16.04.2024

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06.01.01 Fleißige Hände "zauberten"

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. Januar 2001


Fleißige Hände "zauberten"
Als wahre Künstler entpuppten sich die Teilnehmer der LO-Werkwoche

Bad Pyrmont – Das Motto der Werkwoche "Erhalten, Gestalten, Weiterentwickeln" konnte man einmal mehr im Ostheim in Bad Pyrmont in Aktion erleben. Einige Teilnehmer kamen neugierig das erste Mal, der größere Teil war aber schon häufiger dabei, kam mit festen Vorsätzen, was man dieses Mal lernen oder vervollständigen wollte. Beim Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Leipzig hatten viele Teilnehmer Gelegenheit, die ausgestellten Handarbeiten zu bewundern und den Werkmeisterinnen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Bei manchen mag diese Ausstellung den letzten Anstoß gegeben haben, auch einmal an einer Werkwoche teilzunehmen.

Uta Lüttich, Bundesvorsitzende des ostpreußischen Frauenkreises, begrüßte die aus fast allen Bundesländern angereisten Teilnehmer – 40 Frauen und zwei Männer, unter ihnen auch die langjährige Bundesvorsitzende Hilde Michalski. Gleich am ersten Abend hörte man einen interessanten Vortrag über den so geliebten Stein der Heimat, "Der Vorzeit Träne – Bernstein, das Gold der Ostsee".

Nach dem morgendlichen Singen und einem Diavortrag über ostpreußische Handarbeitstechniken stürzten sich alle in die gewählte Arbeit, jeder wollte in den wenigen Tagen so viel wie möglich lernen und schaffen. Angeleitet und betreut wurden sie von den unermüdlichen, geduldigen Werkmeisterinnen (Das Ostpreußenblatt stellte sie in einer Serie im Herbst 1996 vor). Es gab eine ganze Reihe von Frauen, die noch selber in Ostpreußen an Spinnrad und Webstuhl saßen, Leinen und Teppiche webten, Handschuhe und Socken strickten für die lange Winterzeit und Jostenbänder mit vielfältigen Mustern webten. Teile für besondere Anlässe wurden mit zarter Weißstickerei oder traditionellen Kreuzstichmustern verziert. Dazu kamen die verschiedenen Teile der Tracht, Sommerkleid und Arbeitstracht. So saß jeder am Vor- und am Nachmittag über seine Arbeit gebeugt, nur ab und zu streckte sich ein krummer Rücken. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit verging, und man sich zu den schmackhaften Mahlzeiten im Speisesaal einfand. Ein großer Dank an das Heimleiterpaar Winkler und sein Team für die vorbildliche Versorgung.

Die Ruhezeit nach dem Mittagessen wurde von den meisten zu einem kurzen Spaziergang genutzt, um Luft zu schnappen. Nach dem Abendessen wurden kleinere Arbeiten angeboten, die aber mit gleicher Energie erledigt wurden, und das Ergebnis lag meist am gleichen Abend auf dem Tisch: Engel aus Jute und Borken, lustige Teddybären, Jostenbänder und vieles mehr. Spätestens am Freitag nachmittag wurde das Arbeitstempo noch etwas schneller, denn einen Tag später sollte möglichst das fertige Stück auf dem Ausstellungstisch liegen.

Es war wieder eine sehenswerte Ausstellung zum Schluß der Werkwoche, sie zeigte, daß das Motto "Erhalten, Gestalten, Weiterentwickeln" in die Tat umgesetzt wurde. Vieles war zu bewundern: die Arbeiten der fleißigen Näherinnen, Decken und Mustertücher mit akkurater Weißstickerei, ein großer Stern, jeder Strahl mit einem anderen Stickstich. Es gab Beispiele der schwierigen aber sehr wirkungsvollen Doppelwebtechnik, die "Gänse Liesel" trieb ihre Gänse auf einer Webknüpfarbeit, Läufer und Schal gesellten sich dazu. Auch der Winter kann kommen: Handschuhe in verschiedenen Mustern und Techniken wurden in größerer Zahl gezeigt.

Uta Lüttich faßte in ihrer Rede zur Ausstellungseröffnung das Geschehen der Woche noch einmal zusammen, erwähnte die Freude oder manches Mal auch den Kummer bei der Anfertigung der Arbeiten. Sie betonte auch, daß es schön wäre, wenn die Enkel durch diese Arbeiten Lust bekämen, diese Fertigkeiten zu erlernen und zu bewahren.

Zum Abschluß der Werkwoche wurde noch einmal ausgiebig im Kantsaal plachandert, bevor alle nach Hause reisten, um Gelerntes, Gesehenes und Gehörtes weiterzugeben. I. Streng