28.10.2021

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30.12.00 Wie die Landsmannschaft Ostpreußen ihre Jugendarbeit neu organisiert hat

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. Dezember 2000


Bund Junges Ostpreußen:
Ein Schritt in die Zukunft
Wie die Landsmannschaft Ostpreußen ihre Jugendarbeit neu organisiert hat
von Bernhard Knapstein

Es war auf dem Höhepunkt der Eskalation zwischen der vormaligen Jugendorganisation der Landsmannschaft Ostpreußen (JLO) und der "Mutter" LO, als ein paar junge Ostpreußen, darunter drei Mitglieder des Bundesvorstandes der LO, auf dem Hause der akademischen Landsmannschaft Preußen den Bund Junges Ostpreußen i. d. LO (BJO) gründeten. Zu diesem Zeitpunkt bestand Einigkeit, daß alle Bemühungen, die alte Jugendorganisation vor der selbstgewählten politischen Isolation zu bewahren, gescheitert waren.

Von der Entscheidung des Bundesvorstandes Ende Januar bis zur endgültigen Bestätigung durch die Ostpreußische Landesvertretung sollte fast ein Jahr vergehen. Die Austrittswelle aus der alten Jugend hatte vor dem Hintergrund der verbandsinternen Entwicklung bereits ein Jahr zuvor begonnen. Nun galt es, ein Auffangbecken zu bilden, um den Austrittswilligen ein neues Forum zu geben.

Daß dies mit dem BJO, zu dessen Mitbegründern alle bisherigen Bundesvorsitzenden der JLO zählten, gelungen war, stellte sich bald heraus. Nach noch nicht einmal einem Jahr hat der BJO heute bereits rund 200 Mitglieder. Nahtlos konnte der BJO die Arbeit der vormaligen Jugendorganisation aufnehmen.

Einer konstituierenden Versammlung im Mai 2000, auf der René Nehring zum Bundesvorsitzenden und Nanette Kaiser sowie Uwe Faesel zu dessen Stellvertretern gewählt wurden, folgte unmittelbar die größte zu bewältigende Aufgabe des Jahres: das Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Leipzig. Es sei vorweggenommen: Leipzig kristallisierte sich aus der Sicht des BJO als absoluter Erfolg heraus. Bereits im Vorfeld des Deutschlandtreffens interessierte sich die konservative Wochenzeitung "Junge Freiheit" für den BJO und brachte ein ganzseitiges Interview mit dessem Bundesvorsitzenden René Nehring. In Leipzig präsentierte sich der BJO mit einem Jugendforum auf einer Gesamtfläche von 240 qm.

Dieses schon traditionelle Jugendforum war in Leipzig noch stärker als in den Vorjahren in Düsseldorf frequentiert worden. Die Jugend stellte sich mit den Kriegsgräberarbeiten, mit Diavorträgen, mit dem "Café Lorbaß", mit einem Internetstand und diversen Fotoserien von Sommerfahrten vor. Als Hauptveranstaltung des BJO mußte gleich die erste Veranstaltung des Deutschlandtreffens herhalten, die Podiumsdiskussion der Jugend, an der unter anderem der Träger des Ostpreußischen Kulturpreises, Dr. Henning von Löwis of Menar, Redakteur beim Deutschlandfunk, teilnahm. Obwohl das Messegelände gerade erst geöffnet worden war, erfreute sich die Diskussionsrunde eines bis in die Gänge gefüllten Saales.

Auch der Einzug der gesamtdeutschen Fahnenstaffel auf der Großkundgebung fand unter maßgeblicher Beteiligung des BJO statt. Eine Volkstanzgruppe trat unangekündigt auf dem gesamten Messegelände auf und erfreute jung und alt mit ihren Darbietungen. Aus der Sicht der Jugend war Leipzig auch in bezug auf den Standort eine glückliche Wahl.

Der Weg von Düsseldorf nach Leipzig war der halbe Weg nach Königsberg. Dies zeigt nicht nur die Flexibilität der Ostpreußen, sondern auch die Bereitschaft, politische Zeichen zu setzen. Das Setzen von Zeichen aber, das mußte im rheinischen Düsseldorf, fern der Heimat und sogar fern der deutschen Hauptstadt, zuletzt immer schwerer fallen.

Ein ostpreußisches Jahr ohne "Heimaturlaub" ist unvollständig. So zog es den BJO schon bald nach der Leipziger Großveranstaltung zur Sommerfahrt nach Süßental bei Allenstein. Mit Zelten auf dem Hof des deutschen Bauern Schmidt, dessen Söhne gleichfalls dem BJO angehören, baute sich die Jugend eine Art Basislager auf, um von dort aus die Heimat zu erkunden. Paddeln auf der Krutinna,  Besuch  der Schlösser Schlobitten, Schlodien, Steinort, Dönhoffstädt, Romotten, Schmolainen und Sorquitten, Fahrt zum Soldatenfriedhof Jägerhöhe, Spaziergänge durch Osterode, Allenstein, Frauenburg, Heilsberg und Bischofsburg sowie Abstecher zum Abstimmungsdenkmal in Ramsau und nach Heiligelinde ließen die Tage rasch zu Ende gehen. In gemütlicher Runde am Lagerfeuer wurde an so manchem Abend noch lange gesungen. Gut zwei Wochen lang zog die Jugend so durch die Heimat.

Vor dem Hintergrund der Erfahrungen der vorangegangenen Jahre wurde für den Herbst ein Schulungsseminar für Nachwuchsführungskräfte im Ostheim,  Bad Pyrmont,  angesetzt. Zwanzig Jugendliche erhielten einen in didaktischer Form aufbereiteten Einblick in das landsmannschaftliche Eigenleben und eine rhetorische Basisschulung. Der erstmalige Besuch der berüchtigten Pyrmonter Dunsthöhle bereicherte das Programm zusätzlich.

Krönender Abschluß der Veranstaltungsserie des BJO in seinem Gründungsjahr war das Adventstreffen in Osterode. Aus West-, Mittel- und Ostdeutschland kam die ostpreußische Jugend zusammen, um drei Tage lang Chorsätze einzustudieren, Volkstänze zu erproben und in adventlicher Stimmung zu basteln und zu backen. Mit einhundert Jugendlichen konnte eine abschließende Adventsfeier, zu der auch die Vorsitzenden der Deutschen Vereine geladen waren, zelebriert werden.

Zur regelmäßigen Information der Mitglieder und Interessenten hat der BJO im auslaufenden Jahr zwei Ausgaben des "FRITZ – Junge Zeitung für Ostpreußen" herausgegeben und unterhält eine dauerpräsente eigene Internetseite unter www.ostpreussen-info.de. Be-stimmende Themen sind nach wie vor Deutschland, Zeitgeschehen, Preußen und seine Provinz im Osten, Landeskunde und die Ostpreußische Jugend. Im FRITZ 1/2000 kündigte der Bundesvorsitzende  Nehring in seinem Editorial an: "Im Vordergrund unserer Aktivitäten wird wieder das Fahrtenleben nach Ostpreußen stehen. Dabei wollen wir uns auch Gedanken über die Zukunft des Landes machen." Die durchgeführten Fahrten in die Heimat und der intensive Kontakt zu der dort lebenden deutschen sowie der interessierten polnischen Jugend – das ist der Weg in diese Zukunft.

Der BJO ist als neues Mitglied in die Arbeitsgemeinschaft Junge Generation im BdV (AJG) aufgenommen worden. Durch die Gründung von vier Regionalverbänden, die jeweils mehrere Bundesländer umfassen, soll die Arbeit auch dezentral organisiert werden. So hat sich bereits der Regionalverband BJO-Nord gegründet, einen Vorstand gewählt, einen Terminplan für 2001 festgezurrt und die ersten Veranstaltungen, darunter eine Gesprächsrunde mit dem neuen Chefredakteur des Ostpreußenblattes, Hans-Jürgen Mahlitz, durchgeführt.

Rückblickend hat die Gründung des BJO zwar einen betrüblichen Hintergrund, nämlich das erneute massive Ausscheren einer vorangegangenen Jugendorganisation aus dem Fahrwasser der LO. Mit dem gleichen Blick zurück läßt sich aber auch feststellen, daß Kontinuität nicht allein durch den Namen einer Organisation oder durch die Organisation an sich gewährleistet sind, sondern immer nur durch die aktiven Menschen, die mit Leidenschaft und mit Stringenz die Grundsätze und Aufgaben der Vertriebenenorganisationen mit Leben erfüllen. Über solch junge Menschen verfügt die LO, dies hat der BJO – auch schon vor der offiziellen Anerkennung durch die Ostpreußische Landesvertretung – von Beginn an gezeigt. Einen ernstzunehmenden Bruch in der Kontinuität der Jugendarbeit der LO im Sinne eines totalen Ausfalls hat es daher zu keinem Zeitpunkt gegeben.

BJO-Geschäftsordnung

Der Bund Junges Ostpreußen (BJO) ist eine Gemeinschaft junger und junggebliebener Menschen in der Landsmannschaft Ostpreußen e.V., die sich zu den Zielen der Landsmannschaft Ostpreußen bekennen. Er versteht sich als Nachwuchsorganisation in der Landsmannschaft Ostpreußen und organisiert in diesem Sinne die landsmannschaftliche Jugendarbeit.

Der BJO tritt im Sinne der Charta der deutschen Heimatvertriebenen ein für die Verwirklichung der Menschenrechte, des Selbstbestimmungsrechts, des Rechts auf die Heimat, für die Durchsetzung eines internationalen Vertreibungs- und Annektionsverbotes sowie für die Entwicklung wirksamer Volksgruppen- und Minderheitenrechte.

Der BJO setzt sich ein für die nationale und staatliche Einheit Deutschlands unter Einschluß Ostpreußens in Frieden und Freiheit in einem geeinten Europa der Vaterländer auf Grundlage der KSZE-Schlußakte von Helsinki.

Der BJO verpflichtet sich zu besonderer Solidarität gegenüber der deutschen Volksgruppe in Ostpreußen und gegenüber allen Menschen, denen Ostpreußen Heimat und Anliegen ist.

Der BJO ist der Aufbereitung, Vermittlung und Pflege des historischen und kulturellen Erbes Ostpreußens verpflichtet.

Der BJO wirkt an den politischen, kulturellen und sozialen Fragen unserer Zeit mit.

Der BJO will den Dialog zwischen den Generationen vertiefen und nicht zuletzt die mittlere Generation in ihrem Einsatz für Ostpreußen bestärken.

Der BJO ist überparteilich und überkonfessionell. Er achtet und wahrt die Glaubensgrundsätze des einzelnen.

Im Sinne dieser Zielsetzung bemüht sich der BJO um die Weitergabe entsprechender Wertvorstellungen an die Jugend auf Fahrten, Freizeiten und Seminaren. Das direkte Erlebnis in Ostpreußen spielt dabei eine besondere Rolle.

Blick nach vorn

Rüdiger Stolle (Foto) beantragte auf der Berliner Tagung der Ostpreußischen Landesvertretung am 5. November 2000 die Aufnahme des BJO als neue Jugendorganisation der Landsmannschaft Ostpreußen. Ein publizistischer "Wegbegleiter" in diesem schwierigen Jahr war die von der Ostpreußen-Jugend herausgegebene Zeitschrift "FRITZ".