebracht. Diese Angaben stammen von einem Zettel, den der Säugling am Handgelenk trug. Weitere Anhaltspunkte und Erinnerungen gibt es nicht. Die Frau weiß noch heute nicht, wer sie ist, wer ihre Eltern waren, wo sie geboren wurde. Es wäre nun schon ein Wunder, wenn sich jemand melden würde, der bei dem Beschuß dabei war und mithalf, das Kind zu retten. Oder der von Verwandten oder Bekannten weiß, die mit einem Mädchen im Säuglingsalter an jenem Tag aus Königsberg flohen. Es muß sich auch jemand auf dem Schiff um den Säugling gekümmert haben. Wer glaubt, etwas aussagen zu können, wende sich bitte an mich.

Um ein kleines Mädchen geht es auch im nächsten Fall, aber hier gibt es keine Ungewißheit, auch sind es liebevolle Erinnerungen, die Edith Schulz veranlassen, sich an uns zu wenden. In ihrem Heimatort Bartenstein hatte Frau Schulz, verw. Kruska, in den Jahren 1941/42 ein Pflegekind, ein kleines Mädchen, das sie sehr liebte. Es hieß Monika Klischat, die Eltern lebten in Königsberg. "Ein liebes, artiges Kind im Alter meiner Tochter, beide haben mir viel Freude gemacht", schreibt Frau Schulz, die so gerne wissen möchte, was aus Monika geworden ist. Artig und lieb schaut der kleine Blondschopf auch auf dem Foto aus, das Frau Schulz noch immer bewahrt hat. Monika, wo bist du? Wenn du dich auch nicht mehr an deine Pflegemutter erinnern wirst, so sende ihr doch einen Gruß – sie freut sich bestimmt! (Edith Schulz, Geschw.-Witonski-Straße 3 in 22457 Hamburg.)

Es ist schön und schmerzlich zugleich, wenn Kinder oder Enkel nach dem Tod von Eltern oder Großeltern versuchen, Fragen aus deren Leben zu klären, die für die Verstorbenen unerfüllbar blieben. So möchte es auch Marion Enkelmann für ihre Großmutter tun, die zeitlebens versucht hat, ihren Bruder zu finden. Sie wußte, daß er irgendwo im Westen lebte, aber sie konnte als DDR-Bürgerin nichts tun. Die Großmutter: Minna Hennig, geb. Asmus, * 19. September 1906 in Seehausen, Kreis Stallupönen (Ebenrode). Der Bruder: Fritz Asmus, etwa zwischen 1907 und 1915 geboren. Es gab noch einen Bruder Franz, der im Krieg gefallen ist. Die Eltern waren Friedrich Asmus und Friederike, geb. Kurbjun, sie wohnten Meisenstieg 4 in Gumbinnen. Sie starben früh – der Vater hatte noch einmal geheiratet –, und die Kinder kamen zu Pflegeeltern. Daher liebte Minna Hennig ihren kleinen Bruder so sehr. Nach der Vertreibung hieß es, Fritz Asmus sei vermißt. Dann erfuhr die Schwester in den 60er Jahren, daß er in Westdeutschland leben sollte. Nach dem Tod von Minna Hennig hat die Enkelin über Internet und DRK-Suchdienst versucht, Fritz Asmus zu finden, um den Wunsch ihrer geliebten Großmutter zu erfüllen – ohne Erfolg. Nun ist unsere Familie die letzte Hoffnung: Lebt Fritz Asmus noch, hat er Nachkommen, wer weiß etwas von seinem Lebensweg? Und noch etwas: Im Nachlaß ihrer Großeltern, bei denen sie in Mecklenburg aufwuchs, fand Frau Enkelmann ein Foto, das für die Verstorbenen einen großen Erinnerungswert gehabt haben muß. Sie hat immer versucht, herauszufinden, welche Stadt es ist, fuhr sogar zum Ostpreußentreffen nach Leipzig und hat es herumgezeigt – aber niemand konnte ihr helfen. Vielleicht jetzt? (Marion Enkelmann, Bertolt-Brecht-Straße 12 in 08060 Zwickau.)

Ach, das sind längst nicht alle Suchwünsche, die kleineren muß ich häppchenweise verteilen. Zuerst einmal hoffe ich, daß diese oder jene Frage eine Antwort findet.

Eure

Ruth Geede