26.01.2022

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24.02.01 Dietmar Albrecht gekündigt – Landeszuschüsse gesperrt

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 24. Februar 2001


Pommernzentrum:
"Revanchisten und Reaktionäre"
Dietmar Albrecht gekündigt – Landeszuschüsse gesperrt
(Hagen Nettelbeck)

Die Pommersche Landsmannschaft hat sich von dem Leiter ihrer Ostsee-Akademie, Dr. Dietmar Albrecht, getrennt. In einem Vergleich vor einem Gericht in Lübeck wurde die Auflösung des Arbeitsvertrages zum 31. März 2001 vereinbart. Vorausgegangen waren eine fristlose Kündigung sowie ein über die Medien ausgetragener Streit zwischen Albrecht und seinen politischen Freunden einerseits und den deutschen Vertriebenen andererseits.

Aus den Reihen der Pommern war Albrecht, der seit 1990 die Akademie leitete, bereits seit Jahren vorgeworfen worden, sich zu wenig um pommersche Themen zu kümmern und sich statt dessen auffallend stark für Litauen, Galizien und Polen zu interessieren – und zwar nicht nur wissenschaftlich, sondern offenbar auch mit viel Verständnis für deren Positionen.

Der seit Jahren schwelende Streit eskalierte im Sommer 2000. Die Führung der Pommerschen Landsmannschaft drängte auf die Trennung. Gestützt wurde und wird Albrecht innerhalb der Landsmannschaft von den drei ehemaligen Pommern-Sprechern Philipp v. Bismarck, Günter Friedrich und Wolfgang Müller-Michaelis. Die sind sich zwar angeblich untereinander auch nicht immer grün, aber sie sind sich zumindest in ihrer Unterstützung für den bedrängten Politologen und Sinologen Albrecht einig. Alle drei Sprecher sind Mitglied der CDU; nicht wenige Pommern werfen ihnen vor, ihre Loyalität zur Partei über die Treue zur Landsmannschaft gestellt zu haben.

Die politische Lage für die Pommern – wie für die Vertriebenen insgesamt – ist in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden. Nachdem 1991 das deutsch-polnische Vertragswerk unterzeichnet worden war, zeichnete sich Ende der neunziger Jahre ab, daß alle Hoffnungen und Versprechungen sich als unrealistisch erwiesen: Polen lehnt das Recht auf die Heimat ab.

Die Unzufriedenheit führte dazu, daß die Pommern 1999 ihren Sprecher Günter Friedrich abwählten und überraschend Müller-Michaelis aufs Schild hoben – in der trügerischen Hoffnung, daß er sich für ihre Belange einsetzen werde. Als das Führungsgremium der Landsmannschaft im Sommer 2000 die Trennung von Dietmar Albrecht beschloß, legte Müller-Michaelis aus Protest gegen diese Entscheidung umgehend sein Amt nieder.

Seitdem wird die Landsmannschaft hauptsächlich von Klaus Moerler (parteilos) und von der CDU-Bundestagsabgeordneten Susanne Jaffke, einer erklärten Kritikerin von Albrecht, geführt.

In dem Streit erhob Dietmar Albrecht mehrfach den Vorwurf, der Vorstand der Landsmannschaft wolle die Akademie offenbar "pommersch durchwirken", die Kündigung sei politisch motiviert.

Die Pommern-Führung hingegen versichert, daß die Kündigung rein sachlich zu begründen sei und daß es keinen politischen Hintergrund gebe. Bei der Prüfung der Verwendung öffentlicher Gelder seien seit 1996 immer wieder "erhebliche Mängel" festgestellt worden.

Die Pommern werfen Albrecht vor, daß es im Sommer 2000 erneut zu Eigenmächtigkeiten und Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Unterstützung erhielt Albrecht von den drei Ex-Sprechern, im Herbst 2000 aber auch zunehmend von den Landespolitikern aus SPD, FDP und CDU. Der neuen Pommern-Führung wurde dabei von Kieler Politikern eine "reaktionäre" und sogar "revanchistische" Einstellung vorgeworfen.

Als Reaktion auf die Kündigung haben Bund und Land seit dem 1. Januar 2001 die Zuschüsse für die Ostsee-Akademie gesperrt. Besonders in Kiel drängt man nun darauf, daß die Ostsee-Akademie, die ihren Sitz im Pommern-Zentrum in Travemünde hat, einen anderen Träger bekommen soll. Dann soll auch wieder das Geld fließen. Allerdings ist die Idee, die Akademie in eine neue Trägerschaft zu überführen, nicht neu, bereits Ende der neunziger Jahre haben hinter den Kulissen gemeinsam Bundesinnenministerium, Kieler Landesregierung und die CDU-Vertreter in der Landsmannschaft an dieser Lösung gearbeitet. Bei einem neuen Träger wäre die Landsmannschaft eines unter vielen Kuratoriumsmitgliedern. "Die Ostsee-Akademie hat nur dann eine Zukunft, wenn es eine neue Trägerschaft gibt", forderte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD).

Die Pommern stehen relativ geschlossen hinter ihrer derzeitigen Führung. Beobachter gehen davon aus, daß Philipp v. Bismarck, Günter Friedrich und Wolfgang Müller-Michaelis auch in absehbarer Zeit keine Chance in der Landsmannschaft haben werden. Trotz aller aktuellen Widrigkeiten ist die Pommern-Führung derzeit verhalten optimistisch; die CDU-Bundestagsabgeordnete Susanne Jaffke, die auch im Vorstand der Landsmannschaft mitarbeitet, setzt sich in Berlin derzeit nachdrücklich für eine Aufhebung der Sperrung ein. Die Ostsee-Akademie, die man in eigener Trägerschaft behalten will, soll bald einen neuen Leiter erhalten und so wieder ihre Versöhnungsarbeit fortsetzen.