26.01.2022

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27.01.01 Ein Reisebericht von Ilse Rudat

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 27. Januar 2001


Nostalgie auf Rädern –
Quer durch Ostpreußen
Ein Reisebericht von Ilse Rudat 

Über zweihundert Touristen reisten etwa 3200 Kilometer bei einer Schienenkreuzfahrt 1. Klasse im "Hansa-Express" durch das ganze Ostpreußen, und zwar durch den südlichen Teil mit Masuren sowie durch den nördlichen Teil mit Königsberg und Rauschen. Die Fahrt dauerte acht Tage und führte über Posen, Thorn, Danzig und Marienburg. Ausgangspunkt dieser Reise war Hamburg-Altona.

Moorrege und "Einmal Ostpreußen und zurück". Es ist schon ein traumhaftes Erlebnis von besonderer Art, sich in den komfortablen und bequemen Polstersitzen der First-Class-Nostalgie-Waggons wie zum Beispiel dem Salonwagen "Rheingold" mit Tischen, großen Panorama-Fenstern und viel Beinfreiheit zurückzulehnen, um in einem gemächlichen Tempo die zauberhafte masurische Landschaft mit ihren sanften bewaldeten Hügeln, wo überall blanke Seen gleich vorwitzigen Äuglein hervorlugen, bei herrlichem Sonnenschein an sich vorüberziehen zu lassen.

"Hansa-Express" mit viel Komfort

Diese unvergeßlichen Eindrücke erlebten die Schienen-Kreuzfahrer des "Hansa-Express" häufig beim Durchfahren des südlichen sowie des nördlichen Ostpreußens. In diesem Falle handelte es sich um die dritte Reise dieser Art, bei denen der jeweilige Anteil der echten Touristen, also Nicht-Ostpreußen, jedes Mal höher lag als jener der sogenannten Heimweh-Touristen. Die Passagiere waren vollauf begeistert, fühlten sich sehr wohl in den luxuriösen 1. Klasse-Wagen im Charme der zwanziger und dreißiger Jahre und ließen sich gern verwöhnen in den eleganten drei Mitropa-Speisewagen, in der noblen Piano-Bar mit angenehmer Life-Musik beim Glas Wein oder Sekt.

Gesamte Organisation war ein Meisterstück

Der 37 Jahre alte agile Reise-Veranstalter Arnold Kühn aus Düsseldorf, dessen Eltern aus dem Kreis Wehlau stammen, wurde tüchtig unterstützt von der zur Reiseleitung gehörenden Roswitha Thomsen, die jahrelang ein Reisebüro in Königsberg selbständig leitete und viel Erfahrung besitzt. Darüber hinaus hatte er einen guten Mitarbeiterstab von neunzehn Personen für seine über 200 Gäste. Ganz besonders stolz ist er auf seinen hervorragenden Speisewagenkoch Siegfried Fengels, der seine Erfahrungen bei der DSG und in Intercity-Speisewagen gesammelt hat. Es wurden stets frische Mahlzeiten zubereitet, die nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch sehr abwechslungsreich waren. Übernachtet wurde in der Zeit vom 3. bis zum 10. August in guten Mittelklassehotels, und zwar in Posen einmal, in Allenstein zweimal, in Königsberg einmal und in Danzig dreimal. Arnold Kühn und seine Mitarbeiter versorgten die Gäste zwischendurch mit wertvollen Informationen. Außerdem hatten sie diverse Besichtigungen und Ausflüge organisiert. An dieser Stelle sollte unbedingt erwähnt werden, daß die gesamte Organisation dieser Reise sowohl bei den Grenzübergängen als auch bei den Hotels und sonstigen Unternehmungen ein wahres Meisterstück zu nennen ist. Die Rückkunft des Hansa-Express war nach acht Tagen in Hamburg-Altona für 22.27 Uhr vorgesehen und wurde auf die Minute eingehalten.

Bei den vielen durchgeführten Unternehmungen – insbesondere sind die Stadtführungen durch Posen, Thorn, Königsberg, Frauenburg mit Frischem Haff, Marienburg, Danzig mit Zoppot und Oliva zu nennen – war ein echter Höhepunkt die Fahrt zwischen Elbing und Buchwalde durch das einmalige Vogelparadies des Drausensees und auf dem Oberländischen Kanal, wo die Schiffe über die Berge fahren.

Königsberger Dom mit fertigem Dach

Bewundernswert ist, wie zum Beispiel in Danzig, Marienburg oder Posen mit viel Einfühlungsvermögen und Können besondere historische Bauwerke wieder meisterhaft restauriert wurden. Auch im Königsberger Gebiet grüßt den Besucher der Dom wie in früheren Zeiten mit seinem Turm und fertigem Dach. Die meisten Löcher in den Hauptstraßen sind inzwischen geschlossen worden, und am Oberteich sind vereinzelt feudale Villen entstanden, die in starkem Maße mit Sicherheitsmaßnahmen versehen sind. In Königsberg ist die Not bei vielen Menschen sehr groß, und die Kluft zwischen Arm und Reich, was oft gleichbedeutend mit Mafia ist, wird immer größer. Auf dem Weg zur Entwicklung zur Freihandelszone ist man noch kein Stück vorangekommen. In den Dörfern, die immer stärker verlassen werden und veröden, gibt es kaum bestellte Felder. In den Geschäften von Königsberg wird eigentlich alles angeboten, den Menschen fehlt nur das Geld dafür.

Ein Kindheitstraum wurde wahr

Wie ist der junge Reiseveranstalter Arnold Kühn zur Idee einer Schienenkreuzfahrt gekommen? Wie es so häufig im Leben der Fall ist, hat sie ihren Ursprung in seiner Kinderzeit. Er war stets eisenbahnbegeistert und hat sich jetzt seinen Kindheitstraum erfüllt, indem er mit dem "Hansa-Express" auf Reisen geht. Er kommt aus einem kaufmännischen Beruf, hat zunächst nebenher Bahnreisen organisiert, bis er jetzt seit fünf Jahren Chef und Inhaber der Firma "Die Eisenbahn-Erlebnisreise", Arnold Kühn, Postfach 103314, 40024 Düsseldorf, Telefon 0211/385 84 42, Fax 0211/385 84 43, ist. Die Wagen seines "Hansa-Express" hat er gemietet, zum Teil bei privaten Vereinen und bei der Bahn selbst. Außerdem muß er für die Benutzung der Strecken überall Miete bezahlen. Wie er mitteilt, gibt es für diese Art zu reisen auch noch andere Veranstalter. Mit von der Partie waren der Unternehmer Winfried Buszkiewicz und der frühere Amtmann der Bahnpost, Herr Fiebig, beide vom Eisenbahnverein, die als versierte Techniker von größtem Wert waren.

Im nächsten Sommer wieder drei Reisen

Arnold Kühn erklärte, daß er im nächsten Jahr während der Sommermonate Juni bis August wieder drei solche Schienenkreuzfahrten durch Ostpreußen veranstalten wird. Interessenten sollten sich rechtzeitig bei ihm in Düsseldorf (Anschrift und Telefon siehe oben) melden.

In diesem Jahr bietet er noch im Herbst eine Städtereise nach Wien an, einen Sächsischen Nußknacker-Expreß zur Sächsischen Weihnacht ins Erzgebirge und nach Leipzig, einen "Goethe-Literatur-Expreß" zur Faust-Aufführung nach Leipzig und anderes mehr.

Auf jeden Fall ist dieses, wohin auch immer der Weg führen mag, eine ideale Reisemöglichkeit für aufgeschlossene Senioren, denen lange Busreisen zu beschwerlich erscheinen.