26.01.2022

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27.01.01 Jetzt auch Trittin: Moralischer Rigorismus schlägt auf die Linke zurück

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 27. Januar 2001


Fischer:
"Ganz normaler Straftäter"
Jetzt auch Trittin: Moralischer Rigorismus schlägt auf die Linke zurück 

Nein, so Jürgen Weber, er glaube Joschka Fischer nicht, daß er die volle Wahrheit über seine Verstrickung in die Straßenkämpfe der 70er Jahre sage. Weber war im Mai 1976 Opfer eines Brandanschlages während einer linksextremen Demonstration in Frankfurt am Main geworden. Der damals 23jährige Polizist erlitt schwerste Verbrennung, denen er um ein Haar erlegen wäre (Das Ostpreußenblatt berichtete).

Fischer verhalte sich "wie ein ganz normaler Straftäter", der nur zugebe, was er zugeben müsse und zu allem anderen schweige. "... ganz normaler Straftäter" – harter Tobak. Und es sollte noch dicker kommen. Er halte Fischer für den "geistigen Vater" der Gewaltexzesse, so Weber weiter. Und wenn er den Molotow-Cocktail auch nicht selber geworfen habe, so sei der Grünen-Politiker doch der "moralische Täter", der die Aktion mit seinen Gesinnungsgenossen gezielt vorbereitet habe.

Das bestätigt auch Christian Schmidt, Kenner der Frankfurter Sponti-Szene der 70er, in seinem schon 1998 erschienenen Buch "Wir sind die Wahnsinnigen". Danach hat Fischer am Vorabend der Demo den Einsatz der lebensgefährlichen Brandsätze sogar offensiv befürwortet, was dieser nach wie vor eisern abstreitet. Schmidt hat die Sache indes per Eidesstattlicher Erklärung eines Zeugen abgesichert.

Derweil erodiert ein weiterer Damm: Fischer hatte Kontakte zur terroristischen RAF-Szene noch bis vor kurzem geleugnet. Auch die RAF-Terroristin Margit Schiller habe nie mit ihm unter einem Dach gelebt. Das hat er unterdessen kleinlaut relativieren müssen. Ja, Schiller habe mit ihm in einem Haus, aber "nicht in einer Wohnung" gewohnt. Er "könne nicht ausschließen", daß man auch zusammen gefrühstückt und "Gespräche geführt" habe.

Abkehr von Gewalt nur aus Angst vor Selbstvernichtung

Nach Christian Schmidts Recherchen war überdies Fischers Absage an den RAF-Terror ein klein wenig anders motiviert, als es der heutige Minister darzustellen pflegt ("Damaskus-Erlebnis"). Nicht der Abscheu vor Gewalt an sich ist laut Schmidt in Fischers Reden und Artikeln von damals erkennbar. Sponti Joschka kritisierte den Weg der RAF, weil dieser nicht zum revolutionären Ziel führe, sondern zur "Selbstvernichtung". Hinzu kam, daß Fischer die "nackte Angst vor dem Gefängnis" gepackt habe (Schmidt).

Seit Wochenbeginn gerät neben Fischer Umweltminister Trittin unter die Räder seiner nebulösen Vergangenheit. 1977 war in dem Artikel einer linksradikalen Göttinger Studentenzeitung der "Abschuß" von Generalbundesanwalt Buback offen mit "klammheimlicher Freude" kommentiert worden. Noch 1994 hatte Trittin stolz verkündet, er habe sich damals bewußt nicht von dem (wie er sagt "pazifistischen") Beitrag distanziert und tue das auch heute nicht. Als Buback-Sohn Michael ihn vergangenen Sonntag zu einer Distanzierung aufforderte, meinte der Grünen-Politiker nur kühl: "Warum sollte ich?"

Erst als Buback diese Abfuhr an die Öffentlichkeit brachte, geriet Trittin ins Schwitzen und behauptet nun plötzlich, sich den Beitrag nie "zu eigen" gemacht zu haben, weshalb er sich auch nicht distanzieren müsse. Seine Stellungnahme von 1994 ("habe nicht zu denen gehört, die sich distanziert haben"), in welcher er erneut den "pazifistischen" Kern des Nachrufs verteidigt hatte, muß der damalige niedersächsische Bundesratsminister wohl in Trance abgegeben haben.

Immer lauter wird das Wehklagen aus den Reihen sogenannter "68er" über den "moralischen Rigorismus", der der damaligen Lage nicht gerecht werde. Man müsse das ganze doch "aus der Situation heraus" beurteilen, Verständnis haben – schließlich seien das "ganz andere Zeiten gewesen".

Genau diese Argumente haben die Linken nach 1968 ihrer eigenen Vätergeneration krachend um die Ohren gehauen. Wehe, wenn da einer wagte zu sagen: "Ihr seid doch gar nicht dabeigewesen, könnt nicht beurteilen, unter welchem Druck wir als junge Menschen standen in Krieg und NS-System." Solche verzweifelten Erklärungsversuche wurden mit eiskalter Verachtung als "Rechtfertigung" weggewischt.

Die Fischers und Trittins, die nie unter dem Druck einer wirklichen Diktatur wie NS- oder SED-Regime (das bekanntlich ganz ohne Gewalt beseitigt wurde) gestanden haben, müssen sich mindestens mit den gleichen Maßstäben messen lassen, die sie anderen anlegten und immer noch anlegen. Hans Heckel